Politik

"Ich bin eine leidenschaftliche Oma"

Im April dieses Jahres nahm Astrid Rössler Abschied aus der Politik. Mit 59 Jahren denkt sie allerdings noch nicht an die Pension. Der Star-Wars-Fan will sich weiter für die Umwelt einsetzen und wird im kommenden Jahr eine zusätzliche  Ausbildung beginnen.

Die ehemalige grüne Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler stand im Rochushof in Maxglan Rede und Antwort.  SN/sw/saha
Die ehemalige grüne Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler stand im Rochushof in Maxglan Rede und Antwort.


Redaktion: Vor vier Monaten haben Sie nach den Landtagswahlen ihren Rückzug aus der Politik bekanntgegeben. Wie ist es Ihnen seitdem ergangen?
Astrid Rössler: Es haben mir zwar manche Personen prophezeit, dass mir der Abschied sehr schwer fallen werde, dem ist aber nicht so. Die Wehmut war am Anfang natürlich da, da ich viele Themen in meinem Ressort bearbeiten konnte, die mir wichtig erschienen. Unter anderem das neue Raumordnungsgesetz. Ich hätte das auch gerne noch weitere fünf Jahre entwickelt, das Ergebnis bei den Wahlen hat es aber aus meiner Sicht nicht zugelassen. Bei zwölf bis 15 Prozent hätte man darüber reden können. Das große politische Interesse wird sich bei mir so oder so nie ändern, auch nicht was die Themen betrifft. Ich nehme mittlerweile die tägliche Presse bewusster wahr. Ich habe nun endlich Zeit, Ö1 in der Früh zu hören und auch mehr Gelegenheiten, das politische Geschehen auf Bundesebene näher zu verfolgen.

Wie steht es um den Kontakt zu Ihren ehemaligen Kolleginnen und Kollegen in der Partei?
Ich habe natürlich weiterhin Kontakt zu unserem grünen Klub. Wenn Fragen an mich gestellt werden, die meine Bereiche betreffen, gebe ich Ratschläge, aber ich mische mich nicht mehr aktiv ein, das ist nicht mehr meine Aufgabe. Manchmal frage ich aber nach, ob gewisse Themen, die mir wichtig sind, am Radar unseres Klubs sind. Ich sehe mich dahingehend in der Rolle der Beobachterin. Die Grünen müssen wieder eine Begeisterung für ihre Anliegen finden. Eine Verjüngung auf Bundesebene würde ebenfalls nicht schaden.

Mit wem haben Sie in Ihrer Zeit als Politikerin am liebsten zusammengearbeitet?
Ich habe Kolleginnen und Kollegen immer dann sehr geschätzt, wenn sie bereit waren, sich auf unterschiedliche Sachthemen einzulassen, und sich dann auch in diesen Angelegenheiten vertieft haben. Das war zum Beispiel eine Eigenschaft, die ich bei Landeshauptmann Wilfried Haslauer sehr geschätzt habe. Wir hatten stets eine gute, professionelle Ebene, vor allem auch in der Art, wie man miteinander umgeht.


Mit 59 Jahren denken viele Menschen bereits an die Pension. Wie sieht Ihre weitere Lebensplanung aus?
An die Pension denke ich nicht. Es beginnt jetzt ein neuer Lebensabschnitt für die kommenden zehn bis 15 Jahre. Ich unterrichte ab jetzt wieder an der Tourismusschule in Klessheim im Rahmen des Internationalen Lehrgangs. Meine Themen sind nachhaltiger Tourismus und Ökologie. Als ich in die Regierung gekommen bin, habe ich diese Tätigkeit ausgesetzt, da ich gegen Nebenjobs in einer solchen Position bin. Ich arbeite aber auch in der Beraterfirma meines Mannes, dabei spreche ich mit Betrieben über Umweltthemen beziehungsweise über alles, was mit der umliegenden Nachbarschaft zu tun hat. Es können aber auch Behördenverfahren sein oder wenn es Konflikte innerhalb des Unternehmens gibt.

Man hört, dass Sie auch eine weitere Ausbildung im Bereich der Landwirtschaft machen wollen. Stimmt das?
Das stimmt. Ich will demnächst die Ausbildung zur landwirtschaftlichen Facharbeiterin beginnen. Das ist aber mit großem Zeitaufwand verbunden. Ich werde daher die Ausbildung nicht mehr in diesem Jahr starten, sondern eher 2019. Ich muss erst recherchieren, welche Möglichkeiten es bei dieser Ausbildung in Österreich gibt. Manche Institute bieten es berufsbegleitend, in Blocks oder über einen längeren Zeitraum an, da muss ich mich erst entscheiden.


