Politik

Parkplatznot: Bei Red Bull in Elsbethen satteln die Mitarbeiter jetzt um

In die Arbeit zu radeln lohnt sich auch für Unternehmen. Bei Red Bull in Elsbethen hat die Strategie bei hunderten Mitarbeitern funktioniert. Und die Stadt Hohenems zeigt, wie das für Kommunen funktioniert.

Auf dem Fahrrad in die Red Bull-Zentrale nach Elsbethen: Fast die Hälfte der 1000 Mitarbeiter nahm das Angebot für ein Dienstfahrrad an. SN/Andreas Kolarik
Auf dem Fahrrad in die Red Bull-Zentrale nach Elsbethen: Fast die Hälfte der 1000 Mitarbeiter nahm das Angebot für ein Dienstfahrrad an.

Die Stadt Salzburg hat sich ehrgeizige Ziele gesteckt. Bis 2025 soll die Quote der mit dem Fahrrad zurückgelegten Wege von 20 auf 24 Prozent steigen. Im restlichen Bundesland hingegen herrscht in diesem Bereich mehr Aufholbedarf.

Vor allem in den Betrieben in und um Salzburg ist das Potenzial für mehr gefahrene Radkilometer groß. Der Vorteil für die Unternehmen: keine übervollen Mitarbeiterparkplätze mehr und radelnde Kollegen sind im Schnitt weniger oft krank.

Auch beim Red-Bull-Konzern wird jetzt umgedacht. Das Unternehmen, das bis dato auf Firmenautos samt Logo setzte, fördert jetzt auch aktiv andere Fortbewegungsmittel. Denn eine Potenzialanalyse habe gezeigt: Fast drei Viertel der Mitarbeiter in der neuen Firmenzentrale in Elsbethen könnten statt mit dem Auto mit dem Rad zur Arbeit fahren. Red Bull zog die Konsequenzen und schaffte Diensträder an.

Ein Vorbild für Gemeinden und Unternehmen könnte aber auch die Vorarlberger Stadt Hohenems sein.

Nur mehr mit dem Fahrrad in die Arbeit

Saskia Amann hat umgesattelt. Seit einem Jahr fährt die Mitarbeiterin der Vorarlberger Stadtgemeinde Hohenems täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit. 16 Kilometer beträgt eine Strecke, 35 Minuten braucht sie mit ihrem E-Bike. "Und das bei jeder Verkehrslage. Mit dem Auto brauche ich laut Routenplaner 20 Minuten. Aber bei dem Frühverkehr schafft man das nur selten."

Saskia Amann ist eine von 38 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Hohenems, die vom Auto auf das Fahrrad gewechselt haben. 250 Bedienstete hat die Stadtverwaltung. Vor zwei Jahren startete man ein Projekt, um mehr Mitarbeiter zum Umstieg zu motivieren. Ziel war, den Gemeinschaftssinn zu stärken und den Mitarbeiterparkplatz zu entlasten. Mit Bundesförderungen, Rabatten von lokalen Händlern und einem Zuschuss aus eigenen Mitteln konnte die Stadt den Mitarbeitern eine günstige Ratenzahlung für Dienstfahrräder anbieten.

Die Idee: Die Mitarbeiter bekommen ein günstiges Fahrrad nach Wunsch und sind somit motiviert, viel damit zu fahren. Für Elektrofahrräder zahlt man je nach Preis bis zu 30 Euro im Monat, für Standardräder bis zu 18 Euro. Nach 48 Monaten sind die Räder abbezahlt und gehören den Mitarbeitern.

Das Projekt war ein großer Erfolg, sagt Amann. "2017 wollten wir 20 Mitarbeitern ein Rad ermöglichen, 21 wurden es schließlich. 2018 hatten wir eigentlich nur zehn Fahrräder budgetiert. Schließlich kauften wir 17, weil der Andrang so groß war."

Die Stadt Hohenems hat im Kleinen geschafft, worüber sich viele Betriebe und Kommunen den Kopf zerbrechen. Denn mehr Menschen auf das Fahrrad zu bringen hat einen großen betriebs- und volkswirtschaftlichen Nutzen. Mehr Fahrräder bedeuten mehr freie Parkplätze, weniger Stau in der Stadt. Dazu kommt noch das große Thema des Bewegungsmangels, das mit dem Radfahren zur Arbeit behoben werden könnte: Ein Drittel der Österreicher erfüllt die Bewegungsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation nicht.

Saskia Amann, Mitarbeiterin der Stadt Hohenems. SN/ANTON PRLIC
Saskia Amann, Mitarbeiterin der Stadt Hohenems.

