Politik

Mietgarantie der Stadt: Neun Wohnungen gefunden

Die Stadt Salzburg will in den nächsten fünf Jahren 100 leere Wohnungen von Privaten aufbringen, indem sie eine Mietgarantie übernimmt. Neun Wohnungen wurden in den ersten Wochen gefunden.

Das Wohnprojekt auf den Bär-Gründen, das heuer Ende Mai übergeben werden soll, ist vor allem für das Senioren-Wohnen ausgelegt.  SN/robert ratzer
Das Wohnprojekt auf den Bär-Gründen, das heuer Ende Mai übergeben werden soll, ist vor allem für das Senioren-Wohnen ausgelegt.

Eine markante Verbesserung im Bereich Wohnen sieht die ressortzuständige Vize-Bürgermeisterin und Sozialreferentin Anja Hagenauer: "Die Zahl der Wohnungsvergaben durch die Stadt ist 2016 auf insgesamt 709 Wohnungen gestiegen. Bisher lagen wir bei rund 460 pro Jahr." Gründe dafür seien die rege Bautätigkeit, die Erhöhung des Zuweisungsrechtes der Stadt von 30 auf 50 Prozent (bei geförderten Mietwohnungen, Anm.) sowie das große Engagement des Wohnungsamtes, sagt Hagenauer.

Sozialreferentin will verdichten

Freilich sei für die Zukunft noch viel drinnen, meint Hagenauer: "Es gibt nicht die eine Lösung fürs Wohnproblem. Wir müssen flexibel bleiben und auf die Bedürfnisse der Menschen schauen. Da wir in einer Stadt leben, spreche ich mich klar für Verdichtungen mit gleichzeitiger Aufwertung von Freiräumen aus." Statt in der Wohnbauförderung permanent hohe energetische Standards mit Extraförderung zu versehen, sollten in diesem Gesetz auch soziale Faktoren eine größere Rolle spielen. So solle künftig eine adäquate, ansprechende Freiraumgestaltung inklusive grüner Fassaden besser gefördert werden.


Wohnungen nicht am Bedarf vorbei planen

Bei der Pressekonferenz am Dienstag waren aber auch selbstkritisch Töne zu hören. Hagenauer: "In der Vergangenheit ist auch manchmal am Bedarf vorbeigebaut worden - etwa in Form falscher Grundrisse oder falscher Wohnungsgrößen." So hätten Wohnbauträger bis vor wenigen Jahren rund zur Hälfte Zweiraum-Wohnungen; die andere Hälfte waren Drei- und Vierraum-Wohnungen, heißt es. Franz Eder, Leiter des Wohnungsamtes, hat sich hier um eine Umsteuerung bemüht. Eder: "Was wir brauchen sind rund ein Drittel Garconnieren, die jetzt gebaut werden, sowie etwa zehn Prozent Fünfraum-Wohnungen für Großfamilien." Seiner Erfahrung nach hätten bereits viele Bauträger darauf reagiert.

Erste Wohnungen über "Mietgarantie"

Auch das mit der gswb verfolgte Sonderprojekt "Miet:Garantie" zur Mobilisierung leerstehender Wohnungen laufe zufriedenstellend an, so Eder. Ziel ist, dass die Stadt hier einen Teil der 3500 leerstehende Wohnungen von Privaten anmiete und mit einem Abschlag weitervermiete. Für fünf angebotene Wohnungen wurden bereits Besichtigungstermine fixiert, vier weitere seien in der Pipeline, sagt Eder. Mit der Zahl von neun Wohnungen nach wenigen Monaten ist er zufrieden: "Ich bin optimistisch, dass wir das Ziel von 100 zusätzlichen Wohnungen über dieses Modell in den nächsten fünf Jahren erreichen werden."

Neu: Wohnungen für besondere Zielgruppen

Auch vergünstigte Startwohnungen für junge Leute unter 30 Jahren gibt es nun erstmals. Demnächst werde zum Beispiel ein Objekt an der Saalachstraße besiedelt. "Hier sind zwölf Wohnungen zwischen 40 und 50 qm entstanden", erklärt Eder. Dem Bedarf von AlleinerzieherInnen und Mehrkindfamilien wurde insbesondere bei den Wohnbauvorhaben Robinigstraße und Tetris sowie Baldehofstraße entsprochen. Auf die Bedürfnisse älterer Menschen sowie Menschen mit Behinderung wurde bei den Bauvorhaben Bärgründe und Olivierstraße besondere Rücksicht genommen.

3125 Anträge auf Wohnung liegen im Amt

Bei der Wohnungsvergabe geht das Amt nach feststehenden Richtlinien vor: Zum Stichtag 1. Mai 2016 gab es 3125 Anträge um Zuerkennung einer Wohnung. Insgesamt handelt es sich dabei um 7307 Personen. Ein Antrag umfasst somit durchschnittlich 2,4 Personen. Beim Bedarf liegt die Einzimmer-Wohnung mit 1296 Anträgen oder 46 Prozent an der Spitze. Den zweitgrößten Wohnungsbedarf gibt es bei Dreizimmer-Wohnungen mit 622 Anträgen oder 22 Prozent. Dass viele dieser Antragsteller sich schwer tun, eine naturgemäß teurere Wohnung am freien Markt zu finden, zeigt die begleitende Einkommenserhebung: Knapp 82 Prozent der Antragsteller verfügen über ein Netto-Familien-Einkommen unter 2500 Euro, rund 37 Prozent davon über eines unter 1000 Euro.

Stadt will keine ihrer 1800 Wohnungen verkaufen

Die rund 1800 stadteigenen Wohnungen werden von der KgL verwaltet. Die KgL (Kommunale gswb Liegenschaftsverwaltung GmbH) ist eine Tochterfirma von Stadt (80 %) und gswb (20 %). 2016, so KgL-Geschäftsführer Johann Steckenbauer, betrug der durchschnittliche Mietzins 3,94 € (2015: 3,88 €), die Betriebskosten 2,09 € und die Heizkosten 0,97 € je Quadratmeter (gleich wie 2015; alle Beträge zuzüglich Umsatzsteuer). 2015 wurden zwei, im Jahr darauf vier Wohnungen an eintrittsberechtigte Personen (Familienangehörige) weitergegeben. 2015 haben 114 Mieter gekündigt, 2016 waren es 110. Hagenauer kündigte an, von der in der Vergangenheit gängigen Praxis, sanierungsbedürftige Wohnungen mittels eines befristeten Baurechts an Genossenschaften weiterzugeben, abzurücken: "Die Stadt wird ab sofort die Sanierungen ihrer eigenen Bauten - oder gegebenfalls auch Neubauten - wieder selbst machen."


Quelle: SN

Aufgerufen am 23.09.2018 um 06:40 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/mietgarantie-der-stadt-neun-wohnungen-gefunden-499996

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