Woher kommt eigentlich diese enge Verbundenheit zur Umwelt, Natur und Landwirtschaft?
Ich bin im oberösterreichischen St. Pantaleon nahe der Grenze zu Salzburg aufgewachsen. Ich habe in meiner Kindheit die meiste Zeit in unserem Garten und den angrenzenden Wäldern verbracht. Dadurch habe ich automatisch eine Nähe zur Natur entwickelt, die immer mein Interesse gehabt hat. Ich bin immer mit offenen Sinnen durch diese Gegend gewandert und das hat mich auch für mein weiteres Leben geprägt.


Der Sommer war geprägt von einer Hitzewelle, wie haben Sie Abkühlung gefunden?
Ich war jetzt oft im Keller und habe dort entweder aufgeräumt oder etwas gearbeitet. Ich würde mich als sehr gute Handwerkerin bezeichnen, der Bohrer und sämtliche andere Werkzeuge sind mir also nicht fremd. Diese Woche habe ich meinem Sohn Clemens beim Umzug in Villach geholfen. Es gibt also immer etwas zu tun, auch wenn es heiß ist.

Welche Rolle spielen in Ihrem Leben Ihre Enkel?
Ich bin eine leidenschaftliche Oma. Mein ältester Sohn Clemens (37), ein Physiker, hat mittlerweile drei Buben im Alter von drei bis neun Jahren. Mein jüngerer Sohn Markus (35), der als Architekt in Wien arbeitet, hat einen einjährigen Sohn. Entweder sind meine Enkel bei mir oder ich besuche sie in Villach und Wien. Jetzt habe ich ja die Zeit dafür. Ich versuche ihnen natürlich auch den Umweltgedanken bei unseren Ausflügen näher zu bringen. Ich denke, dass das bei meinen beiden Söhnen schon recht gut geklappt hat, wobei sie politisch nie aktiv waren.


Sie gelten als Star-Wars-Fan. Wer ist Ihre Lieblingsfigur?
Ich bin durch meine beiden Söhne zu Star Wars gekommen. Wir haben uns die Filme gemeinsam viele Male angesehen. Ich liebe Yoda. Er ist ein bisschen schrullig, hat aber den totalen Überblick. Er ist geheimnisvoll. Vielleicht habe ich eine gewisse Nähe zu ihm, weil ich gerne ein wenig so sein würde wie er. Diese Weisheit und über den Dingen zu stehen, das wünschen sich wahrscheinlich viele Menschen.

Welche drei Themen sind für die Salzburger in den kommenden Jahren besonders wichtig?
Der zunehmende Verkehr, aber auch die Hitze. Es gehören mehr Grünflächen in die Stadt, da sind auch die Architekten in der Zukunft gefordert, das noch stärker einzubeziehen. Das dritte Thema ist die kulturelle Vielfalt, das gemeinsame Zusammenleben in den Stadtteilen. Hier ist die Stadtteilbetreuung gefordert, noch mehr gemeinsame Feste und Veranstaltungen wären hilfreich.

Von der Juristin zur grünen Politikerin

Nach der Matura studierte Astrid Rössler von 1977 bis 1982 Rechtswissenschaften an der Universität Salzburg. Ihren beruflichen Einstieg begann sie von 1986 bis 1987 mit ihrem Gerichtspraktikum. Danach bildete sie sich im Bereich Umweltmanagement weiter und arbeitete zwischen 1988 und 1990 für die Salzburger Landesumweltanwaltschaft.

Nach einem Abstecher im Bereich der Abfallwirtschaft in Wien arbeitete sie von 1993 bis 2000 erneut für die Salzburger Landesumweltanwaltschaft, in der sie ab 1998 deren stellvertretende Leiterin war. 2001 legte sie die Prüfung zur zertifizierten Mediatorin ab.

Im Jahr 2009 zog sie für die Grünen in den Salzburger Landtag ein. Bereits zwei Jahre später wurde sie zur Nachfolgerin von Cyriak Schwaighofer als Landessprecherin der Salzburger Grünen gewählt. Nach den Landtagswahlen 2013 war Astrid Rössler Landeshauptmann-Stellvertreterin von Wilfried Haslauer (ÖVP). Nach der Niederlage bei den Landtagswahlen im April dieses Jahres trat sie als Politikerin zurück.


Aufgerufen am 18.10.2018 um 05:21 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/ich-bin-eine-leidenschaftliche-oma-39098017

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