Bürgermeister-Kandidaten vorgestellt

Johann Padutsch: Ein DJ mit langem Atem will die Stadt rocken

Wenn ein Politiker das Wort Urgestein für sich reklamieren kann, dann wohl er. Warum Padutsch sich 1982 gegen die Privatwirtschaft entschied und im Verhindern einen Sinn sieht.

Beim ersten Mal hat's noch nicht geklappt. Herr Stadtrat hat einfach den Termin für das SN-Interview übersehen. Irgendwie sympathisch, diese Nonchalance.

Einige Tage später erscheint Johann Padutsch dann auf der Dachterrasse des Unipark Nonntal. Padutsch, wie er leibt und lebt - das bedeutet ein heraushängendes Hemd, die permanente Krawatten-Abstinenz und vor und nach der Pressekonferenz noch schnell eine "Tschick". Die Terrasse am Dach der Uni mit Blick auf die Festung besitzt für den "Dinosaurier" unter Salzburgs Stadtpolitikern Symbolkraft. "Diesen Bau würde es ohne mich in der Form wahrscheinlich nicht geben. Ein sehr komplexes Projekt mit vielen einzelnen Teilen von der ARGEkultur bis zum Universitätsgebäude, wo ein Schritt immer einen anderen erfordert hat." Rund 20 Institutionen waren über Jahre an diesem Projekt beteiligt, das 2003 mit dem Neubau der ARGEkultur begonnen hatte. "Es zeigt, dass Stadtplanung nicht über eine Periode gedacht werden kann, sondern über mehrere Perioden denken muss."

Wie Padutsch zur Politik kam

Den langen Atem hatte das Arbeiterkind schon immer - auch wenn sein Zigarettenkonsum anderes besagt. Dabei stand dem Fernmeldetechniker eine gut dotierte Karriere in der Privatwirtschaft bevor. "Bei meinem allerersten Vorstellungsgespräch bei Siemens bin ich gleich genommen worden. Das werde ich nie vergessen." 45.000 Schilling netto monatlich hätte der damals 26-Jährige als Bauleiter für Siemens in Hongkong verdient. Als Gemeinderat musste er sich mit 8000 Schilling begnügen. Er entschied sich für die Politik.

Irgendwann war es Padutsch zu wenig, nur rumzusitzen und mit seinen Freunden über die ungerechte Welt zu philosophieren. "Eines Tages kam eine Broschüre der Bürgerliste ins Haus geflattert. Gelb-Schwarz, also Extrem-Kontraste. Das war eine wirkliche Streitschrift." Padutsch folgte der Einladung zur Generalversammlung. Auf dem Pult: Johannes Voggenhuber, Herbert Fux und Eckehart Ziesel - die Gründer der Bürgerliste. "Jeder der drei hat eine Brandrede gehalten, dass alles zu spät war", erinnert sich Padutsch schmunzelnd zurück.

1982 und heute, das könne man nicht miteinander vergleichen: "Die Bürgerliste war damals wesentlich stärker Protestbewegung als jetzt, wo alle politischen Bereiche abgedeckt werden müssen und deshalb das Profil nicht mehr ganz so klar ist wie damals. Gegen die geplante Stadtautobahn etwa leistete die Bürgerliste Widerstand, und darum ist sie auch gewählt worden."

Politik, die an die Substanz geht

Das Wort "Verhinderer" hört Padutsch nicht gerne - auch wenn ihn politische Gegner gern so betiteln. In sozialen Medien etwa taucht der grüne Verkehrsstadtrat immer wieder als Feindbild der Autofahrer auf. Irgendwie paradox. Just in seiner Zeit als Verkehrsstadtrat hat sich der Verkehr in der Landeshauptstadt nahezu verdoppelt. Die Einführung einer Citymaut, die Padutsch über 25 Jahre hinweg predigte wie der Erzbischof, fand nie Anklang, geschweige denn einen Unterstützer in der Stadtpolitik. Weil sich im Verkehr kaum etwas so entwickelte, wie er es gern gehabt hätte, resignierte der Verkehrsstadtrat in den vergangenen Jahren zusehends. "Jeder, der im Stau steht und sich über mich ärgert, soll einmal kurz nachdenken, dass er vielleicht selbst Teil des Problems ist", erwidert der 62-Jährige.

