Politik

Salzburgs Ex-Bürgermeister Heinz Schaden veröffentlicht erstes Buch

"Die große Flucht 2015" lautet der Titel des soeben erschienenen Buchs von Ex-Stadtchef Heinz Schaden. Der ehemalige Stadtchef dokumentiert darin die Ereignisse der Flüchtlingskrise vor sechs Jahren.

In der Nacht auf 1. September 2015 strandeten am Hauptbahnhof in Salzburg Tausende Flüchtlinge. Viele von ihnen hatten nur ein Ziel: Deutschland. Salzburg wurde für Wochen zum Hotspot für Flüchtlinge. 350.000 Menschen passierten in sieben Monaten via Salzburg die Grenze nach Deutschland. Heinz Schaden war damals als Bürgermeister (SPÖ) im Amt. Nun hat er seine Erinnerungen an die große Flüchtlingswelle in einem Buch zusammengefasst. Es sei eine Reportage, die die Ereignisse aus der Perspektive eines zentralen Entscheidungsträgers der Stadt aufzeige. Mit reichhaltigem Fotomaterial, Berichten sowie persönlichen Aufzeichnungen Schadens gebe der Band Einblicke in die Geschehnisse von 2015.

Für diese Dokumentation hat das ehemalige Stadtoberhaupt auch Interviews mit Personen geführt, die während der Flüchtlingskrise tätig waren: der damaligen Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, ÖBB-Chef Christian Kern, Militärkommandant Heinz Hufler, Stadtpolizeikommandant Manfred Lindenthaler, Landesrettungskommandant-Stellvertreter Bernd Petertill, Doraja Eberle und ORF-Nahostkorrespondent Jörg Winter.

"Migration wird nur noch als Bedrohung wahrgenommen"

Heinz Schaden betont: "Die große Flucht 2015 zu dokumentieren, war für mich aus vielen Gründen wichtig: Zunächst ging es darum, die mir zugänglichen Quellen und Dokumente öffentlich zu machen und damit einen Beitrag zur Zeitgeschichte zu leisten. Ich betrachte die Schilderung nicht als abschließende Dokumentation, sondern sie stellt meine heutige Sicht der Dinge dar. Zudem ist es mir wichtig zu zeigen, dass unsere Gesellschaft im Ernstfall durchaus in der Lage ist, auf eine menschliche Notsituation angemessen zu reagieren. Der Glaube daran ist ja in den Jahren nach 2015 abhandengekommen. Flucht und Migration werden nur mehr als Bedrohung wahrgenommen, die Politik wetteifert um die härtesten Gegenmaßnahmen. Dabei hat Österreich gerade in der jüngeren Geschichte schon mehrfach bewiesen, damit gut umgehen zu können: 1945 unter katastrophalen Bedingungen, 1956 mitten im Kalten Krieg, 1968 und 1991 ebenso. Da ist also noch Luft nach oben und das gilt auch und gerade in Zeiten einer Pandemie."

Vizebürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) sagt: "Diese Reportage dokumentiert eindrucksvoll, zu welch großartigen Leistungen unsere Stadt imstande ist, wenn fast alle an einem Strang ziehen. Daher finde ich es besonders wichtig, dass dieses Buch die Erfahrungen und die fast übermenschlichen Leistungen der Helferinnen und Helfer aus verschiedensten Blickwinkeln betrachtet und auch für spätere Generationen festhält." Sylvia Hahn, Uni-Historikerin und Migrationsexpertin, sagt: "Die Sichtweisen von politischen und/oder administrativen Entscheidungsträger:innen auf die Ereignisse der großen Flucht in Salzburg 2015 eröffnen neue Perspektiven und interessante Einblicke in Migrationsgeschehnisse. Sie bilden eine wichtige Dokumentation und Basis für zukünftige wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit den Fluchtbewegungen in Europa seit den 2000er-Jahren."

Buch: Heinz Schaden, Die "große Flucht" 2015. Eine Reportage (Salzburger Beiträge zur Migrationsgeschichte 2, Schriftenreihe des Archivs der Stadt Salzburg 61), Salzburg 2021, 224 Seiten mit 143 Farbabbildungen und 4 Grafiken, ISBN 978-3-900213-52-7. Preis: 24,20 Euro; erhältlich im Stadtarchiv und im guten Buchhandel.

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