Politik

Inge Haller spricht über ihren Krebs

Die Diagnose Brustkrebs traf Gemeinderätin Inge Haller (Bürgerliste) vor Weihnachten unvorbereitet. "Ich habe mich immer unverwundbar gefühlt", sagt sie gegenüber den "Stadt Nachrichten".

Ingeborg Haller (Bürgerliste) erzählt von ihrer Erkrankung, weil sie damit anderen Frauen Mut machen möchte.   SN/sw/vips
Ingeborg Haller (Bürgerliste) erzählt von ihrer Erkrankung, weil sie damit anderen Frauen Mut machen möchte.  

Es hätte ein unaufgeregtes Interview über die aktuelle Stadtpolitik werden sollen - vielfach erprobt. Doch bei der unausweichlichen Frage nach den eigenen Karriereambitionen gerät Inge Haller in ein für sie untypisches Stocken.

"Für mich haben sich die Prioritäten verschoben", sagt sie dann. Und erzählt, dass sie im November einen kleinen Knoten an ihrem Dekolleté ertastete und sich wenige Tage später mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert sah: "Das hat mich wie der Blitz gestreift."

Sie, die regelmäßig im Fitnessstudio trainiert, ständig in den Bergen unterwegs ist, sich gesund ernährt und nicht raucht - ausgerechnet sie sollte es erwischt haben? "Ich konnte das nicht glauben. Ich habe mich unverwundbar gefühlt", sagt die 56-Jährige, die vom Alter her freilich in die Hauptrisikogruppe fällt. Gute Erfahrungen machte sie in der Behandlung. "Wir haben in Salzburg eine österreichweit führende Brustambulanz. Ich habe mich ernst genommen und gut aufgehoben gefühlt."

Die Vernetzung zwischen Frauenärztin, Landeskrankenhaus und Röntgeninstitut habe vorbildlich funktioniert. Innerhalb relativ kurzer Zeit bekam Haller einen OP-Termin, nun folgen Bestrahlungen und eine Antihormontherapie. "Ich weiß, dass ich die nächsten Jahre Medikamente nehmen muss, aber ich bin guten Mutes, das alles durchzustehen."

Um diesen guten Mut geht es ihr, wenn sie ihre Krankengeschichte nun öffentlich macht. "Natürlich ist jeder Fall anders, aber wir sind medizinisch so weit, dass Brustkrebs keine Diagnose mehr ist, die einen so erschrecken muss", lautet ihre Botschaft. Mehr als ein Mal hebt sie im Gespräch die Bedeutung der Früherkennung hervor: "Es kommt darauf an, auf sich selbst zu achten und Veränderungen möglichst rasch zu erkennen."

Mag sein, dass sich damit leichter tut, wer sportlich ist, meint Haller, die fast täglich Rad fährt, Krafttraining macht und gerne wandert. Ihre körperliche Fitness hilft der Gemeinderätin nun auch im Kampf gegen den Krebs - wie ihr die Ärzte bescheinigen. "Die größte Gefahr liegt darin, nach einer Krebsdiagnose in Lethargie zu verfallen - der völlig falsche Weg. Ich habe mich aufgerafft und bin schon wieder eine Skitour gegangen."

Engagement prägt irgendwo auch Inge Hallers Politik. Ihr Einsatz für das Stolperstein-Projekt ist das wohl beste Beispiel. 300 solche Steine, verteilt über die Stadt, erinnern heute an die Opfer des Nationalsozialismus.

Die Juristin stammt aus dem Atterseegebiet und ging 2004 mit Anfang 40 in die Gemeindepolitik, als ihre Anwaltskanzlei in der Neustadt lief und die Tochter erwachsen war. Man sagt Haller große Karriereambitionen nach und handelt sie als mögliche Nachfolgerin von Bürgerlisten-Stadtrat Johann Padutsch.

Hat der Krebs daran etwas geändert? Haller antwortet, sie werde sich der Wiederwahl stellen, wolle aber nichts mehr erzwingen. Für sie spreche ihre Kontinuität, Loyalität und Beharrlichkeit, meint sie und ist der Meinung, man werde sie in der Bürgerliste auch brauchen. "Aber: Meine Erkrankung macht es mir möglich, die Politik gelassener zu sehen."

Aufgerufen am 26.09.2018 um 12:50 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/inge-haller-spricht-ueber-ihren-krebs-23359165

Schlagzeilen