Politik

Salzburg in der "Todesspirale des Massentourismus"

Segways, Rikschas, Hop-On-Hop-Off-Busse, jetzt auch noch ein Amphibienbus. Nun regt sich Widerstand gegen die "Banalisierung der Altstadt".

Salzburg in der "Todesspirale des Massentourismus" SN/Robert Ratzer
Dichtes Gedränge in der Getreidegasse. Wie viele Massen verträgt die Altstadt?

In der Salzburger Altstadt geht es turbulent zu: Ein Stadtteilbus rollt durch die Gassen, daneben die Fahrradrikschas, die sich das Pflaster mit elektrobetriebenen Segways teilen, auch einen Hop-On-Hop-Off-Bus gibt es. Und bald könnte sich noch ein Amphibienbus aus der Salzach schrauben und sich dem bunten Treiben hinzugesellen.

Dieses wassergängige Straßenvehikel scheint nun das Fass zum Überlaufen gebracht zu haben. "Wir haben mehr als genug Angebote für den Massentourismus", sagt Inga Horny, Chefin des Altstadtverbandes. "Unsere eindeutige Haltung ist: Es reicht jetzt."

Horny und viele Altstadtkaufleute stört, dass immer mehr Angebote darauf abzielen, möglichst viele Touristen in möglichst kurzer Zeit durch die Altstadt zu schleusen. Das bringe aber nur wenig Umsatz. Und, noch wichtiger: "Die Einheimischen werden aus der Stadt vertrieben. Und das ist für uns lebensbedrohlich". Horny spricht von einer "Todesspirale des Massentourismus" - weil die "Fast-Food-Touristen" auch immer mehr Geschäftsbetreiber animieren würden, statt Qualitätsware nur noch "Touristenkrempel" anzubieten. Was noch mehr Einheimische und "Qualitätstouristen" verscheuche und die Abwärtsspirale weiter vorantreibe. Horny wünscht sich hochwertigere Angebote, als Beispiel nennt sie "Jazz in the City". Ideen für ein Figurentheater gab es bereits, ein Festival für bildende Künste steht auf der Wunschliste.

Tatsache ist aber: Die Angebote für "Massentouristen" gibt es, weil es die Nachfrage dafür gibt. "Möglichst viel in kurzer Zeit erleben. Das ist eben der touristische Trend auch in den kommenden Jahren", sagt Tourismusforscher Peter Zellmann. Klar, man könne sich dem bewusst entgegenstellen. "Aber das bringt kurzfristig mit Sicherheit Umsatzeinbrüche. Und wer übernimmt dafür die Verantwortung?" Zellmann weiß aus Erfahrung, dass Qualitätsoffensiven in Touristenstädten meist "im Sande verlaufen". Eben, weil eine inhomogene Gruppe von Touristikern selten den langen Atem habe, um Gewinnrückgänge so lange durchzuhalten, bis es langfristige Erfolge gebe.

Bliebe also nur, die bunten Busse und rasanten Segways einfach nicht zu genehmigen. Aus dem Salzburger Magistrat kommt dazu eine generelle Aussage: Es handle sich um "Behördenverfahren mit Erledigungsanspruch". Anders gesagt: Wenn es keine "Versagungsgründe" gebe, könne die Stadtverwaltung einem Unternehmer nicht verbieten, seine Geschäftsidee umzusetzen. So benötigte der Amphibienbus eine gewässerrechtliche Genehmigung - die nach einer Einigung mit den Salzachfischern auch erteilt wurde. Die fahrenden Segways sind laut Straßenverkehrsordnung zugelassen. Deren Standplätze in der Altstadt genehmigte aber das Grundamt. Ebenso verhält es sich mit den Rikschas. Der Hop-On-Hop-Off-Bus wiederum besitzt eine Linienkonzession nach dem Kraftfahrliniengesetz. Auch hier habe es keine Grundlage für ein Verbot gegeben, heißt es im Büro von Bgm.-Stv. Harald Preuner (ÖVP).

Freilich: Manches ist auch Abwägungssache in den Amtsstuben. Und hier definiert Peter Kopp, Chef des Grundamts, die geltende Prämisse so: "Man steht in einer touristischen Stadt neuen Angeboten tendenziell positiv gegenüber. Man verbietet, was man rechtlich verbieten muss. Aber man erlaubt, was man guten Gewissens erlauben kann. Daran gibt es ja auch ein wirtschaftliches Interesse."

Quelle: SN

Aufgerufen am 20.11.2018 um 05:37 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/salzburg-in-der-todesspirale-des-massentourismus-3068494

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