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Salzburg: Wer bekommt die günstigen Plätze für Krabbelkinder?

Jetzt steht fest, nach welchen Kriterien die Stadt Salzburg ihre ersten 24 Krabbelgruppenplätze vergibt. Der Andrang ist enorm.

Wer bekommt einen Platz in einer Städtischen Krabbelgruppe? SN/robert ratzer
Wer bekommt einen Platz in einer Städtischen Krabbelgruppe?

In der Landeshauptstadt werden derzeit rund 1300 Kinder in mehr als 40 privaten Krabbelstuben gemeinnütziger Vereine betreut. Mit 1. Jänner steigt die Stadt erstmals nach fast zwei Jahrzehnten wieder selbst in die Betreuung von Kindern bis zu drei Jahren ein.

Zum Start gehen drei öffentliche Gruppen für je acht Kinder in Betrieb. Genutzt werden dafür freie Räume in den städtischen Kindergärten Wagingerstraße (Liefering), Rositten (Riedenburg) und Kendlerstraße (Maxglan). Die Räume werden gerade adaptiert. Die Krabbelgruppen werden von 7 bis 17 Uhr aufsperren.

Die Plätze sind heiß begehrt - sind sie doch mit 200 Euro für die Vollbetreuung (ab 31 Stunden) rund um die Hälfte billiger als jene in den privaten Einrichtungen. Dort bezahlen Eltern im Schnitt 385 Euro. Der Höchstbetrag von 440 Euro darf dort laut Gesetz aber nicht überschritten werden. Die Privaten müssen Räume mieten, während die Stadt auf eigene Gebäude und eigenes Personal - etwa für die Reinigung - zurückgreifen kann. Das schlägt sich im Preis nieder, den die Eltern für die Betreuung bezahlen.

Die Stadt wird in ihren Gruppen auch Halbtagsplätze (bis 20 Stunden) um 100 Euro und Dreiviertelplätze (bis 30 Stunden) um 150 Euro anbieten. Eltern mit geringem Einkommen können einen Antrag auf Ermäßigung (bis zu 100 Prozent) stellen.

Nachdem Vizebürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) sein Vorhaben im Juni erstmals öffentlich präsentiert hatte, langten im Amt für Kinderbetreuung und in den drei Kindergärten viele Anfragen ein. "Das Interesse war sehr groß, es wurde aber keine Warteliste angelegt", sagt Auinger.

Jetzt steht die Anmeldefrist fest: In der Woche von 5. bis 9. November können Eltern um einen Platz ansuchen. In diesem Zeitraum findet auch die Anmeldung für die Kindergärten statt. Am Donnerstag stand im Bildungsausschuss der in Auingers Ressort ausgearbeitete Amtsbericht auf der Tagesordnung, der die Vergabe der Plätze regelt. Vor allem die ÖVP hatte auf klare Kriterien gedrängt.

Mit einigen Änderungen wurde der Amtsbericht einstimmig beschlossen. Drei Punkte sind für die Aufnahme entscheidend: Der Hauptwohnsitz muss in der Stadt sein, beide Elternteile müssen berufstätig sein oder gerade eine Berufsausbildung absolvieren. Alleinerziehende müssen nachweisen, dass sie auf Arbeitssuche sind oder zum Zeitpunkt der Aufnahme ihres Kindes eine Arbeitsstelle antreten. Die Kinder müssen mindestens ein Jahr alt sein, nur in begründeten Ausnahmefällen werden auch jüngere Kinder aufgenommen.

Falls mehr Kinder als Plätze vorhanden sind - wovon auszugehen ist -, kommen für die Reihung vier weitere Kriterien zum Tragen, die nicht isoliert, sondern als Gesamtpaket bewertet werden: So spielt eine Rolle, ob die Kinder ein Geschwister haben, das bereits den Kindergarten am jeweiligen Standort besucht. Das soll Eltern die Organisation der Kinderbetreuung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern. Außerdem spielt eine Rolle, in welchem Ausmaß die Eltern arbeiten und ob eine soziale Notwendigkeit besteht. Auinger wollte diesen Punkt nicht am Einkommen festmachen, sondern etwa daran, ob eine Mutter seit Kurzem Alleinerzieherin ist, ob das Jugendamt involviert ist oder ob das Arbeitsausmaß gestiegen ist.

Auf Anregung der ÖVP müssen die Eltern nun auch einen Einkommensnachweis erbringen. Gemeinderätin Marlene Wörndl (ÖVP) plädiert auch für die Möglichkeit zur digitalen Anmeldung. Das sei in einem weiteren Schritt auch geplant, betont Auinger. Keine Mehrheit fand der Vorschlag der ÖVP, ein Punktesystem einzuführen. Die FPÖ hatte vorgeschlagen, dass die Mitglieder im Ausschuss über die Vergabe der Plätze entscheiden sollten, was die anderen Fraktionen strikt zurückwiesen. Die Entscheidung fällt im Amt.

Die drei Krabbelgruppen sind für Auinger nur der Anfang. Mittelfristig soll es in der Stadt 400 öffentliche Krabbelgruppenplätze geben. "Wir möchten im Endausbau 15 bis 20 Prozent des Gesamtkuchens abdecken." 2020 sollen vier bis fünf weitere Gruppen eröffnen.

Konkrete Projekte nennt Auinger noch nicht. Nächste Woche will er seine Pläne für das Bildungsbauprogramm vorlegen. An neuen Standorten von Schulen oder Kindergärten sollen jedenfalls auch Krabbelgruppen entstehen. Auch in bestehenden Einrichtungen sollen Plätze geschaffen werden.

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