Bürgermeister-Kandidaten vorgestellt

Porsche-Mann Bernhard Auinger will das Steuer übernehmen

Der Salzburger SPÖ-Kandidat plant den Relaunch für die Landeshauptstadt. Er will den Bürgermeistersessel für seine Partei verteidigen - aber nicht als Kopie von Heinz Schaden.

Mit dem gläsernen Panoramalift nonstop in den 15. Stock des Hotels Cool Mama. Bernhard Auinger hat sich das Sky-Restaurant nahe dem Messezentrum für ein Treffen ausgesucht. Von der Dachterrasse des Designhotels überblickt man die Stadt, während schräg darunter Tausende Fahrzeuge lautlos wie Matchboxautos auf der A1 dahinrollen. "Mir gefällt dieses Hotel. Es steht für ein modernes Salzburg. In einem barocken Salzburg ist das etwas Neues."

So rasant wie der Panoramalift nach oben fährt, so schnell ist es in den vergangenen eineinhalb Jahren auch mit ihm gegangen. Heinz Schaden hat ihn im Mai 2016 mit einer väterlichen Geste als Thronfolger präsentiert. Nach der verheerenden Verurteilung im Swap-Prozess ist Auinger schneller als gewollt in der Rolle des SPÖ-Bürgermeisterkandidaten gelandet. Die Fußstapfen sind riesig, das weiß er nur zu gut. Schaden hat in den vergangenen 18 Jahren alles dominiert. Seine Meinung war die der Stadt-SPÖ, und nicht umgekehrt.

Seine Gegner sehen ihn als politisches Leichtgewicht

Kann er das, der Auinger? Dieses Vakuum füllen? Seine Gegner sehen in ihm ein politisches Leichtgewicht. Die SPÖ präsentiert ihn als neu, jung und unverbraucht. Das sei sein Alleinstellungsmerkmal.

"Ich will keine Schaden-Kopie sein. Jeder muss seinen eigenen Weg gehen. Dass ich aufgrund meines Alters ein paar Dinge anders sehe, ist klar", meint der 43-Jährige, der permanent in kurzen, aber schnellen Schritten unterwegs ist. Wohl auch deswegen hat ihn Schaden vor Parteigenossen als flinkes "Wiesel" bezeichnet. Auinger wirkt, als wäre er ständig auf dem Sprung. Ein Energiebündel. Jeden zweiten Tag sieht man ihn morgens joggen. Die zehn Kilometer schafft der 43-Jährige in weniger als einer Stunde. Im Laufschritt will er jetzt auch ins Bürgermeisteramt.

Der SPÖ-Kandidat für die Bürgermeisterwahl in Salzburg, Bernhard Auinger.  SN/APA/BARBARA GINDL
Der SPÖ-Kandidat für die Bürgermeisterwahl in Salzburg, Bernhard Auinger.

Auinger überrascht mit markigen Ansagen

Politisch probiert er es mit klassisch sozialen Ansagen, die so gar nichts vom Stil eines Heinz Schaden haben. Da wären ein 150 Millionen Euro teures Schulsanierungspaket und 400 neue Kinderbetreuungsplätze. Beim Thema Verkehr bricht er ganz offen mit der Schaden-Doktrin, dem die Öffis herzlich egal waren, solange sie nur wenig kosteten. Auinger hingegen will nicht nur die Messebahn, sondern in weiterer Folge auch die Stadtregionalbahn durchziehen. Und er will sich trauen, das Neutor für den Verkehr zu sperren. Zu seinen markigen Ansagen gehört auch diese hier: "Mit mir wird es keinen Sommerfahrplan beim Obus geben. Den Gefallen tue ich der Salzburg AG nicht. Dieses Unternehmen hat einen Auftrag." Nachsatz: "Nur weil es jahrelang so gelaufen ist, muss es nicht so weitergehen. Die Zeiten ändern sich."

