Politik

Salzburg: Hohe Anfangsgehälter locken im Landesdienst

Seit der Gehaltsreform rennen Bewerber dem Land die Türen ein. Umgekehrt ist es bei der Stadt: Dort findet sich für manche Stellen niemand. Neos-Stadträtin Barbara Unterkofler drängt auf eine Reform.

Seit Herbst 2017 ist die Dienststellenleitung der Technischen Gebäudeausrüstung in der Bauabteilung im Magistrat ausgeschrieben. Im ersten Anlauf gab es keinen Bewerber, der die fachliche Qualifikation mitbrachte. Also wurde Ende April erneut ausgeschrieben.

Drei Bewerber gab es diesmal. Nur: Der erste ist als Sachbearbeiter beim Land angestellt und verdient dort 3780 Euro monatlich brutto, mit Aussicht auf einen Aufstieg auf 4377 Euro brutto. Das Gehalt der Stadt lag "nur" bei 3320 Euro, weshalb der Mann dankend ablehnte. Der zweite war vom Gehalt der Stadt schon gar nicht angetan, weil er in der Privatwirtschaft 6000 Euro brutto monatlich verdient. Und Kandidat Nummer drei sagte "aus persönlichen Gründen" ab. Die Stelle wird im Herbst erneut ausgeschrieben werden (müssen).

Das Beispiel zeigt, wie schwer sich die Stadt in manchen Bereichen tut, Personal zu finden. Vor allem in den technischen Berufen, etwa für die Bauabteilung, fehlen Fachkräfte. Baustadträtin Barbara Unterkofler (Neos) drängt daher auf ein neues Gehaltsschema und hat einen Antrag gestellt: "Im Land Salzburg wurde ein transparentes und zeitgemäßes Gehaltssystem geschaffen. Die Stadt muss hier endlich nachziehen", sagt Unterkofler. Ziel müsse sein, die Einstiegsgehälter zu erhöhen und die Gehaltskurve nach hinten abzuflachen. Und auch die Vordienstzeiten sollen vollständig angerechnet werden. "So wären die Gehälter in der Stadt wieder marktkonform und der Steuerzahler würde sich langfristig sogar Geld sparen".

Baustadträtin Barbara Unterkofler fordert, dass die Stadt beim Gehaltsschema endlich nachzieht.  SN/neumayr/mmv
Baustadträtin Barbara Unterkofler fordert, dass die Stadt beim Gehaltsschema endlich nachzieht.

Die Stadträtin stützt sich hier auch auf den Jahresbericht des Kontrollamtes, das eine Gehaltsreform für den Magistrat empfiehlt. "Die sehr gute Entwicklung der Steuereinnahmen sollte die Stadt für eine Gehaltsreform nutzen, die zwar vorübergehend zu höheren Personalausgaben führt, langfristig aber Einsparungen mit sich bringt. Die Bezüge der Magistratsbediensteten entsprechen nämlich oft nicht mehr den Marktgegebenheiten und der Magistrat findet bei verschiedenen Berufsgruppen mit den derzeitigen Einstiegsgehältern nur schwer geeignete Bewerber mit entsprechender Berufserfahrung", heißt es im Jahresbericht.

Unterkofler will auch mit dem "unsäglichen Zulagenwirrwarr", wie sie es nennt, aufräumen. Stattdessen solle es All-Inklusive-Gehälter geben. Die Zulagen sind in der Nebengebührenordnung festgelegt. Die Palette reicht von Gefahren- bis Erschwerniszulagen. So bekommt ein Totengräber am Maxglaner Friedhof mehr als ein Totengräber am Kommunalfriedhof.

Politisch strebt auch die ÖVP ein neues Gehaltssystem für den Magistrat an. "Das Gehaltsschema des Landes sollte auch Ziel für den Magistrat sein", sagt Klubchef Christoph Fuchs. Für das Personal zuständig ist SPÖ-Vizebgm. Anja Hagenauer. Sie sagt, für die Pflege erarbeite man gerade ein neues Gehaltsmodell. "Für den gesamten Magistrat war das noch nie Thema im Ressort."

Die Forderung nach einem neuen Gehaltssystem sei legitim, meint Magistratsdirektor Martin Floss. "Ich bin der letzte, der sich dem verschließt. Wir müssen wettbewerbskonform bleiben." Punktuell gebe es Probleme bei Ausschreibungen. Das liege daran, dass die Stadt zwar krisensichere, aber eben keine überbezahlten Arbeitsplätze biete, meint Floss. An einem neuen Gehaltssystem werde intern gearbeitet. Allerdings bestünde derzeit noch Rechtsunsicherheit. Das Land habe parallel zum neuen Schema auch das alte - und es gebe Meinungen, dass das dem Gleichheitsgrundsatz widerspreche. Das neue Gehaltssystem des Bundes wiederum liege vor dem Europäischen Gerichtshof - mit einer Entscheidung sei im Herbst zu rechnen. Und solche Entscheidungen will der Magistrat abwarten. "Wir haben mehr als 3000 Köpfe mit über 200 Berufsgruppen. Das ist eine Herausforderung", sagt Floss.

Personalvertreter Michael Duhatschek sagt, dass in technischen Berufen am Markt mehr bezahlt werde, habe es immer schon gegeben. Das sei nicht neu. Dass höhere Einstiegsgehälter das Problem lösen könnten, wolle er nicht ausschließen. Mit einem neuen Gehaltsschema - wie beim Land - müsse für die Personalvertretung sichergestellt sein, dass die Lebensverdienstsumme dieselbe bleibe. Dass ein Mitarbeiter ein ganzes Berufsleben lang nur einen Arbeitgeber habe, sei mittlerweile aber ohnehin nicht mehr Standard. "Die heutige Jugend ist sehr flexibel."

Das Land hat drei Mal mehr Bewerber als vorher

Seit 2016 gibt es für den Landesdienst ein neues Gehaltsschema. Mittlerweile ist die Hälfte der Vertragsbediensteten (684 Personen) im neuen System. Auch 64 von 910 Beamten haben gewechselt. 2016 gab es bereits 2452 Bewerbungen (bei 2800 Mitarbeitern im Landesdienst).

Personallandesrat Josef Schwaiger (ÖVP) nennt es eine Erfolgsgeschichte. "Wir haben jetzt zirka 20 Bewerbungen pro Stelle. Früher, wenn sich fünf beworben haben, war das ganz gut. Nun haben wir drei bis vier Mal so viel. Und wir haben deutlich qualifiziertere Leute." Die Probleme der Stadt könne er nachvollziehen. "Die haben wir hinter uns gelassen, eindeutig."

Die Einstiegsgehälter wurden deutlich angehoben, und zwar um 300 bis 1056 Euro brutto. Auch die Vordienstzeiten werden angerechnet. Ein junger Diplomingenieur, der früher für die Position 2582 Euro erhalten hätte, würde nun 3638 Euro monatlich brutto verdienen. Dafür steigt das Gehalt bis zum Ende der Karriere nicht mehr so stark an. Bis 2024 kostet das neue Gehaltsschema mehr (2016: 2 Mill. Euro, 2018: 1,55 Mill. Euro). Ab 2025 wird es immer günstiger.

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