Dass die Politik an die persönliche Substanz geht, hat Johann Padutsch 2013 am eigenen Leib erlebt. Nach Herzrhythmusstörungen, einer OP und Erschöpfungszuständen musste er sich eine Auszeit nehmen.

Johann Padutsch auf dem Dach des Uniparks Nonntal – eines seiner Erfolgsprojekte. SN/robert ratzer
Johann Padutsch auf dem Dach des Uniparks Nonntal – eines seiner Erfolgsprojekte.

Padutsch sieht sich nicht als Verhinderer, sondern als Ermöglicher. Er verweist auf die Renaturierungen an der Glan. "Die Naherholungsbereiche werden von den Salzburgern stark angenommen. Es ist erfreulich, wenn du etwas für die Gewässerökologie machen kannst und auch für die Menschen." Zu seinen Erfolgen zählt der Stadtrat, dass während seiner Amtszeit 18.000 Wohnungen entstanden sind und der Stadtteil Lehen runderneuert wurde.

Als "DJ Padutsch" rockte er unzählige Partys

Wenn Padutsch verhindert, dann aus Überzeugung. Die Erweiterung der Mönchsberggarage etwa - oder die ersten Europark-Entwürfe des Spar-Konzerns. "Ich habe dem Vorstand einen Wettbewerb vorgeschlagen. In diesem betreuten Verfahren kam Massimiliano Fuksas als Sieger hervor. Und bei der Eröffnung hat sich der Vorstandssprecher bei mir bedankt, dass wir ihre Projekte verhindert haben." Verhindern mache also hin und wieder Sinn.

Mehr Spaß dürfte Padutsch das Ermöglichen machen. Etwa, als er 1992 als Vizebürgermeister auch für die Bezirksverwaltungsbehörde zuständig war. "Das menschenunwürdige Aufenthaltsgesetz kam in meinen Vollzug. Da waren Fälle dabei, da hast du dir an den Kopf gegriffen. Ein Baby, das in Österreich geboren ist, aber nicht im Pass seiner Mutter stand, sollte abgeschoben werden." Hunderte Akten drehten Padutsch und sein Team um. "Das waren tolle Erlebnisse, weil ich noch nie davor und danach so stark in die Existenz von Menschen involviert war."

Kernwähler findet Padutsch in der alternativen Kulturszene. Vielleicht, weil er als "DJ Padutsch" jahrelang den unerschrockenen Kämpfer für gute Musik gab und unzählige Partys rockte. "DJ, das ist ein bisschen wie komponieren. Man bestimmt die Reihenfolge und dadurch auch die Atmosphäre, die auf der Tanzfläche oder auf der Party entsteht. Man muss sich das ja auch trauen." Rockmusik in all ihren Spielarten, von Jazzrock bis zu World Music, von Zappa bis Placebo - das war DJ Padutschs Revier. Doch auch ein Dorian Gray wie er ist nicht mehr der Jüngste: "Jetzt habe ich wieder ein kleines Kind. Dadurch hat sich auch der Lebensrhythmus verändert. Mit Fortgehen ist nix." Dafür sei abends Abhängen vor der Flimmerkiste eine Option. Mehr Zeit dafür könnte Johann Padutsch ab 2019 haben, wenn die Politpension winkt: "Außer, ich werde Bürgermeister."

Quelle: SN

Mehr zum Thema

Aufgerufen am 21.09.2018 um 05:00 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/johann-padutsch-ein-dj-mit-langem-atem-will-die-stadt-rocken-20404711

Die Salzburger Medea hat sich verletzt

Die Salzburger Medea hat sich verletzt

Die Premiere von "Das goldene Vlies" im Schauspielhaus Salzburg ging nicht über den ersten Kuss hinaus. Medeas Gebet bringt nichts. Dabei hat sie sich über die Schale gebeugt, mit ihren Armen rhythmisch …

Kommentare

Schlagzeilen