Politik

Grüner Wahlsieg: Wahlkarten "drehen" Ergebnis in Salzburg

Die Wahlkarten entschieden am Montag das Rennen um Platz eins im Bundesland. Der Vorsprung auf Norbert Hofer betrug letztlich 11.133 Stimmen.

Den Briefwählern verdankt Alexander Van der Bellen seinen Wahlsieg in Salzburg. Das Bundesland ist im dritten Anlauf (erste Wahl im April, Stichwahl im Mai, Wiederholung der Stichwahl) mehrheitlich grün. Von den 33.365 abgegebenen Wahlkarten entfielen 68,6 Prozent auf Alexander Van der Bellen - das sind um 8,5 Prozent mehr als bei der annullierten Stichwahl. Norbert Hofer kam auf 31,4 Prozent. 668 Wahlkarten waren ungültig.

Für das Gesamtergebnis in Salzburg waren die Briefwähler damit das Zünglein an der Waage und entschieden über Platz eins im Bundesland. In Summe kommt Alexander Van der Bellen jetzt in Salzburg auf 52 Prozent, während Hofer 48 Prozent erreichte. Den Unterschied in absoluten Zahlen: 11.133 Stimmen.

Ausreißer: Wo anders gewählt wurde

Das Wahlergebnis in der Gemeinde Saalfelden ähnelt dem Landesergebnis am stärksten - der Unterschied beträgt lediglich 0,04 Prozentpunkte. Dem Bundesergebnis am ähnlichsten sind die Ergebnisse der Gemeinde Fusch an der Glocknerstraße, der Unterschied beträgt lediglich 0,1 Prozentpunkte. In Muhr hingegen ist es genau umgekehrt, hier gibt es mit 36,1 Prozentpunkten den größten Unterschied zum Ergebnis auf Bundesebene.
Alexander van der Bellen schaffte es in allen 119 Gemeinden seine Stimmanteile auszubauen. Den stärksten Zugewinn schaffte er in Göriach (+12,8 Prozentpunkte), den geringsten in Untertauern (+0,1 Prozentpunkte).


Im ersten Wahlgang lag Norbert Hofer noch in allen 119 Gemeinden des Landes Salzburg vor Alexander van der Bellen. Im annullierten zweiten Wahlgang reduzierte sich die Anzahl der "Hofer-Gemeinden" auf 109. In der Stichwahl am Sonntag konnte Norbert Hofer noch in 90 Gemeinden die Mehrheit der Stimmen für sich verbuchen. Grün sind nun auch Fusch, Kaprun, Maishofen, Sankt Martin bei Lofer, Lofer, Schwarzach, Golling, Sankt Gilgen, Fuschl, Oberndorf, Seeham, Obertrum, Seekirchen, Anthering, Hallwang, Hof, Puch, Grödig und Hallein.

Alexander van der Bellen liegt damit in 29 Gemeinden vor seinem Kontrahenten.
Am engsten beieinander liegen die beiden Kandidaten in Saalfelden: 41 Stimmen bzw. 0,6 Prozentpunkte trennen Norbert Hofer und Alexander van der Bellen.
Norbert Hofer erreicht in 90 der 119 Salzburger Gemeinden mindestens 50 Prozent der Stimmen. In 14 Gemeinden gelingt es ihm mindestens zwei Drittel der Wählerinnen und Wähler für sich zu gewinnen und in einer Gemeinde (Muhr, 84,5 Prozent) überspringt er sogar die Hürde für eine Dreiviertelmehrheit.


Wie die Bezirke gewählt haben

Was die Bezirke betrifft, so konnte Van der Bellen die Stadt Salzburg, den Flachgau und den Tennengau für sich entscheiden. Norbert Hofer liegt im Pongau, Pinzgau und Lungau vorn. Im Lungau erreichte Hofer 62,6 Prozent - sein stärkstes Bezirksergebnis. Sieht man sich die Landeshauptstadt genauer an, dann gibt es deutliche Unterschiede in den Stadtteilen. Unangefochten vorn liegt Van der Bellen in der Neustadt/Äußerer Stein mit 73,5 Prozent, aber auch in der Altstadt und Mülln mit 71 Prozent. Am stärksten schnitt Norbert Hofer in Lehen mit 49 Prozent und Taxham mit 48 Prozent ab.


