Politik

Padutsch zu Paracelsusbad: "Irgendwann muss Ruh' sein"

Der Streit um das Paracelsusbad schlägt hohe Wellen. Johann Padutsch stimmte der Entmachtung von Baustadträtin Unterkofler zu. Warum nur?

Padutsch zu Paracelsusbad: "Irgendwann muss Ruh' sein" SN/robert ratzer
Johann Padutsch hält es für realistisch, dass 2016 mit dem Bau des neuen Bads begonnen wird.

SN: Sie sind 1992 für die Bürgerliste in die Stadtregierung gekommen. Wie hätten Sie reagiert, wenn Ihnen die Etablierten beim ersten Aufmucken die Agenden entzogen hätten?
Padutsch: Ich habe mehr als genug aufgemuckt. Aber ich habe nicht einfach ohne jede Rücksprache vereinbarte Projekte fallen gelassen, so wie das Barbara Unterkofler (Neos) jetzt mit dem Bad tut. Wir haben uns im Arbeitsübereinkommen auf ein Grundprinzip verständigt: ein Bad auf dem Standort Auerspergstraße. Dieses Projekt kann man nicht in der Zuständigkeit von jemandem lassen, der das nicht umsetzen will.

SN: Ist das Arbeitsübereinkommen ein Dogma? Und jemand, der daran zweifelt, ein Häretiker?
Nein. Sie kann sagen, sie will das nicht. Aber sie soll es sagen, solange man das Arbeitsprogramm verhandelt. Natürlich kann man auch danach noch alles hinterfragen. Aber das macht man im Verbund mit den anderen in der Stadtregierung. Sie aber verabschiedet sich in einem Interview von dem Projekt, nachdem sie am selben Tag 20 Minuten lang mit dem Bürgermeister gesprochen hat, ohne ein Wort über ihren Ausstieg zu sagen. Natürlich kann man darauf geschickter reagieren, als Heinz Schaden das getan hat. Er hat, ohne jemanden zu informieren, einen Amtsbericht erstellen lassen, um ihr die Agenden zu entziehen. Aber in der Sache hat der Bürgermeister recht: Niemand kann die Federführung übernehmen, der das Projekt nicht will.

SN: Ist es demokratisch, nicht mehr mit Unterkofler zu reden und Fakten nicht auf den Tisch zu legen?
Es ist nicht meine Art, nicht mehr mit ihr zu reden. Ich habe noch am Montag ein gemeinsames Gespräch gefordert. Aber: Das Vergaberecht zwingt uns zur Intransparenz, solange das Verfahren nicht abgeschlossen ist. Wir dürfen mit vielem nicht an die Öffentlichkeit gehen. Da bewegt sich Unterkofler rechtlich auf verdammt dünnem Eis, wenn sie über Dinge redet, über die sie nicht reden dürfte.

SN: Zweifeln Sie manchmal daran, dass es dieses Bad je geben wird?
Es wurden schon so viele Projekte geplant und wieder versenkt.
30 Jahre sind eine lange Zeit. Es ist Zeit, es umzusetzen. Irgendwann muss eine Ruh' sein.

SN: Als grüner Verkehrsstadtrat sagen Sie: Parkplätze ziehen Verkehr an, daher wollen wir keine neuen bauen. Warum bauen Sie dann unter dem Paracelsusbad eine Parkgarage mit 110 Plätzen?
Diese Garage ist Teil des Wegs, den das Projekt genommen hat, wir wollten sie nicht. Sie hat aber eine klare Funktion. Sie dient nicht dem Kurzparken, es wird also keine hohe Frequenz geben. Und sie soll auch nicht gratis sein. Auch das hat einen gewissen Lenkungseffekt.

SN: Das alles gilt für die Mönchsberggarage auch. Gegen deren Ausbau sind Sie aber. Ein Widerspruch?
Im Mönchsberg sind 650 Plätze geplant, das sind deutlich mehr. Und die Baustelle dort bringt deutlich mehr Belastungen für Umwelt und Verkehr. Grundsätzlich ist es der falsche Weg, in der Innenstadt Parkplätze zu maximieren.

SN: Sie sind für eine Bürgerabstimmung über den Ausbau der Mönchsberggarage. Soll auch über das Bad abgestimmt werden?
Wir unterstützen als Bürgerliste die Bürgerinitiative gegen den Garagenausbau im Mönchsberg. Und diese ist es, die eine Bürgerabstimmung fordert. Wenn sich auch beim Bad eine Initiative formiert, die eine Abstimmung will, wird man das machen müssen. Demnächst wird nämlich das Gesetz über die direkte Demokratie im Landtag beschlossen. Man muss aber schon ein Problem sehen: Früher oder später müssen wir das jetzige Bad zusperren.

SN: Man könnte auch den Bau aus den 1950er-Jahren renovieren. Für Sie keine Option?
Das alte Hotel und das alte Kongresshaus, die es nicht mehr gibt, waren bessere Beispiele für die 50er-Jahre-Architektur. Das Bad ist da architektonisch sicher der schwächste Bau.

SN: Steht die Bürgerliste geschlossen hinter Ihnen?
Die Entscheidung, das Bad am Kurgarten neu zu bauen, ist einstimmig in der Fraktion gefallen. Und auch in der Frage, ob Heinz Schaden die Bad-Agenden von Unterkofler übernehmen soll, hat niemand gesagt, dass er das nicht will.

SN: Was tippen Sie: Wann wird das neue Bad aufsperren?
Darüber gebe ich keine Prognose mehr ab. Ich halte aber einen Baubeginn 2016 für realistisch. Und ich bin überzeugt, dass sich die Kosten eher am unteren Ende der Skala bewegen - für das Bad bei ungefähr 30 Millionen, für das Kurhaus bei 15.

Aufgerufen am 17.11.2018 um 11:22 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/padutsch-zu-paracelsusbad-irgendwann-muss-ruh-sein-3071344

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