Politik

Salzburg: Krankenkasse präsentiert Paket gegen Ärztemangel

Die Hälfte aller Kassenärzte in Salzburg geht in zehn Jahren in Pension. Bei Honoraren und Gemeinschaftspraxen gibt es Handlungsbedarf.

Immer weniger Mediziner wollen Hausärzte werden, vor allem in abgelegenen Gemeinden wird es immer schwieriger, Nachfolger zu finden. In zehn Jahren wird die Hälfte aller Kassenärzte in Salzburg in Pension sein. Das gilt nicht nur für Allgemein- sondern auch für Fachärzte.

Die Gebietskrankenkasse (SGKK) und die Ärztekammer haben daher ein halbes Jahr verhandelt und am Donnerstag ein Leistungspaket präsentiert.

SGKK-Obmann Andreas Huss: "Wir möchten mit diesem Maßnahmenmix die Arbeitsbedingungen für unsere Mediziner verbessern. Nur so sichern wir eine nachhaltige ärztliche Versorgung für unsere Versicherten."

Und der Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, Walter Arnberger, freut sich, dass es mit dem Paket gelingen werde, "die Arbeitsbedingungen für niedergelassenen Ärzte und Ärztinnen zu verbessern und die Attraktivität des Berufs als Kassenarzt insbesondere für jungen Kolleginnen und Kollegen zu steigern."

Neue Formen der ärztlichen Zusammenarbeit fördern

Hauptziel ist es, den Beruf des Hausarztes für Jungmediziner attraktiv zu machen. Viele junge Ärztinnen und Ärzte wünschen sich schon jetzt andere Arbeitsformen und -zeiten. Jobsharing-Modelle, saisonale Zusammenarbeitsmöglichkeiten, Teilgruppenpraxen und Gruppenpraxen von zwei oder mehr Ärzten sind solche Arbeitsformen: Sie ermöglichen einerseits flexiblere Arbeitszeitmodelle, andererseits teamorientiertes Arbeiten. Beides ist gerade für jüngere Ärzte wichtig - wie bereits in der Salzburger Landärztestudie von 2012 deutlich wurde.

Gruppenpraxen sind gefragt

Auch für Patienten haben Gruppenpraxen Vorteile: Sie bedeuten eine verbesserte Erreichbarkeit von Ärzten und Ärztinnen. In Salzburg gibt es bereits 13 Kassen-Gruppenpraxen, acht davon von Allgemeinmedizinern.

Ärztekammer und SGKK vereinbarten zahlreiche Vereinfachungen und Verbesserungen, um die Gründungen von Gruppenpraxen zu unterstützen.

Konkret erhalten solche Praxen nun von der Gebietskrankenkasse nun das volle Honorar von 19 Euro pro Patient für bis zu 1200 Patienten pro Quartal. Bisher war die Zahl der von der Kasse voll bezahlten Patienten mit 1045 pro Quartal gedeckelt.

Jobsharing und Praxismodelle für Tourismus-Regionen

Ein innovatives Salzburger Modell ist die "Jobsharing-Praxis": Mit diesem Jobsharing-Modell haben Ärztinnen und Ärzte die Möglichkeit, auf Lebensphasen abgestimmte Arbeitszeitmodelle auch im Kassenvertrag umzusetzen.
Jetzt neu geschaffen wurde eine Art "saisonale Jobsharing-Praxis" für touristische Gebiete. Ärzte, z.B. in einem Wintersportort, können saisonal einen Arzt als Vertretung in die Praxis nehmen. "Das Jobsharing-Modell wird seit Jahren gut angenommen, für die saisonale Jobsharing-Praxis gibt es bereits viel Interessenten und Anfragen. Insgesamt ist ein österreichweit einmaliges Modell", so Arnberger.

