Politik

Neuer Chef setzt auf Kunst im ORF-Landesstudio

ORF-Salzburg-Chef Christoph Takacs will die Live-Einstiege bei "Salzburg heute" hinterfragen, mehr österreichweite Kultur-Sendungen gestalten und das Landesstudio zu einem Ausstellungsraum samt Kurator machen.

Christoph Takacs startete am 1. 1. als ORF-Landesdirektor in Salzburg.  SN/robert ratzer
Christoph Takacs startete am 1. 1. als ORF-Landesdirektor in Salzburg.

Der bisherige ORF-III-Chefredakteur Christoph Takacs (53) ist seit 1. Jänner neuer Landesdirektor des ORF Salzburg.

SN: Herr Takacs, was sind Ihre Pläne als Landesdirektor?
Takacs: Es gibt drei Stoßrichtungen: Eine ist eine strukturelle. Ich glaube, dass es wichtig ist, Verantwortung auf Menschen zu verteilen. Entscheidungen sollten im Team getroffen werden. Ich bin der Meinung, dass Chefs ihren Mitarbeitern mehr vertrauen sollten. Beim Programm verstehe ich den Job eines Journalisten und Medienanbieters als den eines Dienstleisters. Und drittens möchte ich das Landesstudio für Kunst und Kultur weiter öffnen. Dort soll es unter dem Arbeitstitel "Studiokunst" künftig auch kuratierte Ausstellungen geben. Es sollte eine Reihe mit einem roten Faden sein.
SN: Werden Sie die Künstler persönlich aussuchen?
Nein. Das soll ein externer Profi machen - in einem gemeinsamen Prozess. Ich habe schon jemanden dafür im Blick, er oder sie weiß aber noch nichts davon. Es soll freien Eintritt geben - und eine Plattform für junge Künstler sein, die eine Chance brauchen. Und zwar nicht nur im bildenden Bereich. Auf dieses Potenzial sollten wir schauen.
SN: Zum Programm: Wird es bei "Salzburg heute" bei den Live-Einstiegen bleiben, die Kritikern zufolge inhaltlich oft nicht in dieser Länge gerechtfertigt sind?
Ich kenne diese Kritik. Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Aber wir können nicht sagen, dass das alles schlecht ist. Gerade in den schnellen elektronischen Medien muss man öfter Formate überprüfen. Ich kann mich daher nicht festlegen, ob und wie die Live-Einstiege verändert werden. Wir brauchen hier eine Gesamtstrategie von TV, Radio und Online. Ich bin aber kein Wunderwuzzi. Daher werden wir das evaluieren - in Arbeitsgruppen, die auch Mitarbeiter von Technik, Administration und Marketing umfassen werden, um etwa Arbeitsabläufe gemeinsam zu optimieren.
SN: Apropos Marketing: Kritisiert wird auch, dass der ORF Salzburg zuletzt viele Beiträge über Veranstaltungen gebracht hat, bei denen er selbst Medienpartner, Sponsor oder Mitveranstalter war. Ist das für einen gebührenfinanzierten Sender angebracht?
Das muss ich mir im Detail anschauen. Ich stehe für zwei Dinge: Qualität kann Quote machen. Und ich stehe für objektive Information. Wir können da nicht Kritik üben, wenn wir selbst kritische Dinge tun. Aber das Marketing hat im ORF keinen Einfluss auf die Berichterstattung.
SN: Im Graubereich bewegt sich etwa der "Pistenchecker". Den verkauft man als Service, man macht aber auch Werbung für Skigebiete.
Wenn ein Pistentest Grund genug ist, um zu sagen, das sei kein Service, dann wären auch alle Beiträge über Kochbücher ein Problem.

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