Politik

In Zell am See ist das Rennen völlig offen

Zell am See ist immer für eine politische Überraschung gut. Wieder einmal werden die Karten völlig neu gemischt. Am Mittwoch um 19 Uhr diskutieren die Kandidaten für das Bürgermeisteramt im Ferry Porsche Center.



In seiner Geschichte hat Zell am See schon einige politische Wechsel erlebt. Langzeitbürgermeister ist man hier schon, wenn man zwei Perioden durchhält. Für leidenschaftliche Diskussionen fanden die selbstbewussten Interessengruppen der Stadt noch immer einen Anlass.

1934 schaffte es die Gemeindevertretung, sich selbst auszuschalten, indem sie sich nicht mehr auf einen Bürgermeister einigen konnte. Das Land schickte einen Verwalter und Wien das Militär, um in der aufgeheizten Stimmung wieder für Ruhe zu sorgen.

So turbulent geht es heute nicht mehr zu, aber langweilig ist die Politik in Zell am See noch immer nicht. Auch bei der Bürgermeisterwahl am 9. März werden die Karten wieder völlig neu gemischt. 2004 stellten sich Georg Maltschnig (SPÖ) und Peter Haitzmann (ÖVP) der Bürgermeisterwahl. 2009 waren es Bernd Kaiser (SPÖ), Hermann Kaufmann (ÖVP) und Eric Brandner (BZÖ). Heuer sind es Peter Padourek (ÖVP), Hans Wallner (SPÖ) und Fidelius Krammel (Grüne).

Rennen zwischen Padourek und Wallner

Das Rennen werden wohl Padourek und Wallner unter sich ausmachen. Wer von ihnen die Wahl gewinnt, darüber traut sich in Zell am See aber niemand eine Prognose abzugeben - besonders nachdem schon die Wahl 2009 in der Bergstadt einen überraschenden Erdrutsch brachte. Nach 40 Jahren verlor die SPÖ ihre absolute Mehrheit und das Bürgermeisteramt. Beides sicherte sich die ÖVP mit dem Quereinsteiger Hermann Kaufmann. Entscheidend für diesen Sieg war zweifellos die Persönlichkeit von Kaufmann, der sich ungeheurer Beliebtheit erfreute. Kurzzeitbürgermeister Bernd Kaiser hingegen war viele Jahre lang Verkehrsstadtrat. Ein Posten, mit dem man sich fast nur Gegner machen kann.

Nach dem überraschenden Tod von Kaufmann im Herbst wählte die Gemeindevertretung Padourek als Nachfolger. Man wird sehen, ob er vom Amtsbonus seines Vorgängers profitieren kann. Um selbst einen aufzubauen, dafür war die Zeit fast zu kurz. Vom SPÖ-Kandidaten Hans Wallner kam schon im Dezember der Vorwurf an die ÖVP, Kaufmann für den Wahlkampf zu instrumentalisieren. Seither wird versucht, ihn in Frieden ruhen zu lassen. Sein tragischer Tod ist noch zu nah, um Kaufmanns Leistung als Ortschef öffentlich zu beurteilen. Hinter vorgehaltener Hand gibt es dazu unterschiedliche Meinungen. Ebenso über die Amtszeit von Hans Wallner, der von 1994 bis 1999 schon Bürgermeister war. Wallner genießt aber ebenso wie Padourek hohe Sympathie.

Spannung bei Gemeindevertretungswahl

Genauso spannend wie die Bürgermeisterwahl wird in Zell am See auch die Gemeindevertretungswahl. Dass es neuerlich eine absolute Mehrheit für eine der beiden Großparteien gibt, ist unwahrscheinlich. Denn Grüne und FPÖ werden mit dem Rückenwind aus der Landtagswahl zulegen. 2009 sind die beiden Parteien unter Wert geschlagen worden. Die Grünen erreichten 7,2 Prozent, die FPÖ 6,1 Prozent.

Die größten Probleme in Zell am See sind der fehlende Hochwasserschutz in Schüttdorf, der Verkehr und die teuren Wohnungen. Vor allem beim Hochwasserschutz drängt die Zeit. 2005 und 2013 fehlten nur wenige Zentimeter zur Überflutung des mit Wohnhäusern, öffentlichen Gebäuden und Betrieben dicht bebauten Stadtteils. Der Schaden wäre enorm. Es gibt zwar eine fertige Planung für den Hochwasserschutz und auch die Finanzierung wäre gesichert. Bisher schaffte es die Politik aber nicht, sich mit den Grundbesitzern zu einigen.

Bürgermeister Peter Padourek sagt: "Wir müssen schauen, dass wir den Hochwasserschutz bekommen." Hans Wallner spricht von einem brennenden Problem. Der grüne Bürgermeisterkandidat Fidelius Krammel sagt, die Politik hätte diese Hausaufgabe schon längst erledigen müssen. Und Udo Voglreiter, Sprecher der FPÖ, ist für provisorische Maßnahmen, um die Bürger sofort zu schützen.

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