Politik

Salzburgs Landtag isst 2,8 Tonnen Fleisch pro Jahr - zumindest theoretisch

Die Debatte über Tiertransporte und Tierschutz hat am Mittwoch den Chiemseehof erreicht. Ein paar Zahlenspielereien inklusive. Etwa, warum 2,5 Kühe für den Milchkonsum der Abgeordneten und Regierungsmitglieder arbeiten und damit zwei bis drei Kälber geboren werden müssen.

Alle sind für den Tierschutz und treten für mehr Tierwohl ein. Das war schon vor der Sitzung des Salzburger Landtages am Mittwoch klar und wurde gleich mehrfach betont. Auf der Tagesordnung stand nicht nur ein dringlicher Antrag. Auch die aktuelle Stunde im Plenum drehte sich um den Tierschutz. Anlass dafür waren die aktuellen Berichte von Tierschützern über Langstreckentransporte von Kälbern, die von Bergheim aus quer durch Europa organisiert werden. "Dieses System ist krank. Das wollen wir Menschen nicht und wir Politiker auch nicht mehr", sagte die grüne Klubchefin Kimbie Humer-Vogl dazu. "Wir wollen keine Langstreckentransporte, wo Kälber leiden. Daher braucht es einen Systemwechsel."

Veterinärdirektor rechnet Fleischkonsum vor

Freilich, das sieht auch der Landesveterinärdirektor und stellvertretende ÖVP-Klubchef, Josef Schöchl, so. "Einfache politische Lösungen, dass wir Tiertransporte jetzt verbieten, sind zu kurz gegriffen. Wir brauchen Lösungen, die umsetzbar sind." Sehr viele hätten keine Ahnung, wie Lebensmittel in Europa produziert werden würden, meint Schöchl. Und er führte dem Landtag den Fleischkonsum vor Augen. 36 Abgeordnete und sieben Regierungsmitglieder würden pro Jahr rund 2,8 Tonnen Fleisch essen. Denn 65 Kilogramm Fleisch pro Person sei der Schnitt, selbst wenn Veganer unter den 43 redeberechtigten Personen im Landtag seien.

Weiters würde der Landtag umgerechnet 130 Hektoliter Milch pro Jahr verbrauchen (77 Liter Milch pro Person sowie 22 Kilo Käse). Was wiederum heiße, dass 2,5 Kühe für den Landtag arbeiten müssten. Und das wiederum bedeute zwei bis drei Kälber. "Um diese Menge zu produzieren, müssen Kälber geboren werden. Denn es ist eine Grundregel: Ohne Kalb, keine Milch", sagt Schöchl, der passend dazu eine gelbe Krawatte mit schwarz-weißen Kühen trug. Schöchl hatte sogar eine Fleischfarbenkarte im Landtag parat. Weil die Fleischfarbe viel darüber aussage, was Kälber zu fressen bekommen. "Es ist ein langer Weg zu Kurzstreckentransporten. Aber nur zu sagen, die Politik soll was machen, aber ich will meine eigenen Lebensgewohnheiten nicht ändern, das wird zu wenig sein."

Flachgauer Bauern konkurrieren mit der Welt

FPÖ-Abg. Hermann Stöllner sagte, es sei für alle unzufriedenstellend und beschämend, wenn Tiere quer durch Europa gekarrt werden. "Wir alle haben es in der Hand, regionale Produkte zu kaufen." Da müsse das Land auch vorbildhaft sein. Die Bauern im Flachgau würden in einem globalisierten Markt aber im Wettbewerb mit der ganzen Welt stehen. "Wenn wir grenzenlosen Handel wollen, sind die Tiere die Leidtragenden. Das ist die Kehrseite davon", sagt Stöllner.

SPÖ-Abgeordnete Karin Dollinger plädierte dafür, dass es eine Tierwohlkennzeichnung in Österreich auf der Verpackung geben müsse. Außerdem müsse man das Tierschutzvolksbegehren unterstützen.

Zehn Eier um 1,49 Euro

Der Agrarlandesrat präsentierte am Mittwoch im Landtag noch einmal sein Maßnahmenpaket. Sepp Schwaiger appellierte aber auch an die Konsumenten. "Jeder von uns kann etwas beitragen. Wenn wir zum Fleisch greifen, das pro Kilo 4,90 Euro kostet, dann wissen wir, dass sich da etwas nicht ausgehen kann. Auch zehn Eier um 1,49 Euro - das sind wohl nicht die glücklichsten Hühner gewesen."

Die Neos begrüßten ausdrücklich, dass die Landesregierung in der Vorwoche bereits reagiert und ein Maßnahmen- und Forderungspaket geschnürt habe.

Quelle: SN

Aufgerufen am 24.10.2020 um 08:32 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/salzburgs-landtag-isst-2-8-tonnen-fleisch-pro-jahr-zumindest-theoretisch-68580541

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