Politik

Haslauer zu Coronamaßnahmen: Die Menschen sind erschöpft

Der Salzburger Landeshauptmann sieht das Contact Tracing im Bundesland "an der Grenze" und schließt nicht aus, dass Salzburg demnächst ähnlich wie Vorarlberg personelle Hilfe der AGES benötigt.

Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer: „Die öffentliche Diskussion wird politisch zum Teil instrumentalisiert.“ SN/APA/BARBARA GINDL
Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer: „Die öffentliche Diskussion wird politisch zum Teil instrumentalisiert.“

Mit Stand Sonntag früh (8.30 Uhr) hat das Land Salzburg 269 Covid-Neuinfektionen in den vergangenen 24 Stunden gemeldet. Das sei der bisherige Höchstwert, heißt es. Die Zahl der derzeit aktiv mit dem Coronavirus infizierten Personen sei auf 1712 gestiegen. 105 von 119 Salzburger Gemeinden sind demnach derzeit betroffen.

Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) sagte am Sonntag in der ORF-"Pressestunde", dass Salzburg beim Contact Tracing "an der Grenze" sei. Rund 350 Mitarbeiter seien derzeit im Kontaktpersonen-Management in den Bezirken eingesetzt. Dazu habe man Mitarbeiter vom AMS und dem Bundesheer zur Verstärkung eingesetzt. Man konzentriere sich derzeit auf die positiven Fälle.

Was die Kontaktpersonen der Kategorie 2 anbelange, sei man nicht mehr zeitlich in der Lage, das innerhalb von ein bis zwei Tagen abzuwickeln. So könne es mittlerweile schon vier bis fünf Tage dauern, bis diese eine Nachricht bekämen.

Haslauer schließt nicht aus, dass Salzburg ähnlich wie Vorarlberg Hilfe von der AGES benötigt. Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit unterstützt das Vorarlberger Team nun mit 30 Mitarbeitern, um Infektionsketten nachzuvollziehen. Derzeit benötige man diese Hilfe noch nicht, "aber ich schließe nicht aus, dass das notwendig werden wird", betonte Haslauer.

"Der öffentliche Disput verwirrt die Menschen"

Die Akzeptanz für Coronamaßnahmen in der Bevölkerung sei gesunken. Das sieht auch der Landeshauptmann so. Weil die Menschen nach einem Sommer, der relativ gut gelaufen sei, mittlerweile auch erschöpft seien. Die Zahl der Kritiker steige. Und das hänge auch mit einem Disput der Wissenschafter, wie gefährlich das Virus sei und welche Maßnahmen helfen würden, zusammen.

"Dieser öffentliche Disput verwirrt die Menschen. Und die öffentliche Diskussion wird politisch zum Teil instrumentalisiert", meint Haslauer. Es gebe mittlerweile mehr als 20 Prozent Corona-Leugner, Skeptiker oder Ablehner. "Auf diese Gruppe setzt sich die Parteipolitik drauf und das führt dann auch zu einer Polarisierung, die wenig erfreulich ist."

Die drei westlichen Bundesländer (Vgb, Tirol, Sbg) haben die Sperrstunde für die Gastronomie bekanntlich seit Wochen bei 22 Uhr festgesetzt. Angesprochen auf die Frage, warum genau in diesen drei Bundesländern die Zahl der Neuinfektionen nicht zurückgehe, sondern trotzdem höher sei als in anderen Bundesländern, meinte Haslauer: "Wir wissen ja nicht, wie es wäre, wenn wir die Sperrstunde nicht bei 22 Uhr festgesetzt hätten."

Im urbanen Bereich habe die Sperrstunde sehr wohl etwas gebracht. In der Stadt Salzburg sei die Entwicklung besser als in den restlichen Bezirken. Man dürfe aber auch nicht übersehen: Das Sozialleben auf dem Land sei ein anderes als in der Stadt. Hier gebe es ein Vereinsleben, eine starke Geselligkeit auch abseits der Gastronomie, etwa beim Zusammensitzen im Stüberl nach dem Vereinstraining, der Chorprobe oder dem Putzen des Feuerwehrautos.

"Ich will keine Schulschließungen haben"

Was die Möglichkeit von Schulschließungen nach den Herbstferien anlangt, so sagte der Landeshauptmann, dass man in dieser Woche beraten werde, wie es weitergeht: "Wenn es irgendwie geht, wenn es irgendwie verantwortbar ist, möchte ich keine Schulschließungen haben." Entscheidend sei aber die Gesamtentwicklung, und wie die Schulen zur Infektionssituation beitragen würden. "Ein Oberstufenlehrer, der infiziert ist, hat ungefähr 150 Kontaktpersonen am Tag." Möglich sei auch ein Schichtbetrieb in Oberstufenklassen. "Aber wenn es irgendwie möglich ist, sollte man die Schulen offen lassen."

Angesprochen auf den Kurs der ÖVP in der Flüchtlingspolitik, sagte Haslauer, die ÖVP sei klarer positioniert als vorher. "Sie ist in der Mitte positioniert, aber Mitte-rechts vielleicht." Es gebe eine klarere Positionierung im Bereich Migration. "Aber in vielen anderen Bereichen ist die ÖVP genau die, die sie immer war."

Was die Bilder aus dem griechischen Flüchtlingslager Moria betreffe, so sei es eine vertretbare Linie zu sagen, dass man nicht das mache, was jetzt schnell gut ankomme, schnell politisch Ruhe verschaffe und keine Antwort sei.

Haslauer: "Denn was passiert mit den anderen 10.000? Das Lager füllt sich ja wieder, die Türken schieben sofort nach. Wir müssen schauen, dass wir vor Ort helfen. Ich lasse der ÖVP auch nicht das Mäntelchen des Unmenschlichen umhängen. Wir haben seit 2015 mehr als 120.000 Schutzsuchende aufgenommen. Allein in diesem Jahr haben an die 9000 Personen, darunter über 4000 Minderjährige, einen positiven Bescheid bekommen."

Aufgerufen am 29.11.2020 um 09:04 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/haslauer-zu-coronamassnahmen-die-menschen-sind-erschoepft-94692943

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