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Musisches Gymnasium: Warum aus dem "Luftschloss" nun doch Realität wurde

Zwei Jahre lang wurde das Musische Gymnasium Salzburg, mit 1200 Schülern mittlerweile die größte AHS im Bundesland, saniert und erweitert - um 14,8 Millionen Euro. Am Donnerstag wurde das Gebäude feierlich eröffnet - auch unter Anwesenheit einer prominenten Absolventin. Dabei wurde auch die Genese des Umbaus ausführlich erläutert.

"Was lange währt, wird endlich gut." Dieser Spruch gilt auch für das Musische Gymnasium in der Haunspergstraße 77 in Salzburg-Itzling. Denn die ersten Ideen zur Sanierung und Erweiterung des Gebäudes gab es bereits 2007. Tatsächlicher Baubeginn war aber erst im Herbst 2017 - nicht zuletzt, weil es beim Erstentwurf des Siegerprojekts, das vom Salzburger Architekturbüro one room stammt, statische Probleme gab.

Zunächst wurde Baubestand aus den 1980er-Jahren saniert

Als Bauherr trat die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) auf. Die Bauarbeiten begannen im Bestandsgebäude aus den 1980er Jahren. Hier standen mit der Sanierung von Haustechnikanlagen - wie zum Beispiel Heizung und Wasseraufbereitungsanlage - die "inneren Werte" im Vordergrund. Der Altbau wurde aber nicht nur technisch, sondern auch funktional auf den neuesten Stand gebracht. Denn durch räumliche Umgruppierungen entstand anstelle der damaligen Bibliothek ein neuer Bereich für die Nachmittagsbetreuung samt kleinem Buffet. Die Bibliothek wurde im alten Lehrerzimmer neu errichtet. Der Konferenzbereich übersiedelte ins erste Obergeschoß. Zudem sanierte die BIG sämtliche Sanitärtrakte, gestaltete den Eingangsbereich neu und überarbeitete das Fluchtwegekonzept.

Neues Geschoß "schwebt" über bisherigem Schulgebäude

Von außen sorgt der Erweiterungsbau künftig für ein optisches Highlight: Denn das neue, dritte Geschoß wurde auf den Bestand aufgesetzt und steht auf Stelzen. Nach dem Konzept der one-room-Architekten soll der Eindruck entstehen, der Zubau schwebe förmlich über dem Altbau. Das zusätzliche Geschoß bietet auf rund 1900 Quadratmetern Raum für offenes Lernen, Klassenräume, fünf Musik- und Proberäume, einen Tanzsaal sowie eine Terrasse.

Europaministerin kam aus Washington zurück in ihre ehemalige Schule

Fertiggestellt wurde das Gebäude, das während der Bauphase auch von Containern mit Ausweichklassen umstellt war, im September 2019. Gekostet hat der Bau rund 14,8 Mill. Euro. Am Donnerstag fand die Eröffnung statt - mit viel Prominenz: So waren aus Wien gleich zwei ÖVP-Minister angereist - konkret Bildungsminister Heinz Faßmann, aber auch Europaministerin Karoline Edtstadler. Während Faßmann primär gute Wünsche für das Schulleben überbrachte ("Füllen Sie diesen Raum aus mit Bildung und Ausbildung - und mit Kreativität!"), legte Europaministerin ein emotionales Bekenntnis für "ihre" Schule ab. Denn Edtstadler, die sich für ihren Jet-Lag aufgrund einer direkten Anreise aus Washington entschuldigte, hat vor 21 Jahren selbst am "MusGym", wie viele Salzburger die Schule nennen, maturiert. Edtstadler: "Ich bin gern hier in die Schule gegangen. Es waren mir sogar die Sommerferien immer zu lang." Sie sei immer gern ins Schulgebäude gegangen, verriet die in Elixhausen aufgewachsene Politikerin - und: "Ich habe mit dem jetzigen Musical-Star Lukas Perman gemeinsam Oboe im Schulorchester gespielt."

Vom "Luftschloss" zu "my school is my castle"

Zu Beginn des Festakts erläuterte Schuldirektorin Barbara Tassatti in ihrem Statement die Genese des Schulumbaus, den sie seit 2009 als Direktorin begleitet: Zunächst sei die Phase der "Luftschlösser" gekommen, bevor die Wünsche abgespeckt ("Mission Impossible") worden wären - und schließlich doch die Bauarbeiter aufgetaucht seien: Und mit den Worten "sie sind gekommen, um zu bleiben" spielte die Direktorin auf die durchaus herausfordernde zweijährige Bauphase samt Lärm, Dreck und anderen Einschränkungen an: "Fast könnte man das Baustellenradio vermissen." Mittlerweile hätten Lehrer und Schüler aber die Schule voll in Besitz genommen betonte Tassatti - nun würde man nach der langen Bauzeit die Phase "my school is my castle" genießen.

Direktorin hofft noch bessere technische Ausstattung der Schule

Darauf angesprochen, dass es auch hausintern Kritik am fertigen Gebäude gibt - weil es etwa nur sehr wenige Grünflächen gibt, eine Dachbegrünung fehlt und auch die Computerausstattung für das geplante "offene Lernen" und andere neue Unterrichtsformen noch nicht vorhanden ist, meinte Tassatti: "Alles was dazukommt, ist für uns erfreulich - sowohl die Gestaltung der Außenflächen als auch eine Dachbegrünung. Aber darauf habe ich leider keinen Einfluss. Und eine Begrünung am Dach war auch in den Plänen nicht vorgesehen." Zuständig sei hier der Bauherr, die BIG. In puncto Computerausstattung würde sich aber auch Tassatti noch mehr Möglichkeiten wünschen: "Ressourcenknappheit ist da immer ein Thema. Bei Schulausstattungen ist immer noch Luft nach oben. Da ist klar, dass noch nachgerüstet werden muss. Da muss aber auch die Schule noch ansparen." Denn diese Infrastruktur werde nicht aus dem Bau-Topf des Ministeriums bezahlt, betonte sie.

Haslauer: "Wenn wir aufhören von Luftschlössern zu träumen, werden sie nie Realität"

Landeshauptmann Wilfried Haslauer hob in seiner launigen Rede hervor, dass die seinerzeitige Gründung der Schule, die 1966 als Schulversuch erfolgte, ein einmaliges Ereignis gewesen sein: "Sie wurde von unten herauf gegründet und nicht von oben herab dekretiert. Also wenn Sie heute eine Schule gründen wollen - der Minister wäre heute hier." Und in Anlehnung an die Direktorin betonte er, dass es auch in der Bildungslandschaft nicht nur um Nützlichkeit und Notwendigkeit und um Themen wie Digitalisierung, Technik und berufliche Verwertbarkeit gehen dürfe: "Denn in jedem einzelnen steckt irgendein Talent." Und in Anspielung auf die Direktorin betonte der Landeshauptmann: "Wenn wir aufhören von Luftschlössern zu träumen, werden sie nie Realität."

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