Politik

Großdemo in Salzburg: 3500 Beamte auf der Straße

<span style='color:#00509f; font-weight:bold'>Proteste.</span> So laut war es in der Altstadt schon lang nicht mehr: 3500 Landesbeamte zogen zum Chiemseehof - samt Trillerpfeifen, Gashupen und deftigen Kampfansagen. Die Regierung blieb hart.



Da musste sogar der Herr Verkehrspolizist lachen: "Was, da durch wollen Sie? Da wünsch’ ich Ihnen viel Spaß. Da demonstrieren heut’ Tausende Beamte." So vernahm es der Autofahrer, der am Montag um neun Uhr leidenschaftlich gern durch das Neutor gefahren wäre. "Pfff", ließ er sich, mit seinem Mercedes kehrtmachend, vernehmen.

Das war sicherlich die richtige Entscheidung. Denn wo sonst am Rudolfskai der Verkehr dröhnt, wälzt sich am Vormittag ein Heer von Landesbediensteten in Richtung des Regierungssitzes im Chiemseehof. Der Aufmarsch erinnert ein wenig an einen römischen Triumphzug - nur mit mehr schlechter Laune. Voran schreiten die Personalvertreter und Gewerkschafter, die Elite der Demonstranten in ihren grellgelben Signalwesten. Es folgen Beamte, Vertragsbedienstete, Ärzte und Krankenschwestern. Teils in Berufstracht, immer aber mit grünen Trillerpfeifen - welche übrigens, zu Ehren des obersten Personalvertreters Helmut Priller, auch "Prillerpfeifen" genannt werden.

Auf die Protesttruppen folgen, zu Fuß und motorisiert, die polizeilichen Bewacher des Zuges mit Schirmkappen. Am Ende rollen im Schritttempo mehrere Stadtbusse, mit sichtlich gelangweilten Fahrern hinterm Steuer. 3500 Menschen werden sich später im engen Hof des Regierungsgebäudes zusammendrängen.

Worum es geht? Die Landesbediensteten wollen "ein Stück vom Kuchen", wie Priller sagt. Das bedeutet: dass wenigstens die Gehaltsverluste durch die Inflation ausgeglichen werden. Jahrelang habe man real auf Einkommen verzichtet, jahrelang einen Beitrag zum Sparen geleistet. Nun soll es 3,5 Prozent Lohnerhöhung geben, soziale Staffelung inklusive.

Genau das will die Regierung nicht. Sie ist derzeit nur bereit, einmalig 8,4 Mill. Euro als Trostpflaster herauszurücken.

Die Meinung der Bediensteten manifestiert sich auf deren launigen Transparenten: "Only One Solution - Revolution", ist da zu lesen, oder: "Rücken krumm, Tasche leer. Chiemseehof: Danke sehr."

Immer dichter wird der Menschenstrom, als noch der Zug aus der Alpenstraße zu jenen aus den Kliniken und dem Porschehof stößt. Chiemseehof, Chiemseegasse, Krotachgasse, Kaigasse - überall Beamte. Überall das ohrenbetäubende Trillern. Ein Facharbeiter hat eine Gashupe gebastelt. Ein Beamter kommt mit Megafon - für 27 Euro erhältlich bei eBay. Ein anderer trommelt auf einer umgedrehten Mülltonne. Kurzum: Es herrscht Höllenlärm.

Abseits des Zuges wirkt mancher genervt: "Ich warte nur, bis die Chaoten weg sind. Ich muss dort zu meinem Auto", sagt ein Handwerker. Er dürfte nicht beim Land angestellt sein.

Indessen intoniert Personalvertreter Priller seine Kampfrede: "Solidarität vom Bodensee bis zum Neusiedlersee", verlangt er, der "einfache Personalvertreter". Und fügt hinzu: "Ich bin nämlich sicher kein Gewerkschaftsbonze."

Es ist ein Tag, an dem der Job als Politiker irgendwie keinen Spaß macht. Das zeigen auch die Gesichter von LH Gabi Burgstaller (SPÖ) und Stv. Wilfried Haslauer (ÖVP), die irgendwann vor das Portal des Regierungsgebäudes treten. Agrarlandesrat Sepp Eisl (ÖVP) versucht anscheinend, sich hinter seinem Parteichef zu verstecken, doch vergeblich. Finanzreferent David Brenner wurde ertappt, als er vom Fenster aus ein Handy-Foto des Spektakels geknipst hatte - was nicht eben gut ankam.

Nun sind die politischen Spitzen Salzburgs eingekeilt. Und müssen sich jetzt von allen Seiten antrillern lassen. Eine "Provokation" wird eine aufgewühlte Gabi Burgstaller die Demonstration später nennen.

Doch erst spricht die Landeshauptfrau zu ihren Beamten, eher: Sie schreit. Doch selbst das hilft nichts. Denn der einzige Lautsprecher steht vor statt im Chiemseehof. Und so sehen Tausende Zuhörer nur Lippenbewegungen. Was Burgstaller gesagt hat? Im Wesentlichen, dass es bei der Nulllohnrunde bleiben wird.

Die Demonstranten dürften das zumindest geahnt haben: "Verräter" und "Bagage", ist von hinten zu hören. Immerhin: Am Donnerstag sind die Personalvertreter zu einer neuen Diskussionsrunde eingeladen. "Keine Einmalzahlung", so lautet deren Forderung. Genau das will die Regierung mit aller Macht verhindern. Perfekte Voraussetzungen also für harmonische Gespräche. Und wenn sie scheitern? Bei dieser Frage beginnen Helmut Prillers Augen zu glänzen. "Dann sind wir nächsten Montag wieder da."

Quelle: (SN).

Aufgerufen am 17.07.2018 um 11:24 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/grossdemo-in-salzburg-3500-beamte-auf-der-strasse-5472661

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