Politik

Lob und Kritik zum angekündigten Bettenstopp in der Landeshauptstadt

SPÖ und Bürgerliste in der Stadt Salzburg begrüßen den von Bürgermeister Harald Preuner (ÖPV) angekündigte Obergrenze von 15.000 Hotelbetten in der Landeshauptstadt. Die Neos bleiben hingegen skeptisch - und stellen die Frage nach der Durchsetzbarkeit einer solchen Grenze.

Die Zahl der Touristen in der Landeshauptstadt ist seit Jahren stark steigend.  SN/robert ratzer
Die Zahl der Touristen in der Landeshauptstadt ist seit Jahren stark steigend.

Gleich mehrere Fraktionen im Salzburger Gemeinderat haben am Mittwoch auf den von Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) angekündigten "Bettenstopp" - in Form einer Obergrenze von maximal 15.000 Hotelbetten in der Landeshauptstadt - reagiert. SPÖ-Altstadt- und Tourismussprecherin Gemeinderätin Hannelore Schmidt begrüßt etwa, dass im Bereich des Tourismus nun endlich etwas passiere: "Ich empfinde es positiv, dass Bürgermeister Preuner sich endlich bewegt. Die Stimmung in der Salzburger Bevölkerung ist kurz vorm Kippen, was den Tourismus angeht."

Schmidt mahnt aber: "Es geht nicht nur um das Angebot, sondern auch darum, worauf wir als Stadt den Fokus legen. Das muss ganz klar der Qualitätstourismus sein. Darauf muss unser Fokus als Stadt liegen." Dabei verweist sie vor allem auf den Kongress- und Messetourismus für den Betten im Vier- und Fünf-Stern-Bereich wesentlich sind. "Nach wie vor besteht gerade in diesem Sektor der Bedarf nach an einem Standort mit gebündelter hoher Bettendichte", so Schmidt. 2018 hatte der Geschäftsführer der Städtischen Tourismusgesellschaft (TSG), Bert Brugger, selbst angemerkt, dass Wachstum im Kongressbereich nur mit neuen Angeboten möglich sei.

SPÖ fordert Bettenstopp primär bei Jugendherbergen und Billighotels

Schmidt weiter: "In der Bevölkerung hat sich in den letzten Jahren die Haltung zum Tourismus immer mehr gewandelt. Die Akzeptanz nimmt kontinuierlich ab. Von daher ist eine Bettenobergrenze ein erster Schritt. Es ist ein positives Signal an die Bevölkerung", so Schmidt. Dieses sei aber erst in letzter Minute erfolgt, wie sie durchblicken lässt.

Die Gemeinderätin fordert außerdem eine Differenzierung: "In der Sparte der Jugendherbergen und Billighotels macht ein Bettenstopp mit Sicherheit Sinn. Da gibt es mittlerweile sehr viel Angebot", sagt Schmidt - betont aber eines: "Im Bereich der Vier- und Fünf-Stern Hotels macht das aber keinen Sinn. Denn für den Qualitätstourismus brauchen wir diese Betten. Da gibt es sogar immer wieder den Ruf nach mehr Angebot." Das müsse Preuner berücksichtigen, fordert Schmidt.

Bürgerliste: "Harald Preuner hat zu lange nur zugesehen"

Für den Tourismussprecher Markus Grüner-Musil von der grünen Bürgerliste sind die negativen Auswirkungen des Tourismus auf alle Lebensbereiche in der Stadt Salzburg bereits "unübersehbar". Aus seiner Sicht sind "die Grenzen des Wachstums erreicht", zu lange habe man sich mit immer höheren Kapazitäten und Auslastungen selbst gefeiert, meint der Gemeinderat. Er begrüßt den Bettenstopp grundsätzlich - übt aber auch Kritik: "Um hier gegenzusteuern hätte man schon vor einigen Jahren wirkungsvolle Maßnahmen setzen müssen." Und: "Zu lange haben Wachstum und Profit den Tourismus in Salzburg geprägt, die Auswirkungen auf die Menschen die in Salzburg leben wurden leider vernachlässigt."

Viele Probleme, mit denen die Menschen im Alltag zu kämpfen hätten, würden durch die mittlerweile ganzjährige Nutzung der Stadt für touristische Zwecke mit verursacht, sagt Grüner-Musil. Wie Tourismusforscher Kurt Luger in seiner jüngsten Studie gezeigt habe, sei auch das Verkehrsproblem in der Stadt massiv vom Tourismus verursacht; ein umfassendes, ganzjähriges Park&Ride-System wäre aus seiner Sicht längst überfällig.

Auch die Wohnungs- und Bodenpreise würden von Zweitwohnsitzen und privaten Ferienwohnungen mit in die Höhe getrieben, meint er. Grüner-Musil: "Bürgermeister Preuner verweigert jedoch jede aktive Bodenpolitk seitens der Stadt." Schlecht bezahlte Jobs im Tourismus bei schwierigen Arbeitsbedingungen seien zudem eine Ursache für einen großen Arbeitskräftemangel. Die ökologischen Folgen und klimaschädlichen Aspekte des Massentourismus seien ohnehin unbestritten, meint er.

Seine Conclusio: "Wir werden den Bürgermeister an Taten messen, wenn er nun über eine Begrenzung des Tourismus spricht. Die Menschen in Salzburg erwarten jetzt mutige und zukunftsfähige Konzepte und deren konsequente Umsetzung."

Neos: Besser als Betten-Obergrenze wäre, die Wertschöpfung zu erhöhen

Neos-Gemeinderat Lukas Rößlhuber sieht den neuen Vorstoß des Bürgermeisters differenziert: "Besser als eine Bettenobergrenze von 15.000 wäre es, die Qualität zu erhöhen. Denn das Jubiläum "100 Jahre Salzburger Festspiele" stehe an, internationale Medien, wie die "New York Times" und "Lonely Planet" würden deshalb einen Besuch in Salzburg empfehlen. Rößlhubers Meinung: "Warum sollte man die Gäste wegschicken?" Vorschlag der Neos sei, die Qualität und die Wertschöpfung zu heben, vor allem bei den Tagesgästen: 500 Euro Wertschöpfung pro Bus sollten das Mindeste sein; und ein Mindestumsatz von 10 Euro pro Besucher wäre wohl zumutbar, heißt es. Konkret sollte die Wertschöpfung beispielsweise über Altstadtgutscheine in der Salzburger Wirtschaft verbleiben. Und über Tarifgestaltungen bei den Museen oder der Festungsbahn ließen sich die Touristenströme besser über den Tag verteilen, meint Rößlhuber.

Rößlhuber will auch eine Entzerrung der Verkehrsströme

Dass sich die Stadt und die TSG die Mobilfunk- und Verkehrsdaten anschauen wollen um die Trampelpfade zu entzerren, ist aus Rößlhubers Sicht eine gute Idee: "Mit der gleichen Methode könnte der Bürgermeister endlich auch ein Verkehrskonzept vorlegen. Das alte Verkehrskonzept stammt aus den Achtzigerjahren, wurde in den Neunzigern aufgewärmt, und ist, wie in einem Amtsbericht zu lesen ist, an den eigenen Zielen gescheitert. Vielleicht sollte der Bürgermeister hier mit dem Analysieren und Entzerren beginnen", so Rößlhuber.

Quelle: SN

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