Politik

Nach Panik: Zelte bleiben auf ihren Plätzen

Nach schweren Regenfällen stand das Flüchtlingslager in Salzburg teilweise unter Wasser. Die Zelte bleiben aber an ihren Standorten.

Das heftige Gewitter hat am Montag gegen 22 Uhr die rund 150 Flüchtlinge in der Salzburger Zeltstadt auf dem Sportplatz der Landespolizeidirektion in Unruhe versetzt. Innerhalb weniger Minuten wurden die Zelte durch den Wolkenbruch überschwemmt, die Asylbewerber liefen auf die Straße in Richtung Alpenstraße. Sie hatten Angst vor Stromschlägen, da in den Zelten Elektroleitungen verlegt sind.

Mitarbeiter der betreuenden Firma sowie Einsatzkräfte von Polizei, Berufsfeuerwehr und Rotem Kreuz hatten die Lage aber rasch unter Kontrolle. Nachdem die Feuerwehr das Wasser aus den Zelten mit Schiebern entfernt hatte, bezogen die Flüchtlinge wieder ihre provisorischen Unterkünfte.

Doch zur Tagesordnung konnten die Verantwortlichen am Dienstag nicht übergehen. In den kommenden Tagen ist mit weiteren Gewittern und Niederschlägen zu rechnen. Polizeisprecherin Eva Wenzl sagte den SN am Vormittag: "Es wird geprüft, ob einzelne Zelte versetzt werden."

Am Nachmittag stand fest: Die Zelte bleiben, wo sie sind. Wenzl: "Unsere Logistiker haben bereits beim Aufstellen darauf geachtet, wo die besten Standplätze sind."

Bereits 30 Zelte in Salzburg
Allzu viele Möglichkeiten für eine Neuanordnung der Zelte wären ohnehin nicht zur Verfügung gestanden. Die Salzburger Zeltstadt auf dem kleinen Fußballplatz ist nämlich mittlerweile auf 30 Objekte angewachsen. Am 15. Mai waren gerade einmal zwölf Zelte errichtet worden. Kurz danach kamen zwölf weitere dazu, am vergangenen Wochenende stellten Einsatzkräfte weitere sechs Zelte auf.

Dass Montagnacht Wasser in einige Zelte eindringen konnte, war eine Folge der Hitze in den vorangegangenen Tagen: Die hohen Temperaturen hatten den Polizeisportplatz ausgetrocknet und derart aushärten lassen, dass der Boden nicht genug Wasser aufnehmen konnte.

Faymann : "Weg mit den Zelten"
Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) hat am Dienstag an die Länder appelliert, mehr Asylquartiere bereitzustellen. "Ausreichend Plätze zu schaffen und weg mit den Zelten" sei die Devise, erklärte er nach dem Ministerrat. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) verwies vor der Regierungssitzung auf die bestehende Deadline bis 19. Juni. In Ländern, die bis dahin ihre Quote nicht erfüllen, und in denen Kasernen bereit stehen, werde man diese dann als Unterkünfte öffnen, bekräftigte sie.

Kritik kam am Dienstag auch aus Salzburg. Othmar Schneglberger, Sicherheitssprecher der SPÖ im Landtag, sagte: "Die Zeltstadt muss so schnell wie möglich abgebaut werden. Wenn Landeshauptmann Wilfried Haslauer der Sache nicht Herr wird, muss Innenministerin Mikl-Leitner das Problem lösen."

"Ein Skandal der Sonderklasse"
Schneglberger ortete Tatenlosigkeit in der Landesregierung: "Trotz vieler Versprechen der ÖVP-Grüne-Landesregierung, die Zelte rasch wieder abzubauen, ist seither nichts geschehen. Landeshauptmann Haslauer und Integrationslandesrätin Martina Berthold üben sich im Nichtstun. Die Flüchtlinge kämpfen währenddessen mit großer Sommerhitze und starken Regenfällen. Das ist ein Skandal der Sonderklasse."

Zu wenig feste Unterkünfte
Das Innenministerium hatte vor einem Monat neben Salzburg auch in Linz und Thalham (OÖ) Zeltstädte errichten lassen, da die Zahl der Flüchtlinge die Zahl der Plätze in festen Unterkünften überstiegen hatte. Flüchtlinge sollen in den Zeltstädten nur für kurze Zeit untergebracht werden. An dieser Maßnahme des Innenministeriums hatte unter anderem die Caritas heftige Kritik geäußert. Generalsekretär Klaus Schwertner: "Öffnen wir unsere Herzen, um überflüssige Zeltstädte zu schließen. Denn Flucht ist kein Campingurlaub!" Zeltstädte für schutzsuchende Menschen seien "keine Option, sondern ein Armutszeugnis".

Quelle: SN

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