Politik

Salzburger Pflegerin fordert: Redet meine Arbeit nicht schlecht

In ganz Österreich finden am Dienstag im privaten Sozial- und Gesundheitsbereich gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen statt. Vor allem im mobilen Pflegebereich herrscht Personalmangel. Das liege auch am schlechten Ruf, sagt eine Pflegerin, die ihre Arbeit liebt.

Ein bisschen unangenehm kann es schon werden, wenn Ann-Cathrin Lechner zu ihren Patienten kommt. Ob die frische Luft denn sein müsse, fragt die 78-jährige Juliane Eder, die heute zur Wundversorgung besucht werden muss. Die Diplompflegerin schmunzelt nur. Patientin Juliane Eder bleibt trotzig. "Frische Luft habe ich in meinem Leben schon genug gehabt."

Ann-Cathrin Lechner (28) kennt die Reaktion ihrer Patientin bereits. Es sei einer der vielen Vorteile, den sie als Pflegerin im mobilen Bereich gegenüber der Arbeit im Spital habe, sagt sie. "Ich kenne die Patienten, die ich betreue, sehr gut. Das betrifft ihre Persönlichkeit genauso wie ihren Gesundheitszustand." Das helfe ihr auch, ihre Arbeit selbstständig durchzuführen. "Im Spital musst du gleich einmal einen Arzt zurate ziehen. Bei meinen Patienten kann ich besser einschätzen: Ist etwa der Blutdruck häufig einmal zu niedrig oder bedarf der aktuelle Wert tatsächlich einer ärztlichen Untersuchung?"

Bei Juliane Eder ist der Blutdruck an diesem Tag in Ordnung. Während der Behandlung erzählt die 78-Jährige dann von ihrem Wirtshaus, das sie selbst aufgebaut und das nach ihrer Pensionierung niemand übernommen habe. Auch diese Geschichten hat Ann-Cathrin Lechner schon mehrmals gehört. "Das gehört bei uns natürlich auch dazu: mit den Patienten ratschen und ein bisschen blöd reden. Die meisten Patienten freuen sich ja, wenn wir kommen. Auch das macht diese Arbeit so erfüllend."

Ann-Cathrin Lechner ist eine von mehr als 1100 Personen, die als Hauskrankenpflegerin oder Haushaltshelferin pflegebedürftige Menschen dabei unterstützen, ihren Alltag zu Hause bewerkstelligen zu können. 4441 Haushalte wurden im Land Salzburg im Jahr 2017 so betreut.

Der Bedarf nach mobiler Betreuung ist allerdings höher. Dienstleister berichten, dass sie aus Personalmangel keine neuen Kunden mehr aufnehmen können. Das trifft auch auf große Institutionen wie das Hilfswerk zu, für deren Pflegeteam in Zell am See auch Ann-Cathrin Lechner arbeitet. In den Spitälern gibt es hingegen teils sogar Wartelisten für neue Pflegekräfte.

Im Büro des ressortzuständigen LH-Stv. Heinrich Schellhorn (Grüne) bestätigt man den Personalmangel im mobilen Bereich. Richtig akut sei die Situation seit dem vergangenen Jahr. Derzeit arbeite das Land Salzburg mit seiner Pflegeplattform in mehreren Arbeitsgruppen an Lösungen in diesem Bereich. Aus dem Büro von Schellhorn wird bestätigt, dass das Berufsbild in der Öffentlichkeit häufig negativ beschrieben wird. "Es heißt immer Mangel oder Kollaps. Das hilft uns nicht, neues Personal zu finden."

Diese Darstellung stört auch Ann-Cathrin Lechner. "Es wird zu viel Negatives berichtet. Das schreckt viele ab." Auch deshalb habe sie früher selbst gar nicht im mobilen Pflegebereich arbeiten wollen. "Wir machen die Ausbildung im Spital. Und viele wollen dort auch bleiben. Für mich war ein Wechsel in den mobilen Bereich am Anfang überhaupt kein Thema."

Nach ihrer Babypause änderte sich das. Die Schichtdienste im Spital kamen für sie nicht mehr infrage, weil sie nicht mehr so oft abends weg sein wollte. Schließlich nahm sie die Arbeit in der Hauskrankenpflege beim Hilfswerk an. "Es war eigentlich nur als Übergangsjob gedacht. Aber jetzt will ich nicht mehr weg."

Von den Vorzügen der Arbeit in der Hauskrankenpflege war sie schnell überzeugt: Die Flexibilität, mehr Zeit bei den Patienten. In den kleineren Teams werde besser auf die Wünsche der Mitarbeiter eingegangen. Die größte Hürde sei für sie eigentlich das Autofahren gewesen, sagt Ann-Cathrin Lechner. "Ich glaube, das schreckt auch viele andere Kolleginnen ab." Sie habe hier aber viele Hilfestellungen bekommen: "Ein Kollege hat mit uns sogar Schneeketten-Anlegen geübt."

Der nächste Patient von Ann-Cathrin Lechner ist jedenfalls froh, dass er zu Hause betreut werden kann. Auch wenn das derzeit zwei Mal am Tag nötig ist. "Im Spital ist alles so hektisch. Und hier bin ich in meiner vertrauten Umgebung. Gut, dass es diese Möglichkeit gibt", sagt er.

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