Politik

Neue Gedenktafeln erinnern an bedeutende Salzburgerinnen

In der Salzburger Altstadt werden die mehr als zwanzig Jahre alten Gedenktafeln für verdiente Salzburgerinnen durch moderne Tafeln ersetzt. Zu den bestehenden 17 Tafeln kommen sechs weitere. Den Anfang machte am Dienstag die Tafel für Irma von Troll-Borostyàni, die erste Feministin Salzburgs.

Sie waren Schriftstellerinnen, Malerinnen, Musikerinnen, Frauenrechtlerinnen, Unternehmerinnen, Politikerinnen, Wohltäterinnen oder Gegnerinnen des NS-Regimes. 17 Gedenktafeln aus Bronze erinnern an Geburts- und Wohnhäusern oder Wirkungsstätten in der Stadt an besondere Salzburger Frauen. Nun erweitert die Stadt Salzburg das Projekt. Die alten Bronzetafeln werden abmontiert und durch neue Tafeln in zeitgemäßem Material und Design ersetzt.

"Nach wie vor ist es wichtig, das Leben dieser bedeutenden Frauen in der Stadt Salzburg sichtbar und öffentlich zu machen. Mit den Tafeln wird das Wirken auch verortet und macht neugierig auf die Frauen und ihre Geschichten", sagt Sabine Veits-Falk, Historikerin am Haus der Stadtgeschichte und inhaltlich federführende Expertin des Projekts.

Erste Tafeln für Frauenrechtlerin und erste Äbtissin

Am Dienstag wurden die ersten beiden Gedenktafeln ausgetauscht: Jene für Irma von Troll-Borostyàni (1847-1912) in der Griesgasse 4 erinnert an das Geburtshaus der engagierten Salzburger Frauenrechtlerin und Schriftstellerin. Sie litt an der Salzburger Provinz und bevormundenden Konventionalität. In Wien ließ sie sich zur Pianistin ausbilden, zwölf Jahre später kehrte sie als Schriftstellerin und Kämpferin für Frauenrechte nach Salzburg zurück. In ihrem ersten Buch "Die Mission unseres Jahrhunderts" behandelte sie "die Frauenfrage" und erregte Aufsehen, einigen Beifall und viel Ablehnung. Ihre betont maskuline Kleidung empfand man in Salzburg als Provokation.

Die zweite Tafel kommt an die Mauern des Stifts Nonnberg für die Heilige Erentrudis (8. Jahrhundert). Sie war die erste Äbtissin dieses ältesten Frauenklosters nördlich der Alpen. "Damit war sie gewissermaßen die erste weibliche Führungskraft in Salzburg", sagt Historikerin Veits-Falk. Übrigens habe Irma von Troll-Borostyàni von 1862 bis 1864 das Erziehungsinstitut der Nonnen am Nonnberg besucht. Sie habe sehr unter der geistigen Enge gelitten und sei krank geworden. Troll-Borostyàni sei Autodidaktion gewesen, die sich selbst sehr viel Wissen beigebracht und erarbeitet habe.

Zusätzlich zu den bisherigen bedeutenden Frauen aus Kultur, Wirtschaft und Politik will die Stadt weitere verdiente Frauen sichtbar machen - neu geplant sind etwa die Zeithistorikerin Erika Weinzierl oder Alice Brandl, eine der ersten Gemeinderätinnen.

Zukünftig umfasst das Projekt bis zu 24 Frauen. Für jede Tafel müssen Bewilligungen und Zustimmungserklärungen eingeholt werden. "Ich bedanke mich hier schon jetzt bei allen, die so bereitwillig die neuen Tafeln an ihren Häusern ermöglichen. Nach und nach können wir so die Frauengeschichte nach- und weitererzählen", sagt Alexandra Schmidt, Frauenbeauftragte der Stadt Salzburg und Projektkoordinatorin.

Begleitend dazu wird 2022 in der Schriftenreihe des Archivs der Stadt Salzburg eine Broschüre mit Kurzbiografien, Hintergründen und Alltagsbezügen erscheinen. "Zusätzlich zu den biografischen Informationen haben wir nun auch Platz für Bilder, Zitate, Werke und Querverweise auf Straßennamen oder Preise, die auch nach diesen Frauen benannt sind", erklärt Christa Gürtler, Germanistin und Mitautorin.

Weil derzeit keine Gruppenführungen zu den Wirkungsstätten möglich sind, gibt es das Projekt auf Instagram, Facebook und auf der Website der Stadt Salzburg mit Stories, Filmen und Infos.

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