Politik

Mobilität: Uni Salzburg vergab Chance auf einen Lehrstuhl

Anstelle von Salzburg bekommt jetzt Innsbruck ein universitäres Zentrum für die Mobilitätsforschung. Die Salzburger Uni-Leitung hat sich bewusst nicht beworben. Jetzt hagelt es Kritik.

Ein besseres Angebot für Radfahrer könnte helfen, den Verkehr nachhaltiger zu machen. Die dazu passende Uni-Professur für „Aktive Mobilität“ geht aber nach Innsbruck.  SN/chris hofer
Ein besseres Angebot für Radfahrer könnte helfen, den Verkehr nachhaltiger zu machen. Die dazu passende Uni-Professur für „Aktive Mobilität“ geht aber nach Innsbruck.

Weil die Salzburger zu wenig Interesse zeigten, freuen sich jetzt die Tiroler: Die Universität Innsbruck wird künftig zu einem zentralen Standort für Wissenschafter, Wirtschaftstreibende und Touristiker werden, die an Lösungen für die drängenden Verkehrsprobleme der Zukunft arbeiten. Die Innsbrucker Uni bekam den Zuschlag für eine vom Klimaschutzministerium ausgeschriebene Stiftungsprofessur für "Aktive Mobilität".

Dass Innsbruck zum Zug kam und nicht Salzburg, sorgt hier jetzt für Kopfschütteln: Immerhin ist der Verkehr eines der zentralen politischen Themen in Stadt und Land. Und die Salzburger Universität hätte mit der Mobilitätsforschung am Fachbereich Geoinformatik reichlich Erfahrung mit dem Thema.

Keine Bewerbung aus Salzburg

Allerdings hat sich das Rektorat der Uni Salzburg für die Professur gar nicht erst beworben - und das, obwohl das Ministerium großes Interesse daran gehabt haben soll, die Professur in Salzburg zu etablieren - wegen des hier vorhandenen wissenschaftlichen Know-hows. Im Kern geht es bei dem Uni-Lehrstuhl um die nachhaltige Fortbewegung wie das Radfahren und Zufußgehen und generell um Mobilität an der Schnittstelle zwischen Klima, Gesundheit und Wirtschaft.

Kritik an der Universität

Salzburg wäre dafür prädestiniert gewesen, sagt der städtische Radverkehrskoordinator Peter Weiss. Die Stadt habe bei Radthemen schon bisher intensiv mit der Universität und Salzburg Research zusammengearbeitet. "Beim Radwegenetz liegen wir unter den Landeshauptstädten an erster Stelle. Hier wäre die Kompetenz da. Nur hat die Universität nicht gezogen."

Auch Verkehrslandesrat Stefan Schnöll (ÖVP) machte sich für die Professur stark. Man habe bereits in den vergangenen Jahren bei der aktiven Mobilität in Salzburg wichtige Entwicklungsprozesse etabliert, sagt Schnöll. "Eine Stiftungsprofessur für aktive Mobilität nach Salzburg zu bekommen ist nach wie vor unser Ziel."

Innsbruck zeigt, wie es geht

1,5 Millionen Euro: Diese Summe hätte die Salzburger Universität vom Klimaschutzministerium für einen Zeitraum von fünf Jahren bekommen. Doch es wäre noch deutlich mehr drin gewesen: Wie man weitere Gelder hätte lukrieren können, zeigt jetzt die Uni Innsbruck vor: Dort steuern zahlreiche Partner Mittel für die Mobilitätsforschung bei - das Land Tirol und die Stadt Innsbruck, Wirtschaftskammer, Tirol Werbung, Tourismusverbände, Verkehrsbetriebe und private Unternehmer. Die Universität selbst muss mindestens 15 Prozent des Gesamtbudgets beisteuern.

