Politik

Niedernsill: Afghanischer Flüchtling darf vorerst bleiben

Wegen eines Formalfehlers seines Rechtsbeistands kam Hamed Ahmadi in Schubhaft und sollte abgeschoben werden. Nun ist er wieder frei.

Die Meldung sorgte für große Aufregung nicht nur in der Pinzgauer Gemeinde Niedernsill. Ein bestens integrierter afghanischer Flüchtling wurde am 7. September um 6.30 Uhr von der Polizei abgeholt. Er wurde nach Wien überführt und kam in Schubhaft. Am Sonntag sollte seine Abschiebung nach Afghanistan stattfinden.

Der Flüchtling lebt bereits seit März 2015 in Niedernsill. Er hatte immer wieder freiwillig in der Gemeinde gearbeitet, zum Beispiel im Bauhof. Eine Integrationsgruppe unterstützte ihn beim Deutschlernen und so bekam er im Mai 2017 eine Arbeitsstelle als Abwäscher im Gasthof Kröll. Mit dem Lohn hat er mittlerweile ein Zimmer gefunden.

Wirt Ralf Kröll sagte, Hamed sei "perfekt integriert", die Abschiebung treffe den Falschen. Der Rechtsbeistand des Flüchtlings im Asylverfahren hatte offenbar wegen Arbeitsüberlastung eine Frist übersehen. Hamed Ahmadi erhielt einen rechtskräftigen negativen Asylbescheid.

Unterstützungsaktion: Hunderte Menschen schickten Mail

Die Niedernsiller Integrationsgruppe sowie die Initiative "Flüchtlinge - Willkommen in Salzburg" riefen daraufhin zu einer Unterstützungsaktion auf. Hunderte Menschen schickten einen vorformulierten Brief per Mail an das Innenministerium sowie an den Bundespräsidenten.

Die Präsidentschaftskanzlei von Alexander Van der Bellen antwortete den Unterstützern am Freitag, dass man "alle Mittel ausschöpfen" werde. "Die Präsidentschaftskanzlei steht im Namen des Herrn Bundespräsidenten mit dem Büro des Herrn Bundesministers für Inneres in dieser Sache in Kontakt", hieß es im Schreiben.

Dann ging alles sehr schnell: Am Freitagabend kam der Afghane frei, die Abschiebung wurde gestoppt. Hamed Ahmadi wurde in ein Wiener Grundversorgungsquartier des Innenministeriums gebracht.

"Er will so schnell wie möglich nach Niedernsill zurück"

Christine Schläffer, Sprecherin der Niedernsiller Integrationsgruppe, telefonierte mit dem 37-Jährigen: "Er will so schnell wie möglich nach Niedernsill zurück. ,Ich muss ja arbeiten, ich werde gebraucht', hat er gesagt."

Zuerst müsse jedoch abgeklärt werden, ob der Afghane sein aktuelles Quartier verlassen dürfe. "Der Bürgermeister ist gerade am Telefonieren. Hamed hat derzeit keine Ausweispapiere", sagte Schläffer am Samstag.

Nach der rechtskräftigen Abweisung seines Asylantrags werde der Afghane nun um humanitäres Bleiberecht ansuchen. "Wir hoffen, dass das aufgrund seiner guten Integration und seiner Selbsterhaltung möglich ist. Wir werden alles versuchen, damit er bleiben darf", betont Schläffer.

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