Politik

Pflege: Herz-Jesu-Heim kämpft ums Überleben

Private Seniorenheime wie das Herz-Jesu-Heim sind unverschuldet in große Turbulenzen geraten. Leiterin Margit Klein sagt im Interview sehr klar, was sie und ihre rund 120 Bewohner nun brauchen.

Margit Klein ist Betriebswirtin. Sie leitet seit 16 Jahren das Herz-Jesu-Heim, ein privates Seniorenheim in Riedenburg. Und kämpft für seinen Fortbestand. SN/sw/vips
Margit Klein ist Betriebswirtin. Sie leitet seit 16 Jahren das Herz-Jesu-Heim, ein privates Seniorenheim in Riedenburg. Und kämpft für seinen Fortbestand.

Redaktion:
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Redaktion: Ihre finanzielle Lage ist angespannt. Wie kam es zu diesen Problemen?
Klein: Die Leistung, die wir als privates Heim erbringen, wird vom Land seit Jahren nicht kostendeckend beglichen. Das ist, als würde ich beim Bäcker zehn Semmeln bestellen und nur acht bezahlen. Grund dafür ist, dass die Pflegetarife vom Land in den vergangenen 16 Jahren nicht richtig angepasst wurden.

Woran orientiert sich eine richtige Anpassung?
Etwa an den Kollektivverträgen. Wenn die Sozialwirtschaft Österreich den Kollektivvertrag zum Beispiel 2018 um drei Prozent anhebt, das Land aber nur mit einem Prozent valorisiert, ergeben sich über die Jahre erhebliche Lücken. Wir müssen uns nach dem KV der Sozialwirtschaft richten, sonst bekommen wir kein Personal. Und die belastende Arbeit gehört ja entsprechend entlohnt.

Wie bewältigen Sie den Spagat?
Der Spardruck wächst. Wir haben laufend optimiert und umorganisiert, Stellen abgebaut, mein Investitionsrückstand ist enorm. Ich bräuchte dringend ein neues Rufsystem, ein neues Schließsystem. Da gibt es tolle Produkte auf dem Markt, die wir uns aber nicht leisten können. Drei Seniorenbetreuerinnen habe ich nicht nachbesetzt. Statt ihnen gestalten nun Ehrenamtliche Nachmittage für die Bewohner. Da habe ich 35 Ehrenamtliche, die uns verstärkt durch das heurige Jahr helfen. Aber: Das darf kein Dauerzustand werden.

Weiß die Politik um Ihre Lage?
Natürlich. Wir haben es über all' die Jahre wieder und wieder aufgezeigt, die jeweiligen Landesräte zeigten sich interessiert an der Materie, man weiß darum, wir haben kein Beweisproblem, aber: Wir wurden und werden immer nur vertröstet.

Der Wegfall des Pflegeregresses Anfang 2018 bedeutet bei ohnehin schwieriger Situation jetzt so etwas wie den Super-GAU?
Kann man so sagen. Allein daraus ergibt sich für unser Haus ein Minus von 180.000 Euro im Jahr. Die Wahrheit ist: Ohne die Barmherzigen Schwestern im Rücken, die die jährlichen Abgänge decken, müsste ich Konkurs anmelden.

Was ist zu tun?
Der Systemfehler der zu niedrigen Tarife gehört repariert. Sonst kommen wir da nicht mehr raus. Wenn wir bei jedem Bett drauf zahlen, macht der Betrieb keinen Sinn mehr. Die Tarife müssen die Kosten decken und regelmäßig richtig angepasst werden. Unser Haus braucht einen um zehn Euro höheren Tagsatz pro Bewohner. Der Einnahmen-Entfall durch den Pflegeregress ließe sich kurzfristig mit einer außerordentlichen Erhöhung von cirka vier Euro abfangen - das ließe sich per 1. Juli wie vom Land in Aussicht gestellt - machen. Die gesamte Tarifobergrenzenverordnung, die auch für öffentliche Heime gilt, bis zu dem Datum anzuheben erscheint mir nicht realistisch. Das ist eine Gesetzesänderung, für die es Gemeindeverband und Städtebund braucht.

Die Bundesländer räumen der Pflege einen sehr unterschiedlichen Stellenwert ein.
Das ist das Groteske. Die Tarife der einzelnen Bundesländer sind sehr verschieden, die Systeme schwer vergleichbar. Würde das Herz-Jesu-Heim - so wie es ist - in Wien stehen, bekäme ich um 800.000 Euro mehr im Jahr von der öffentlichen Hand. Salzburg ist bei den Ausgaben pro Pflegeplatz österreichweit mit Tirol das Schlusslicht.

Die Tarife teilen sich Land und die jeweilige Gemeinde, also in Ihrem Fall die Stadt, 50:50. Erhalten Sie von der Stadt Rückendeckung?
Ich gehe davon aus, dass die Stadt Salzburg die notwendige Anpassung der Tarife im Rahmen der Obergrenzenverordnung unterstützt. Anja Hagenauer kennt unser Problem, vielleicht fragen Sie sie selbst.

Wenn der 1. Juli wieder nicht hält, was tun Sie dann?
Der Hut brennt. Das Land muss jetzt einfach Taten setzen. Wenn alle Stricke reißen, werde ich erstens die Tarifsituation vom Verfassungsgerichtshof prüfen lassen und wenn das auch nichts bringt, müsste ich meinen Eigentümern einen geordneten Ausstieg ans Herz legen.

Und die Stadt verliert damit 120 Pflegebetten?
So wäre es dann wohl, aber dazu wird es nicht kommen. Dafür werde ich kämpfen.


Daten & Fakten zum Herz-Jesu-Heim

Das Herz-Jesu-Heim ist ein privates Seniorenheim mit 120 Bewohnern. Es wird - wie das Klinikum Schwarzach - von den Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul geführt. Das Sozialministerium hat das Haus drei Mal mit dem Nationalen Qualitätszertifikat ausgezeichnet. Bis zu 25 ältere Nachbarn erhalten hier ihr Mittagessen. Das Haus zählt 115 Mitarbeiter, 60 sind über 50 Jahre alt. Zudem werden über 50 Kinder betreut, auch in den Ferien.

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