Mehr Salzburger gingen zu den Urnen

Wahlmüde waren die Salzburger am Sonntag jedenfalls nicht. Die Wahlbeteiligung lag in Salzburg diesmal bei 74,4 Prozent. Das heißt, dass die Wiederholung der Stichwahl mehr Interesse weckte - 294.079 Salzburger gaben ihre Stimme ab.

VdB konnte 5200 Hofer-Wähler gewinnen

Die Wählerstromanalyse, die die Landesstatistik am Tag nach der Wahl ausgewertet hat, kommt jedenfalls zu folgendem Ergebnis: Beide Kandidaten erreichten in Salzburg hohe Wiederwahlquoten gegenüber der annullierten Stichwahl vom Mai. Alexander Van der Bellen hat de facto eine Wiederwahlquote von 100 Prozent. Also all jene, die im Mai in Salzburg VdB gewählt haben, taten das auch diesmal.

Bei Norbert Hofer hingegen haben nur neun von zehn seiner Wähler wieder das Kreuz hinter seinem Namen gemacht. Im Umkehrschluss heißt das, Van der Bellen erhielt 5200 Stimmen von ehemaligen Hofer-Wählern. Die Wahlentscheidung in Salzburg brachten aber wohl einstige Nicht-Wähler. Diese konnte Van der Bellen deutlich stärker motivieren. Zwar gingen auch diesmal vier Fünftel davon nicht wählen, allerdings konnte Van der Bellen elf Prozent der einstigen Nicht-Wähler für sich gewinnen. Und das waren 14.000 Stimmen für den grünen Wirtschaftsprofessor. Hofer konnte zwar auch Nicht-Wähler gewinnen (10.800), im Gegenzug blieben aber 8900 seiner einstigen Wähler der Wahl am Sonntag fern.

Überdurchschnittlich zulegen konnte Van der Bellen diesmal dort, wo er bei der annullierten Stichwahl schlecht abgeschnitten hat. Dort, wo VdB weniger als 30 Prozent der Stimmen im Mai hatte, legte er im Schnitt um 6,7 Prozent zu. Den stärksten Zugewinn schaffte er in Göriach mit 12,8 Prozentpunkten, den geringsten in Untertauern mit einem Plus von 0,1 Prozent. In den grünen Hochburgen war der Zuwachs geringer und belief sich auf 4,7 Prozent im Schnitt.

Umgekehrt verhält es sich bei FPÖ-Kandidat Norbert Hofer: Er verlor vor allem in jenen Gemeinden stark, in denen er im annullierten Wahlgang den höchsten Zuspruch erhalten hatte.

Die fleißigsten Wähler

In 107 Gemeinden hat sich die Wahlbeteiligung im Vergleich zur annullierten Stichwahl erhöht. Die höchste Wahlbeteiligung (und auch die höchste Zunahme) gab es in der Gemeinde Göming (79,2 Prozent), am wenigsten Wahlberechtigte haben in Tweng ihre Stimme abgegeben (45,3 Prozent). Tweng ist allerdings gleichzeitig jene Gemeinde, in welcher anteilig die zweitmeisten Wahlkarten ausgestellt wurden.
In St. Koloman gibt es mit 9,5 Prozent den höchsten Anteil ungültiger Stimmen (annullierte Stichwahl: Hintersee mit 10,1 Prozent), in St. Margarethen im Lungau haben nur 2,6 Prozent ungültig votiert.

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Quelle: SN

Aufgerufen am 14.11.2018 um 02:49 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/gruener-wahlsieg-wahlkarten-drehen-ergebnis-in-salzburg-825172

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