Politik

Innsbrucks Bürgermeister Willi mischt im Salzburger Wahlkampf mit

Die Salzburger Bürgerliste holt sich den erfolgreichsten Grünen Österreichs als Vorbild an ihre Seite. Georg Willi wird Martina Berthold im Wahlkampf für die Bürgermeisterwahl kräftig unterstützen - vor allem inhaltlich.

Georg Willi und Martina Berthold. SN/bürgerliste
Georg Willi und Martina Berthold.

Es war eine kleine Sensation, als Georg Willi im April die Bürgermeisterwahl in Innsbruck gewonnen hat. Die Grünen waren eben erst aus dem Parlament geflogen, die Situation für die Öko-Partei also ein Desaster, und plötzlich gab es in der Tiroler Landeshauptstadt den ersten grünen Bürgermeister einer Landeshauptstadt - mit dem niemand gerechnet hatte.

Dieses Kunststück möchte Martina Berthold in Salzburg nachmachen, wenn am 10. März 2019 die Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl in der Stadt Salzburg ansteht. Urgestein Johann Padutsch geht in Pension, Berthold ist neue Spitzenkandidatin der Bürgerliste. Die frühere Landesrätin und aktuelle Klubchefin der Grünen im Landtag ist bereits im Wahlkampf und hat sich mit Georg Willi prominente Unterstützung aus dem Westen geholt.

Martina Berthold mit Georg Willi.  SN/bürgerliste
Martina Berthold mit Georg Willi.

Was Innsbruck und Salzburg verbindet

Am Donnerstag trat Berthold gemeinsam mit dem Innsbrucker Stadtchef in Salzburg auf. Denn Innsbruck und Salzburg verbinde viel, meint Berthold. Gemeint sind die Probleme bei leistbarem Wohnraum und dem Verkehr.

Willi: "Was das Thema Wohnen betrifft, sind Salzburg und Innsbruck ähnlich. Beides sind attraktive Städte, beides sind Universitätsstädte. Das zieht Leute an. Wir haben mittlerweile im Median 16 Euro pro Quadratmeter Miete. Es gibt aber auch schon Wohnungen mit 21 bis 25 Euro pro Quadratmeter. Das sind dann 1200 Euro für eine 50 Quadratmeter große Wohnung. Das kann sich keiner mehr leisten".

Der Innsbrucker Bürgermeister plädiert dafür, dass es einen politischen Eingriff in den Grundstücksmarkt geben müsse, um wieder leistbares Wohnen zu ermöglichen. "Wir müssen uns wieder trauen, einzugreifen. Denn der Markt regelt das eben nicht allein. Der ist völlig überhitzt", sagt Willi.

Und genau in diese Richtung will auch Martina Berthold gehen. Es brauche Mut und Gestaltungswillen. Sie wolle auch an einer "Leerstandsabgabe" auf leerstehende Wohnungen dranbleiben. Dass die Bürgerliste mit Padutsch seit Jahrzehnten den Planungs- und Verkehrsstadtrat in Salzburg stellt und beide Bereiche große Baustellen sind, weiß Berthold. "Wir haben jetzt einen Generationenwechsel. Es wird nicht in den alten Fahrwassern weitergehen. Ich sehe manches mit anderen Augen."

Sie wolle auch keine Orchideenthemen im Wahlkampf aufbringen, sondern voll auf Wohnen und Verkehr setzen. "Und da schauen wir uns gerade an, was Georg Willi in Innsbruck macht."

Leistbares Wohnen und Binnen-I?

Willi hatte im Wahlkampf vor allem mit einer Aussage Schlagzeilen gemacht. Er sagte in einem Zeitungsinterview: "So hart das klingen mag, aber die Frage, ob ich mir das Dach überm Kopf leisten kann, beschäftigt die Leute ganz einfach mehr als die Frage nach dem Binnen-I oder der Ehe für alle"

Was er heute dazu sagt? "Ich würde das heute anders formulieren, aber die Grundaussage ist so, wie ich sie gesagt habe", meinte Willi am Donnerstag in Salzburg. "Was wir Grünen nicht geschafft haben, ist, dass das Binnen-I ein wichtiges Symbol ist zwischen der Verteilungsgerechtigkeit von Männern und Frauen. Mir tuts leid, dass das Thema der Verteilungsgerechtigkeit nicht denselben Stellenwert hat wie leistbares Wohnen. Wir brauchen beides. So würde ich das heute formulieren."

Willi mit Auftritten im Wahlkampf

Der Innsbrucker Bürgermeister wird Berthold im Wahlkampf verstärkt unterstützen. So wird er auch beim Wahlkampfauftakt der Bürgerliste im Februar dabei sein. "Wenn ich unsere Situation vergleiche, ist es ziemlich ähnlich. Die Grünen sind im Bund in einer Schwächephase, und in der Stadt stark. Es gibt nur einen wesentlichen Unterschied zwischen Berthold und mir: Ich war immer Oppositionspolitiker und bin dann auf die Regierungsbank gewechselt. Die Martina bringt schon Erfahrung in der Regierung im Land mit und kennt den Beamtenapparat. Das muss ich noch lernen", sagt Willi.

Aufgerufen am 01.10.2020 um 07:39 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/innsbrucks-buergermeister-willi-mischt-im-salzburger-wahlkampf-mit-61281988

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