Politik

Naderer tritt in Seekirchen nicht an: "Wahrscheinlichkeit, dass ich Bürgermeister werde, ist zu hoch"

Helmut Naderer tritt in Seekirchen am 10. März nicht zur Wahl an. Er wolle sich nicht zwischen Bürgermeisteramt und Zivilberuf entscheiden müssen, begründet er. Stolz sei er auf seine politische Karriere, die ihn "zum buntesten Politiker Salzburgs" habe werden lassen.

Helmut Naderer SN/neumayr
Helmut Naderer

Am 14. Jänner ist Stichtag für die Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen, die am 10. März landesweit stattfinden. Bis dahin müssen alle Kandidatenlisten der Parteien eingereicht werden. Helmut Naderer, einst Vizebürgermeister von Seekirchen, dann bis Juni 2018 im Landtag mit dem Team Stronach bzw. den Freien Wählern Salzburg (FWS), hat sich lange Zeit zum Überlegen gelassen. Am Samstag hat er seine Entscheidung bekannt gegeben.

Naderer tritt nicht zur Bürgermeisterwahl in Seekirchen an. Das sei kein persönliches Ziel von ihm, sagt der Polizist. Die Begründung dafür findet er in einem möglichen Wahlerfolg. "Als Bürgermeister von Seekirchen müsste ich mich entscheiden, ob ich Bürgermeister einer 11.000 Einwohner-Gemeinde sein will, oder weiterhin Inspektionskommandant für Bergheim, Anthering und Elixhausen. Deshalb kann ich mich nicht der Wahl stellen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich Bürgermeister werde, ist einfach zu hoch", sagt Naderer. Allerdings wolle er mit der FWS bei der Landtagswahl 2023 wieder antreten. Und er wolle sich als Landesobmann der Freien Wähler Salzburg auch auf EU-Ebene politisch betätigen.

Naderer zieht politische Bilanz

Naderer zog am Samstag auch Bilanz über seine politische Karriere. 25 Jahre lang sei er Mitglied der Seekirchner Gemeindevertretung gewesen, 19 Jahre Vizebürgermeister, 15 Jahre Abgeordneter im Landtag. Zu seinen positivsten Erlebnissen in der Politik zählt er, "Menschen wie Jörg Haider oder Frank Stronach persönlich kennengelernt haben zu dürfen". Außerdem "die selbst geschaffene Möglichkeit zum buntesten Politiker Salzburgs zu werden und niemals ein Parteisoldat gewesen zu sein". Zu den negativsten Erlebnissen zählt er seinen Ausschluss aus der FPÖ 2003 - schließlich habe ihm Karl Schnell erst vor zwei Jahren einmal gesagt, dass er sein bestes Pferd im Stall gewesen sei. Dass er 2009 wegen Amtsmissbrauch angezeigt worden sei, bezeichnet Naderer als "haltlose Intrige". Seine größten Erfolge seien die Verhinderung der Hochleistungs-Bahnstrecke durch Siedlungsgebiete in Seekirchen gewesen, und der einstimmig angenommene Antrat, den Tierschutz in die Landesverfassung aufzunehmen. Auch sei er der Initiator des Sportzenrums Seekirchen (eröffnet 2001) gewesen.

Helmut Naderer ist in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer wieder aufgefallen - nicht nur durch seine Parteiwechsel. Seine Karriere begann er 1989 bei der FPÖ, wo er ab 1995 als stellvertretender Klubchef und ab 1997 als stv. Landesparteiobmann in Salzburg fungierte. Als 2003 sein Ausschluss erfolgte, wurde er Landessprecher der Freien Demokraten Salzburg. Danach arbeitete er zwischenzeitlich für das BZÖ bzw. das Verkehrsministerium in Wien. 2012 wurde bekannt, dass er als Spitzenkandidat der neu gegründeten Wahlkooperation "Frischer Wind" bei der Landtagswahl kandidieren will.

Der Wechsel zum Team Stronach

Als Frank Stronach eine Partei gründete, schloss er sich wenig später dann doch diesem Team an. Mit Hans Mayr und Otto Konrad zog er 2013 wieder in den Landtag und sogar in die Landesregierung ein. Bald darauf zerstritt sich das Team Stronach. Sowohl Konrad als auch Mayr und die dritte Abgeordnete Gabi Fürhapter traten nacheinander aus der Partei aus. Naderer saß daraufhin als Klubchef einer Ein-Mann-Partei weiterhin im Landtag. Das Team Stronach flog 2015 hochkant aus der Landesregierung - Naderer trat daraufhin im Chiemseehof als "Robin Hood" auf. Er benannte das Team Stronach sogleich in Freie Wähler Salzburg um. Zwischendurch absolvierte er zwei Pilgerreisen, die er - auch mit Hilfe von Parteigeldern - in Buchform verfasste.

Seit 2002 ist Naderer Polizei-Postenkommandant in Bergheim. Dort hat er im Vorjahr das wohl kleinste Museum Salzburgs eröffnet. Im Stiegenhaus der PI Bergheim findet sich ein Gendarmeriemuseum. Naderer ernannte sich zum "Museumsdirektor".

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