Politik

Mehr Radwege: Salzburger Landesrat nimmt Autos den Platz weg

"Wir sehen zu viel durch die Autofahrerbrille", sagt Salzburgs Verkehrslandesrat. Für ihn kommt das Auto nur noch an dritter Stelle: Denn neben Bus und Bahn will er auch den Radverkehr forcieren.

Landesrat Stefan Schnöll:„Wir wollen das Tempo der Autos in den Orten reduzieren.“ SN/robert ratzer
Landesrat Stefan Schnöll:„Wir wollen das Tempo der Autos in den Orten reduzieren.“

Anton Prlić

Herr Schnöll, wie sind Sie mit dem Radwegenetz im Land zufrieden? Wir merken schon, dass ein Umdenken stattfindet und auch in den Gemeinden das Rad mehr wahrgenommen wird. Früher hat man den Verkehrslandesrat vor allem wegen Umfahrungen gefragt. Jetzt geht es immer öfter um Radwege. Und wir unterstützen das mit Förderungen.

Spüren die Bürger dieses Umdenken der Politik? Nach und nach. Es ist viel gemacht worden, es fehlen uns aber noch viele Lückenschlüsse. Da haben wir viele Baustellen. Aber wir haben auch unser Radbudget dramatisch angehoben: Von 2,5 auf 4,35 Millionen Euro.

Die Stadt Salzburg rühmt sich als Fahrradhauptstadt. Wie gut ist die Radfahrinfrastruktur wirklich? Sie ist ausbaufähig, aber auf einem hohen Niveau. Unsere Herausforderung ist das Umland, der Pendlerverkehr. Für unser Stauproblem und die Umweltkrise wäre es wichtig, dass über die Stadt hinaus geradelt wird. Oder zumindest die letzte Meile bis zu einem Öffi.

In der Stadt werden 20 Prozent aller Wege mit dem Rad zurückgelegt, im Pongau sind es nur vier Prozent … Dort hat man schwierige Voraussetzungen. Aber man kann die Radinfrastruktur überall verbessern. Und wenn es nur überdachte Abstellplätze sind.

Denken die Gemeinden zu wenig über ihre Grenzen? Wir hatten zu lange ein Kirchturmdenken in der Verkehrspolitik. Aber immer mehr Gemeinden schließen sich zusammen. Wir haben einen Lückenschluss zwischen Wagrain und Kleinarl geschafft. Grödig, Hallein, Anif und die Stadt Salzburg haben wir zusammengespannt und gemeinsam über öffentlichen Verkehr und Radwege gesprochen.

In den Niederlanden werden Straßen für den schwächsten Verkehrsteilnehmer zuerst geplant, erst am Schluss für das Auto. Brauchen wir ein solches Umdenken? Wir sehen zu viel durch die Autofahrerbrille. Bei mir hat der öffentliche Verkehr Vorrang. Das beginnt bei der Schiene und hört bei Busspuren auf. Und Gleiches gilt für die Radinfrastruktur. Ich war über Silvester in Amsterdam: Dort genießt du es richtig, weil du als Radfahrer freie Fahrt hast.

In Salzburg sind wir davon weit entfernt. Selbst wenn es einen Radweg gibt: Spätestens im Kreisverkehr ist für das Fahrrad Schluss. Das ist oft eine Kostenfrage. Beim Radhighway, den wir nach Freilassing planen, klappt es mit der getrennten Radfahrbahn. Wir haben aber schwierigste topografischen Voraussetzungen. Eine separate Radspur scheitert oft an der Realität. Wenn es geht, bin ich der Erste, der dafür ist.

Wenn der Platz nicht reicht, muss man ihn dann dem Auto wegnehmen? Das passiert in vielen Fällen bereits. Etwa bei der Thumersbacher Landstraße: Da werden die Straßen verengt, damit langsamer gefahren wird. Und parallel kann ein Radweg entstehen. Da geht es aber nicht um Frotzelei der Autofahrer: Sie werden nur angehalten, langsamer zu fahren.

Radlobbyisten fordern Tempo 30 in Ortsgebieten. Auch vom Kuratorium für Verkehrssicherheit habe ich das gehört. Ich halte das aber nicht für notwendig. Wir müssen uns Flexibilität erhalten. An manchen Stellen ist auch Tempo 30 zu viel.

Wird generell zu schnell gefahren? An manchen Stellen wird zu schnell gefahren. Es wurde ja lange folgende Politik betrieben: Wir
müssen die Landesstraßen für den Durchzugsverkehr freihalten. Dabei haben wir übersehen, dass diese Durchzugsstraßen durch Ortsgebiete gehen und es für Senioren und Kinder unheimlich schwierig wird, diese Straßen zu queren. Auch für Radfahrer ist das nicht angenehm. Wir wollen von dieser Politik bewusst abgehen: das Tempo in Orten reduzieren, das Queren erleichtern und dafür bauliche Maßnahmen setzen. Unsere Maxime ist: Erst kommt der öffentliche Verkehr, dann der Radweg und erst dann der Autoverkehr. Frotzeleien für Autofahrer gibt es mit mir aber nicht. Aber wenn ein Radfahrer einen Fahrstreifen gewinnt und dadurch die Fahrbahn verengt wird, dann machen wir das. Auch wenn es nicht jedem taugt.

Quelle: SN

Aufgerufen am 26.06.2019 um 03:54 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/mehr-radwege-salzburger-landesrat-nimmt-autos-den-platz-weg-71167435

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