Politik

QR-Codes gegen Schaulustige bei Einsätzen: Alle Parteien stimmten Prüfantrag zu

Ein Pilotprojekt soll es Gaffern erschweren, Bilder und Videos von Unfallstellen zu machen, und zur Bewusstseinsbildung beitragen.

Spektakuläre Unfälle locken Schaulustige. Einsatzkräfte müssen mitunter abgestellt werden, um Gaffer abzuwehren (Archivbild). SN/robert ratzer
Spektakuläre Unfälle locken Schaulustige. Einsatzkräfte müssen mitunter abgestellt werden, um Gaffer abzuwehren (Archivbild).

"Statt nach einem Unglück Erste Hilfe zu leisten, wird oft die Kamera gezückt, um die Szenerie bildlich festzuhalten", sagte Neos-Klubobmann Sepp Egger in der Ausschusssitzung des Landtags am Mittwoch. "Leider kommt es auch in Salzburg immer häufiger zu solchen Situationen." Er beantragte die Prüfung eines Pilotprojekts, das es Gaffern erschweren soll, Bilder und Videos von Unfallstellen anzufertigen. Egger verwies auf ein Beispiel aus Berlin, wo eine Rettungsorganisation an Fahrzeugen und Ausrüstung ein Design angebracht hat, in dessen Muster QR-Codes eingearbeitet wurden. Richte ein Gaffer sein Handy auf den Bereich, in dem der Code ersichtlich sei, erscheine auf dem Bildschirm ein Warnhinweis: "Stopp! Gaffen tötet! - Du behinderst Rettungskräfte und machst dich strafbar." Die SN berichteten.

"Thema beschäftigt uns zunehmend"

"Ich kann ganz eindeutig bestätigen, dass uns dieses Thema zunehmend beschäftigt", sagte Mike Leprich vom Salzburger Landesfeuerwehrverband, der in der Ausschusssitzung als Experte geladen war. Er schilderte Beispiele von Unfällen, wo unbeteiligte Autolenker mit dem gezückten Handy am Einsatzort vorbeigefahren seien. Bei Brandeinsätzen brauche es mitunter sehr viel Personal, um Schaulustige hintanzuhalten. Und wenn Videos in den sozialen Medien veröffentlicht würden, gebe es hinterher zum Teil unqualifizierte Kritik an der Arbeit der Einsatzkräfte. "Das Problem ist sehr vielschichtig", meinte Leprich. Es brauche daher ein Maßnahmenbündel, um das Problem unter Kontrolle zu bringen.

Aufklärung und Prävention

Der Landtagsabgeordnete Simon Heilig-Hofbauer (Grüne) begrüßte den Neos-Antrag auch als ein Instrument zur Aufklärung. "Das ist ein ganz wesentlicher Teil der Prävention." Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf sprach von der "richtigen Möglichkeit, die Menschen wieder einmal daran zu erinnern, dass es darum geht zu helfen und nicht Horrorszenen zu filmen". Auch in der Schweiz gebe es bereits Städte, die auf solche QR-Codes setzten, "um den Schock auf die andere Richtung zu legen". Das Land solle prüfen, ob dies auch für die Salzburger Einsatzorganisationen implementiert werden könne, lautete die Neos-Forderung. Alle Parteien stimmten dem Prüfantrag zu.

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