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Im Tourismus gibt es eine Verdreifachung der Arbeitslosenzahlen

Salzburgs Arbeitsmarkt hat die Krise nach Tirol am schlimmsten erwischt. Dennoch liegt Salzburg auf dem zweitbesten Platz im Österreich-Vergleich.

Über 5800 Tourismusarbeitskräfte in Salzburg sind derzeit arbeitslos. SN/robert ratzer robert ratzer
Über 5800 Tourismusarbeitskräfte in Salzburg sind derzeit arbeitslos.

Die erste gute Nachricht: Die Zahl der Arbeitslosen im Bundesland ist am 30. Juni erstmals seit dem Corona-Lockdown mit 19.941 Personen unter die 20.000er-Marke gesunken. Rechnet man die Schulungsteilnehmer dazu, sind derzeit 21.744 Arbeitskräfte ohne Job. Die schlechte Nachricht ist, dass die Arbeitslosigkeit im Vergleich zu Ende Juni des Vorjahrs um 96,2 Prozent zugenommen und sich damit praktisch fast verdoppelt hat. Salzburg ist damit nach Tirol (plus 123,4 Prozent Arbeitslose) weiter das von der Krise am schlimmsten betroffene Bundesland. Im Österreich-Schnitt sind die Arbeitslosenzahlen im Jahresvergleich "nur" um 56,8 Prozent gestiegen.

Eine weitere Folge der Krise ist, dass es viel weniger Jobs gibt: Bei der unselbstständigen Beschäftigung wird ein Rückgang um 4,5 Prozent bzw. rund 12.000 Dienstverhältnisse auf etwa 251.000 Beschäftigte erwartet. Daraus ergibt sich eine aktuelle Arbeitslosenquote von 7,4 Prozent nach nationaler Berechnungsmethode.

Es gibt aber auch eine zweite gute Nachricht: Mit diesen 7,4 Prozent, die andere Bundesländer wie Wien auch in Vor-Corona-Zeiten nicht oder nur knapp geschafft haben, liegt Salzburg weiterhin sehr gut im Österreich-Vergleich - nämlich auf dem zweitbesten Platz hinter Oberösterreich (6,4 Prozent). Österreichweit liegt die Arbeitslosenquote bei im Schnitt 10,1 Prozent.

Jacqueline Beyer, Landesgeschäftsführerin des AMS, erklärt die gute Position Salzburgs so: "Voraussetzung dafür war die zuvor schon sehr gute Basis auf dem hiesigen Arbeitsmarkt." Denn im letzten Monatsbericht vor dem Lockdown, jenem per 1. März, wies Salzburg eine Arbeitslosenquote von nur 4,7 Prozent auf. Mit 1. Juli 2019 lag Salzburg mit der Quote von 3,7 Prozent bereits klar unter der Grenze von vier Prozent, ab der man von Vollbeschäftigung spricht.

Beyer betont aber noch einen zweiten Punkt, der die trotz Krise vergleichsweise niedrige Arbeitslosenquote erklärt: "Das ist die starke Inanspruchnahme der Kurzarbeit, die über 122.000 Beschäftigten in Salzburg den Job sichert oder gesichert hat." Allerdings muss hier betont werden, dass die Zahl von 122.370 von Ende Juni alle Mitarbeiter umfasst, für die deren Arbeitgeber seit März Kurzarbeit beantragt haben. Wie viele Salzburger ab 1. Juli tatsächlich noch in Kurzarbeit seien, werde erst in den nächsten Tagen berechnet, betont Beyer.

Besonders schlimm hat die Coronakrise den Salzburger Tourismus erwischt: "Zwar ist zu Saisonbeginn die Zahl der Arbeitslosen aus dem Hotel- und Gastgewerbe gegenüber dem Vormonat um fast viertausend gesunken. Es sind aber weiterhin über 5800 Tourismusarbeitskräfte arbeitslos. Das sind drei Mal so viele wie vor einem Jahr." Tatsächlich verzeichnet das Hotel- und Gastgewerbe mit einem Plus von 201 Prozent den stärksten Zuwachs im Jahresvergleich; gefolgt vom Verkehrswesen (97 Prozent) - zu dem etwa die angestellten Taxifahrer, Lkw-Lenker und Bus-Chauffeure zählen - und der Baubranche (plus 92 Prozent).

Als neue Gegenstrategie bietet das AMS bis Ende Juni 2021 den "Neustartbonus" an: Das ist eine neue Variante des Kombilohn-Modells. Hier erhalten ab sofort neu eingestellte Teilzeitbeschäftigte, die vor ihrer Arbeitslosigkeit Vollzeit beschäftigt waren, einen Bonus von bis zu 950 Euro pro Monat. Dessen genaue Höhe ist abhängig vom bisherigen Arbeitslosengeld (plus Zuschlag von 45 Prozent) und dem geplanten Teilzeitgehalt. Ziel sei, den Einkommensausfall, der sich durch die Annahme einer Teilzeitstelle ergebe, auszugleichen, betont Beyer. Auch die Arbeitgeber hätten hier einen Vorteil: "Sie erhalten so neue Mitarbeiter, die sich sonst einen Teilzeitjob wegen ihrer Fixkosten nicht leisten könnten." Allerdings: Die Förderung wird für höchstens 28 Wochen gewährt und nur für Stellen mit mindestens 20 Wochenstunden, die beim AMS gemeldet waren. Für Beyer hat sich der Mitte Juni gestartete Bonus schon jetzt bewährt: "Allein in Salzburg konnten wir so 136 Arbeitslosen wieder zu Jobs verhelfen. Das sind 42 Prozent jener österreichweit 325 Personen, die bis dato mit dem Bonus unterstützt wurden."

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