Politik

NS-Zeit: Stadt Salzburg ringt um Umgang mit belasteten Straßennamen

SPÖ und ÖVP wollen die Thorak-Straße nicht umbenennen. Die Stadt hat aber weitere historische Problemfälle - und Daten aus Berlin.

Am Freitag tagte jene Historikerkommission, die sich mit stark belasteten Straßennamen in Salzburg befasst. Sie tagte erneut. Denn bereits im September 2017 hätte ein Endbericht erstellt werden sollen, wie Salzburg mit dem umstrittenen NS-Bildhauer Josef Thorak umgehen soll. Nach Thorak ist im Stadtteil Aigen eine Straße benannt. Der Beschluss dazu fiel im Februar 1963.

Eine Entscheidung, ob die Straße umbenannt werden soll oder nicht, gibt es weiterhin nicht. Zumindest wird sie nicht öffentlich kundgetan. Die Kommission soll eine Empfehlung an die Politik liefern. Die Politik hat ihre Entscheidung ohnehin schon getroffen. SPÖ-Vizebürgermeister Bernhard Auinger sagt: "Ich will die Dinge nicht auslöschen, sondern eine belastete Straße mit einer Zusatztafel versehen und online mit einem umfangreichen Nachschlagewerk. Wir wollen nicht, dass vergessen wird, was diese Leute gemacht haben. Da muss man wissenschaftlich arbeiten und weiterhin aufklären. Das ist für die Nachwelt besser, als jetzt eine Straße auszulöschen." Die Historikerkommission sei am Freitag auch nicht zu dem Schluss gekommen, dass man die Thorak-Straße umbenennen müsse, sagt Auinger.

Das sieht auch Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) so: "Ich bin für Zusatztafeln zu den Straßennamen, nicht aber für eine Umbenennung. Dass man die Straße in den 1960ern nach Thorak benannt hat und er NS-Künstler war, ist für mich ein Teil der Geschichte. Diese Geschichte kann man dokumentieren, aber man muss deswegen nicht eine Straße umbenennen."

Ganz anders sieht das die Bürgerliste. "Wir haben 2018 - 80 Jahre nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland sollte man ein klares politisches Zeichen setzen. Es mag ja bei manchen mit einer Zusatztafel getan sein, aber nicht bei Josef Thorak." Die Debatte habe bereits Symbolgehalt für Salzburg, sagt Haller.

Auch der KZ-Verband fordert, dass "endlich Schluss sein muss mit der Würdigung prominenter Nationalsozialisten in Salzburg". Anrainer hätten sich schon vor Jahren für eine Umbenennung der Thorak-Straße ausgesprochen, doch das ignoriere die Stadt. "Will man wirklich einen Obernazi weiter schützen und ehren?", fragt Siegfried Trenker vom KZ-Verband. Schließlich sei es auch in Wien gelungen, den einst nach dem radikalen Antisemiten Karl Lueger benannten Teil des Ringes in Universitätsring umzubenennen. "Da wird man doch in Salzburg eine kleine Seitenstraße schaffen." Die Thorak-Straße solle nach einer Widerstandskämpferin benannt werden.

Thorak ist aber nicht das einzige Problem. 50 Straßennamen in der Landeshauptstadt haben einen Bezug zur NS-Vergangenheit. Der prominenteste davon ist wohl der Herbert-von-Karajan-Platz. "Es läuft auf zehn kritische Fälle hinaus", bestätigt Auinger. Diese könne man nicht allesamt umbenennen. Auinger will im ersten Halbjahr einen Amtsbericht erstellen, in dem die betroffenen Straßen kategorisiert werden. "Sonst diskutieren wir über jeden Einzelfall." Sobald der Amtsbericht vorliege, müsse man "den Mut haben, damit umzugehen". Für diesen Amtsbericht sollen "Daten aus Berlin" einfließen.

Um die Vergangenheit umstrittener Personen der Nazi-Zeit zu recherchieren, hat das Stadtarchiv vor einem Jahr eine eigene Halbtagsstelle geschaffen. Johannes Hofinger schreibt die Biografien der Straßennamensgeber. Als Ausgangsbasis dienen etwa die Unterlagen aus dem Bundesarchiv in Berlin, in dem sich die NSDAP-Mitgliederkartei sowie Personalunterlagen von SA oder SS befinden. Hofinger durchforstet auch Tauf-, Heirats- und Sterbebücher oder Zeitungsarchive. Der Historiker betont, es sei nicht seine Aufgabe, zu entscheiden, was mit einer betroffenen Straße zu geschehen habe: "Ich recherchiere nach bestem Wissen und Gewissen und versuche, so wenig wie möglich hineinzuinterpretieren. Ich bin kein Nazijäger."

Josef Thorak - einer von Hitlers Lieblingen

Josef Thorak (1889 bis 1952) stieg in der Zeit des Nationalsozialismus zu einem der bedeutendsten Bildhauer auf und schaffte es in Hitlers "Sonderliste der zwölf unersetzlichen Künstler". Er trat 1933 der NSDAP bei. Laut Dokumentation des KZ-Verbandes war Thorak nicht nur Mitläufer, sondern auch Täter: So habe er sich KZ-Insassen als Arbeitssklaven beschafft. Von Thorak stammen die beiden Großplastiken "Kopernikus" und "Paracelsus" im Kurgarten. Seit 1963 ist eine Straße in Aigen nach ihm benannt.

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