Nicht mit dem goldenen Löffel aufgewachsen

Dabei ist es bei seiner Vita ein Paradoxon, dass ausgerechnet er sich für den öffentlichen Verkehr starkmachen und den Autoverkehr zurückdrängen will. Der Mann arbeitet seit 27 Jahren für die Porsche Holding, einen der größten Autokonzerne der Welt. "Ich muss mich nicht dafür entschuldigen, dass ich in der Autobranche mein Geld verdiene. Ich bekomme für mein Gehalt nichts geschenkt", sagt Auinger. Er wisse, was es heiße, schmutzige Hände zu haben und in der Nachtschicht zu arbeiten.

Bernhard Auinger stammt aus einer Arbeiterfamilie. Mit dem goldenen Löffel im Mund sei er nicht aufgewachsen. "Den ersten Urlaub am Meer hatte ich mit 18, als ich ihn mir selber bezahlen konnte." Aufgewachsen im Süden der Stadt Salzburg als "Nesthäkchen" bei drei Geschwistern, erlebt er mit, wie die Eltern teils auch am Wochenende arbeiten, um den Hausbau zu finanzieren. Seine um neun Jahre ältere Schwester kümmert sich um den Nachzügler. Das Geld ist bei vier schulpflichtigen Kindern knapp. In seiner Kindheit sollte es trotzdem an nichts fehlen.

Durch seine Liebe zu Pferden lernt er auch seine Frau kennen

Als der achtjährige Bub in den Reitsport einsteigt, finanzieren ihm seine Eltern das kostspielige Hobby. Im Springreiten ist er erfolgreich, merkt aber schnell, dass sich nur reiche Eltern Top-Pferde für ihre Kinder leisten können. Daher wechselt er in den Trabrennsport. "Der Pferdesport hat mich nie losgelassen. Ich habe es auch meinen Kindern vererbt, und darauf bin ich stolz", sagt der zweifache Familienvater.

Durch die Liebe zu Pferden lernt er früh seine Frau Marie-Christin kennen, die als 15-Jährige auf dem Gestüt ihres Onkels in Moosdorf urlaubt. Drei Jahre lang pendelt Auinger 800 Kilometer nach Nordrhein-Westfalen, bis Marie-Christin nach ihrem Abitur nach Salzburg zieht. Das Elternhaus im Süden der Stadt, an dem Auinger emotional hängt, wird aus- und umgebaut. Seine Frau ist Teil der Kampagne im Wahlkampf.

Auinger will "Heinz" weiterhin um Rat fragen

Die Familie Auinger war sozialdemokratisch geprägt, der Vater bei Kaindl als Betriebsrat aktiv. SPÖ-Mitglied wird Auinger aus eigenem Antrieb, als im Jahr 2000 die Ära Schwarz-Blau beginnt und Alfred Gusenbauer den SPÖ-Parteivorsitz übernimmt. 2004 kandidiert er auf der SPÖ-Liste für den Gemeinderat im Mittelfeld. 2013 wird der Porsche-Betriebsratsvorsitzende schließlich Klubchef der Roten, nachdem Heinz Schaden alle seine "Thronfolger" bis dahin demontiert hat.

Der Kronprinz suchte seine eigene Linie. Alles soll möglichst modern, innovativ und digital sein. Auinger verzichtete auf Schadens Werbeagentur, die diesen von Erfolg zu Erfolg geführt hat, und verpflichtet eine andere, die ihn "slimfit und Kanzler-like" im dunklen Anzug plakatiert. Anders als sein großer Mentor hat er auch mit der FPÖ keine Berührungsängste. Während Schaden seine Entscheidungen oft einsam getroffen hat, sucht Auinger das Gespräch und ändert zur Verwirrung seiner politischen Gegner schon mal seine Meinung. Aber ähnlich wie einst Heinz Schaden genießt der 43-Jährige dabei vollen Rückhalt des Boulevard.

Bernhard Auinger will auf Anhieb Stadtchef werden und es völlig anders anlegen als Schaden vor ihm. "Ich werde den Heinz aber weiterhin um Rat fragen." Wie man das Steuer im Schloss Mirabell übernimmt, wird ihm der Altbürgermeister wohl schon ins Ohr geflüstert haben.

Aufgerufen am 25.09.2018 um 09:07 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/porsche-mann-bernhard-auinger-will-das-steuer-uebernehmen-20404300

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