Die volkswirtschaftlichen Kosten der Inaktivität der österreichischen Bevölkerung werden durch die Folgeerkrankungen auf 1,6 bis 2,4 Milliarden Euro geschätzt. Würde man andererseits die Mobilität der Bevölkerung nur um zehn Prozent steigern, brächte das Einsparungen von 117 Millionen Euro.

Das Fahrrad könnte hier eine Schlüsselrolle einnehmen. Derzeit werden in Österreich 65 Prozent aller Arbeitswege mit dem Pkw zurückgelegt, sieben Prozent mit dem Fahrrad. Gleichzeitig ist die Hälfte aller Arbeitswege kürzer als zehn Kilometer, 30 Prozent kürzer als fünf. Das Potenzial für mehr gefahrene Radkilometer ist groß. Die Frage ist, wie man Anreize dafür schafft.

Die stellte man sich auch bei Red Bull. Auch der Salzburger Getränkekonzern wollte seine Mitarbeiter zum Umsatteln bewegen. Hauptbeweggrund war auch hier, dass die Mitarbeiterparkplätze übervoll sind. Mit dem Umzug der Konzernzentrale von Fuschl nach Elsbethen sah man bei Red Bull schließlich auch die praktische Möglichkeit, mehr Mitarbeiter auf das Fahrrad zu bringen. Eine Potenzialanalyse zeigte, dass von den rund 1000 Angestellten in Elsbethen 485 innerhalb von zehn Kilometern Entfernung zur Arbeitsstelle wohnen. Weitere 208 wohnen innerhalb von fünf Kilometern, sagt Red-Bull-Projektleiter Christian Stoxreiter. "Wir sahen also das Potenzial von 600 bis 700 Radfahrern in Elsbethen."

Auch bei Red Bull sah man in einem Dienstfahrrad den entscheidenden Anreiz für die Mitarbeiter, um umzusatteln. Allerdings konnte der große Konzern seinen Mitarbeitern ein großzügigeres Angebot machen als die Stadt Hohenems. Bei Red Bull durfte man sich ein normales Rad oder ein E-Bike aussuchen. Der Konzern zahlte 80 Prozent des Neupreises, die Mitarbeiter den Rest. "Unserem Chef war nur wichtig, dass sich alle an die Straßenverkehrsordnung halten und nicht im Wald damit fahren. Das Fahrrad sollte ein reines Transportmittel sein." Firmenlogos gibt es auf den Rädern übrigens keine. Die Mitarbeiter tragen auch keine Red-Bull-Helme. "Das überlassen wir den Sportprofis."

Die Aktion war jedenfalls ein großer Erfolg. Fast die Hälfte der Elsbethener Mitarbeiter nahm die Aktion auf Anhieb in Anspruch. Im heurigen September wurden 315 Fahrräder ausgeliefert, weitere 100 Interessenten stehen auf einer Warteliste. Und das, obwohl in Elsbethen derzeit ein Parkhaus gebaut wird und dann auch wieder mehr Mitarbeiterparkplätze zur Verfügung stehen: Der Betrieb hat den Mitarbeitern das Radeln erfolgreich schmackhaft gemacht.

Auch in den Verwaltungsräumlichkeiten der Stadt Hohenems musste umgebaut werden. Das lag mitunter an dem großen Erfolg der Fahrradaktion, sagt Stadtbedienstete Saskia Amann. "Unser Mitarbeiterparkplatz ist nur mehr halbvoll. Dafür hatten wir für die Fahrräder keinen Platz mehr. Schließlich haben wir einen Kellerraum entrümpelt. Der dient jetzt als Radgarage."

Daten & Fakten: Stadt will Radkilometer erhöhen

Die Stadt Salzburg gilt als Österreichs Radhauptstadt. Auch in Ermangelung eines attraktiven öffentlichen Verkehrssystems werden 20 Prozent aller Wege mit dem Rad zurückgelegt. Österreichweit liegt der Wert bei sieben Prozent. Die regionalen Unterschiede sind riesig.
Im Pongau etwa werden lediglich vier Prozent aller Wege mit dem Rad zurückgelegt. In Vorarlberg hat man eine landesweite Quote von 17 Prozent. In Österreich soll die Quote jedenfalls von sieben auf 13 erhöht werden. Das ehrgeizige Ziel in der Stadt Salzburg lautet: eine Radquote von 24 Prozent im Jahr 2025.

Aufgerufen am 08.12.2019 um 05:49 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/parkplatznot-bei-red-bull-in-elsbethen-satteln-die-mitarbeiter-jetzt-um-41344258

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