Uni Salzburg habe Ausschreibungen "mit Interesse verfolgt"

Warum sich das Rektorat der Uni Salzburg nicht an der Ausschreibung für die Professur beteiligt hat, ist nicht klar. Uni-intern heißt es, das Rektorat habe schlicht kein Interesse und wolle dafür auch kein Geld in die Hand nehmen - gerade im Hinblick auf die Folgekosten nach Auslaufen der fünfjährigen Förderperiode.

Rektor Hendrik Lehnert ließ die Frage der SN nach dem Warum unbeantwortet, ebenso wie die Frage, ob sich das Rektorat auch um mögliche finanzielle Unterstützungen bei Land und Stadt bemüht habe. Lehnert teilte lediglich schriftlich mit, das Rektorat habe die Ausschreibungen des Ministeriums für drei Professuren (Aktive Mobilität, Dynamische Systeme sowie Akustik und Lärmwirkungsforschung) "mit Interesse verfolgt". Die Universität habe auch zwei "Interessenbekundungen" (für Aktive Mobilität und Dynamische Systeme) eingereicht. "Letztendlich haben wir uns nach intensiver Diskussion gegen eine Beteiligung an dieser Ausschreibung entschieden."

Politik will von nichts gewusst haben

Was noch auffällt: Die für den Verkehr Verantwortlichen in der Stadtregierung waren offenbar nicht informiert über das Angebot aus Wien. Und das, obwohl die Professur seit Mai 2021 ausgeschrieben war - die Details können einfach gegoogelt werden. Von der Professur wisse man nichts, teilte das Büro der für den Verkehr zuständigen Vizebürgermeisterin Barbara Unterkofler (ÖVP) mit. Auch die für Bauagenden verantwortliche grüne Stadträtin Martina Berthold sagte, sie habe davon nichts gewusst, würde eine solche Forschungsstelle aber begrüßen.

Am Fachbereich Geoinformatik der Universität, der sich für die Professur interessiert hatte, zeigt man sich ernüchtert. Fachbereichsleiter Josef Strobl sagte dazu den SN: "Wir bedauern, dass die Universität nicht in der Lage war, sich für dieses Thema zu engagieren, obwohl es klar dokumentiert ist, dass der Standort Salzburg im öffentlichen Interesse gewesen wäre."

Deutliche Kritik kommt vom grünen Gemeinderat Lukas Bernitz. "Es ist traurig, dass so eine Chance ausgelassen wurde." Die Universität habe dieses Angebot offenbar vorbeiziehen lassen. Was ihn stutzig mache, sei, dass nicht einmal versucht wurde, die Finanzierung dafür aufzustellen. Von einer "vertanen Chance" spricht auch Gemeinderat Lukas Rösslhuber von den Neos. Die Kommunikation zwischen Universität und Politik habe "offenbar nicht funktioniert".

"Vertane Chance" passe ins Bild

Während die Universität Innsbruck jetzt ankündigt, man werde dank der neuen Professur Lösungen für nachhaltige Mobilität entwickeln und Impulse für entsprechende Verhaltensänderungen der Menschen geben, hört man aus Salzburger Fachkreisen, diese "vertane Chance" passe ins Bild der städtischen Verkehrspolitik.

Was die Landeshauptstadt vor allem brauchen würde, wäre mehr Mut bei der Suche nach Zukunftslösungen, sagen Experten wie der Seekirchner Verkehrsplaner David Knapp. "Die Stadt braucht eine Verkehrspolitik, die Alternativen zum Auto schafft. Solange man sich nicht traut, den Autoverkehr rauszubringen, kann man nie Alternativen stärken." Mehr Initiativen gebe es derzeit beim Verkehrsressort des Landes, sagt Knapp - wie das Projekt S-Link zeige, die Verlängerung der Lokalbahn zum Mirabellplatz. "Das könnte zum Zugpferd auch für die Stadt werden." Der öffentliche Verkehr müsse in der Landeshauptstadt jedenfalls attraktiver und der Radverkehr gestärkt werden. Und es brauche im verdichteten Wohnbau Carsharing-Modelle. Möglich wäre das: "Man muss es nur in die Hand nehmen."

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