Politik

Salzburger Sport-Prozess mit prominenten Zeugen

Es geht um geheime Konten, ein ominöses Wohnmobil und pikante Anschaffungen mit Vereinsgeld. Die Affären ASKÖ und ASV sind vor Gericht.

Fünf Jahre ist es her, dass die Causa ASKÖ platzte. Damals wurde publik, dass der SPÖ-nahe Sportdachverband Fördergelder teils doppelt und damit zu Unrecht von Stadt und Land bezogen hatte. Den Fall ins Rollen brachte ein Sportbauernhof in Waldzell im benachbarten Oberösterreich.

Der damalige ASKÖ-Präsident hatte 2003 die Liegenschaft um 55.000 Euro gekauft und um 2,3 Millionen Euro den Sportbauernhof inklusive Schwimmbecken, Wintergarten und Fußbodenheizung bauen lassen. 600.000 Euro an Subvention flossen vom Land Salzburg. Als Eigentümer soll der Präsident "seiner" ASKÖ ein Baurecht auf 30 Jahre mit einem jährlichen Baurechtszins von 16.800 Euro eingeräumt haben. Das ist weit überhöht, wie Staatsanwalt Robert Holzleitner sagt. Das Ganze mündete 2016 in einer Anklage gegen besagten Ex-Präsidenten (69), Ex-Geschäftsführer (69) und Ex-Finanzreferenten (68). Die Vorwürfe lauten auf Untreue und Betrug. Das Trio ist nicht geständig. Das Verfahren musste im Frühjahr 2017 vertagt werden, weil es einen Richterwechsel gab. Nun ist Christian Hochhauser als neuer Vorsitzender zuständig. Er hat ein neues Gutachten zur Frage eingeholt, ob der Baurechtszins angemessen war.

Ex-Präsident soll "Geheimkonto" betrieben haben

Hinzu kommt jetzt Anklage Nummer zwei. Erneut steht der Ex-Präsident der ASKÖ im Mittelpunkt. Diesmal geht es um den Sportverein ASV-Itzling, der zum Dachverband ASKÖ gehört. Auch hier war der 69-Jährige Präsident. Wegen Untreue angeklagt sind weiters der für Finanzen zuständige Ex-Vizepräsident und die Kommunikationschefin. Die Anklagebehörde wirft dem Führungstrio vor, seinen Amateurclub als Selbstbedienungsladen geführt zu haben. Es geht um Hunderttausende Euro.

Staatsanwalt Holzleitner lastet dem Ex-Präsidenten und dem Finanzchef an, ab 2008 ein "Geheimkonto" betrieben zu haben. Insgesamt rund 220.000 Euro seien vom Verein auf dieses Konto transferiert und ein Großteil des Geldes in bar behoben worden. Laut Anklageschrift flossen rund 37.000 Euro in ein geleastes Wohnmobil. Der Ex-Präsident rechtfertigte sich gegenüber der Anklagebehörde damit, dass das Wohnmobil "als mobiles Informationsbüro für gesundheitsorientierte Maßnahmen und sportwissenschaftliche Modelltestungen" gedient habe. Der Staatsanwalt sieht das anders: "Ein Verein wie die ASV braucht kein Wohnmobil." Der Ex-Präsident soll bis Jänner 2009 außerdem einen Pkw für seinen Sohn geleast haben. Raten und Versicherung von 12.000 Euro habe die ASKÖ Salzburg getragen. Außerdem soll der Finanzchef mit ASV-Geldern Reparaturen an seinem Auto sowie auf seiner privaten Liegenschaft einen Zaun um 7700 Euro und Sonnenschutz für seinen Wintergarten bezahlt haben. Alle drei Angeklagten bestreiten einen Befugnismissbrauch und Schädigungsvorsatz.

Ratenzahlung an die Stadt Salzburg bis ins Jahr 2033

Beide Fälle rollt das Gericht nun in einem Verfahren auf, das am 22. November vor dem Landesgericht startet. Neun Prozesstage sind bis 12. Jänner anberaumt. Das Gericht hat 21 Zeugen geladen. Darunter finden sich klingende Namen wie AK-Präsident Siegfried Pichler, Ex-AK-Direktor und aktueller ASKÖ-Präsident Gerhard Schmidt und ein Ex-Landtagsabgeordneter.

Der Hauptangeklagte sowie zwei weitere Angeklagte werden von Rechtsanwalt Klaus Perner verteidigt. Die übrigen zwei Beschuldigten von den Anwälten Leopold Hirsch und Franz Essl.

Der jetzige Präsident des ASV, Manfred Wiltschko, betont, der neue Vorstand sei erst seit Mai 2015 im Amt: "Wir haben mit diesen ungeheuren Malversationen nichts zu tun." Die Vereinsführung schloss sich dem Strafverfahren über ihren Anwalt Kurt Jelinek als Geschädigte an. ASKÖ-Präsident Gerhard Schmidt will im Falle eines Schuldspruchs Geld vom Ex-Präsidenten auf zivilrechtlichem Weg einklagen.

Die ASKÖ hat ihre Schulden beim Land getilgt und mehr als 300.000 Euro zurückgezahlt. An die Stadt Salzburg läuft die Ratenzahlung von je 6000 Euro bis ins Jahr 2033. Den Sportbauernhof ist die ASKÖ bis heute nicht losgeworden. Gerhard Schmidt sucht seit Jahren einen Käufer für die Immobilie. Immerhin gebe es mittlerweile "ernsthafte Interessenten". Kaufpreis: 1,7 Millionen Euro.


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