Nachfolge von Hausärzte-Praxen sichern

Junge Ärztinnen und Ärzte wünschen sich Berufserfahrungen in den Ordinationen vor Übernahme einer Praxis. In Salzburg gibt es mehrere Modelle, die eine strukturierte Einarbeitung und Vorbereitung ermöglichen. Dies, obwohl es aufgrund der fehlenden bundesweiten Regelung noch keine flächendeckende Lehrpraxis gibt.

Seit mehreren Jahren wird allerdings auch diese Form der Praxisvorbereitung in Salzburg im Rahmen des Projekts "Salzburger Initiative Allgemeinmedizin" (SIA) umgesetzt. Dabei absolvieren Turnusärztinnen und -ärzte einen Teil des Turnus in allgemeinmedizinischen Praxen.

20 SIA-Absolventen gibt es bisher und viele davon sind bereits in Form von Praxisvertretungen tätig. Die meisten davon haben ihr Interesse für eine Kassenstellenübernahme bekundet oder sich bereits in der Bewerberliste eingetragen. Nach der Lehrpraxis können - wiederum einmalig in Salzburg - diese jungen Ärztinnen und Ärzte bis zu einem Jahr in der Kassenpraxis weiter beschäftigt werden.

Übergabepraxis als weitere Möglichkeit

In diesem Sinne wirkt auch das Modell der Übergabepraxis als ein weiteres Salzburger Modell. Ärzte, die sich der Pensionierung nähern, können einen Jungarzt in die Praxis nehmen, der diese anschließend übernimmt. "Diese Übergabepraxis ist ein Erfolgsmodell, das schon jetzt bei nahezu jeder zweiten Praxisübernahme zur Anwendung kommt," so Arnberger.

Fachärzte können Kollegen mitarbeiten lassen

Ein weiteres Salzburger Modell ist die nun neugeschaffene Möglichkeit für Fachärzte, bei denen es zu einer hohen Belastung aber noch nicht zur Notwendigkeit einer weiteren Kassenstelle kommt, unter Ausweitung des bestehenden Kassenvertrages den Mehrbedarf durch einen mitarbeitenden Facharzt unter Erweiterung der Ordinationszeiten abzudecken.

Dreizeit nur mehr drei Hausärzte-Kassenstellen vakant

Die verbesserten vertraglichen Voraussetzungen bedeuten einen weiteren Schritt zur Attraktivierung des Kassenvertrages. In diesem Sinne wirkt auch die 2015 umgesetzte Neuordnung des Bereitschaftsdienstes. Beides zusammen zeigt Wirkung: So wurden im Jahr 2016 bereits 27 Kassenarzt-Stellen nachbesetzt, davon 15 Allgemeinmediziner und 12 Fachärzte.

In Salzburg sind daher derzeit nur drei Hausarztstellen (Mühlbach, Werfen-Tenneck und Großarl) unbesetzt. Allerdings: Es gibt Mangelfächer wie Kinder- und Jugend-Psychiatrie oder physikalische Medizin, wo es weiterhin sehr schwierig ist, Ärzte zu finden.

Honorar für Ärzte von der GKK für die nächsten drei Jahre valorisiert

Ein weiterer Teil des Pakets: Die finanziellen Ressourcen für ärztliche Leistungen werden um 6,2 Prozent aufgestockt. Schwerpunktmäßig werden Leistungen von Allgemeinmedizinern und Kinderärzten ausgebaut - vor allem ärztliche Gespräche, Koordinierungen und Visiten. Die Führung von Zweitordinationen wird erleichtert, um in Kleingemeinden einen Arzt vor Ort zur Verfügung zu haben.

Derzeit gibt die SGKK rund 39 Millionen Euro für die Leistungen von Allgemeinmedizinern und 53 Millionen Euro für die Leistungen von Fachärzten aus. Die Mehrausgaben bei den Allgemeinmedizinern werden durch die Valorisierung um rund 2,4 Millionen Euro steigen.

Quelle: SN

Aufgerufen am 25.09.2018 um 03:22 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/salzburg-krankenkasse-praesentiert-paket-gegen-aerztemangel-572047

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