Politik

Run auf Hilfe für Mütter im Beruf

Exakt 2423 Salzburgern genehmigte das AMS im Vorjahr die Kinderbetreuungsbeihilfe - die Kosten haben sich in drei Jahren mehr als verdreifacht.

Kinder aufzuziehen geht mit erheblichen Kosten einher. Die Kinderbetreuungsbeihilfe dient dabei als eine Art soziales Fangnetz.  SN/sw/vips
Kinder aufzuziehen geht mit erheblichen Kosten einher. Die Kinderbetreuungsbeihilfe dient dabei als eine Art soziales Fangnetz.

Das Leben ist teuer an der Salzach. Kommen Kinder dazu, verschärft sich der finanzielle Druck. Die gute Nachricht: Es gibt Unterstützung für "working mums" - Mütter, die arbeiten. Seit ein paar Jahren verzeichnet das Arbeitsmarktservice (AMS) einen regelrechten Run auf die so genannte Kinderbetreuungsbeihilfe.

"2423 Salzburgern haben wir ihr Ansuchen im Vorjahr positiv genehmigt", sagt Petra Zierlinger, zuständige Sachbearbeiterin bei der AMS-Landesgeschäftsstelle: "Drei Mal so vielen wie 2014." Österreichweit erhielten im Vorjahr rund 10.000 Menschen diese Hilfe. Das monatliche Bruttoeinkommen der Bewerberin - in aller Regel bewerben sich Frauen - darf 2300 Euro nicht übersteigen. Die Frauen müssen entweder aus der Arbeitslosigkeit kommen oder einen Kurs besuchen. Wenn sich trotz bestehender Berufstätigkeit nach einer Scheidung etwa die Einkommenssituation verschlechtert, können sie die Hilfe für die Betreuung ihrer Kinder ebenso beantragen.

Sie wussten das nicht? "Doch. Die meisten wissen das", sagt Zierlinger. Nach einer Änderung der Richtlinien 2015 (das Familieneinkommen fiel als Kriterium weg) verzeichnete das AMS eine explosionsartige Steigerung. Anton Költringer, stellvertretender Landesgeschäftsführer des AMS, stößt ins selbe Horn. "Wir haben von allen Bundesländern mit Abstand die meisten Fälle und höchsten Kosten." Die beliefen sich 2017 auf 1,9 Millionen Euro für das Bundesland. (Ö: 8,4 Mio.) Damit hat sich die in Salzburg ausbezahlte Summe in drei Jahren fast vervierfacht. 2014 betrug sie noch 528.000 (Ö: 4,7 Mio.)

Die Förderung wird bis maximal drei Jahre gewährt. Im besten Fall - bei einem Einkommen von bis zu 1600 Euro brutto - beträgt sie 90 Prozent der Betreuungskosten (maximal 300 Euro monatlich). Bis zu 1900 Euro beläuft sie sich auf 75, bis zu 2300 Euro auf 50 Prozent der anfallenden Betreuungskosten.

Zierlinger arbeitet seit 23 Jahren für das AMS, solange gibt es die Förderung für die Kinderbetreuung schon. Ein Rechtsanspruch darauf existiert nicht. Die AMS-Sachbearbeiterin sagt, sie stehe voll hinter der Maßnahme. "Angesichts der hohen Lebenskosten in Salzburg brauchen wir sie, um Frauen beständig in Arbeitsverhältnissen zu halten." Wie not eine solche Unterstützung tut, zeigt ein Blick in eine Arbeiterkammer-Studie aus den Jahren 2013/14, bei der die Tarife von 148 Kinderbetreuungseinrichtungen auf Stadtgebiet erhoben wurden. Demnach kostete ein Ganztagesplatz (ab 31 Wochenstunden) in einer städtischen Krabbelgruppe durchschnittlich 292,62 Euro im Monat, mit einer Spannbreite bis 436 Euro. Ein Platz in einer alterserweiterten Gruppe schlug mit 344,13 (im Schnitt) bis 408 Euro zu Buche, für ein Kind im Kindergarten wurden 72 (im Schnitt) bis 190 Euro fällig - ohne Essen.

Weil der Andrang auf die Beihilfe seit ein paar Jahren steigt, schichten die Regionalstellen des AMS bereits aus anderen Töpfen um. Die mittelfristige Strategie: Bevor man den Geldhahn Mitte des Jahres zudrehen muss, überarbeitet man lieber die Kriterien der Bundesrichtlinie - das passiert aktuell. Zierlinger: "Wir wollen nicht, dass alle, die sich in der zweiten Jahreshälfte bewerben, das Nachsehen haben. Das ist aber bislang noch nicht passiert." Gerda Klingenbrunner, Leiterin des Sozialversicherungsreferats in der Arbeiterkammer, spricht von lediglich einer Handvoll Menschen, die sich an die AK wenden würden, weil sie ein Problem mit der Kinderbetreuungsbeihilfe hätten. In aller Regel dann, wenn sie ihnen entzogen wird, weil sie Meldepflichten verabsäumt haben. Oder sie das AMS nicht über Jobverlust oder geänderte finanzielle Verhältnisse informierten. Dann kann das Geld zurück gefordert werden. "Von meinem Gefühl her werden diese Fälle mehr", sagt Klingenbrunner.

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