Politik

Salzburgs neues Verkehrskonzept: Mehr Busse und Räder, weniger Autos

Das Land Salzburg hat seine Pläne für die Fortbewegung seiner Bürger vorgestellt. Überraschungen blieben aus. Auch die SPÖ reagierte mit Kritik.

"Salzburg.mobil.2025": Unter diesem Titel hat das Land Salzburg nach rund eineinhalb Jahren Vorarbeit seine Ziele und Maßnahmen formuliert, wie die Mobilität in zehn Jahren funktionieren soll. Bei der Präsentation am Dienstag sagte Verkehrs-Landesrat Hans Mayr (Salzburger Bürgergemeinschaft) "markante Änderungen im Mobilitätsverhalten in zehn Jahren" voraus.

"Das Sommerstau-Chaos wird ansteigen und sich auf das ganze Jahr ausdehnen" - so die Prognose von Landesrat Hans Mayr. Gegensteuern will er unter anderem mit einem neuen Taktfahrplan: Dieser soll helfen, dass bis 2025 jeweils 30.000 Wege pro Werktag (oder zwei Prozent) mehr mit Öffis und mit dem Rad zurückgelegt werden. Auch ein einfacheres Umsteigen will das Land forcieren: Züge und Busse sollen elektronisch kommunzieren, damit klar ist, ob es sich lohnt, auf eine verspätete Linie zu warten. Weiters soll die S2 (Salzburg - Straßwalchen) auf einen Halbstundentakt ausgebaut werden. Richtung Freilassing wird sich so ein 15-Minuten-Takt ergeben. Züge von Saalfelden nach Salzburg sollen künftig maximal 90 Minuten fahren. Außerdem soll durch einen Fahrgastbeirat Nutzer-Feedback an den Verkehrsverbund möglich sein.

SPÖ-Kritik: "Konzept ist wenig ambitioniert und wenig innovativ"

Erwartungsgemäß Kritik am Konzept übte der Verkehrssprecher der Salzburger SPÖ, LAbg. Gerd Brand: "Das Landesmobilitätskonzept der schwarz-grün-Mayr´schen Regierung ist wenig ambitioniert und es fehlen mutige, innovative Ideen. Außerdem widersprechen die bisher gesetzten Schritte und Ankündigungen der Landesregierung diesem Konzept." Haslauer, Rössler und Mayr setzten bei der Umsetzung ihres Konzeptes vor allem auf einen höheren Radverkehrsanteil (von elf auf 13 Prozent) und mehr zurückgelegte Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln (von zwölf auf 14 Prozent). Brand: "Wenn ich mehr Salzburgern das Fahrrad schmackhaft machen möchte, speziell bei kurzen Wegen ist das ja sehr sinnvoll, muss ich auch mehr Geld in den Ausbau und die Verbesserung von Radwegen investieren. Doch die Landesregierung macht genau das Gegenteil. Im Jahr 2014 wurden dafür noch 2,22 Millionen Euro ausgegeben, während im Voranschlag 2016 diese Summe auf 1,79 Millionen sinkt. Ein schlechtes Signal."

Völlig unverständlich ist für den SPÖ-Verkehrssprecher zudem das Beharren auf dem Gitzentunnel - "Haslauers 220 Millionen Euro teures Lieblingsprojekt" - wie Brand meint. "Wenn der motorisierte Individualverkehr von 49 auf 45 Prozent sinken soll, warum schmeiße ich dann so viel Geld für den Bau eines Tunnels beim Fenster hinaus? Einen Tunnel der wiederum Autoverkehr anziehen wird", fragt Brand.

Diese Schritte sollen umgesetzt werden - ein Überblick

Acht konkrete Maßnahmen sollen bei "Salzburg.mobil 2025" umgesetzt werden. Die Punkte stellte Verkehrslandesrat Hans Mayr am Dienstagvormittag vor:

Salzburg im Takt

Der landesweite Taktfahrplan wird neu erarbeitet. Lange Wartezeiten für Anschlüsse sollen der Vergangenheit angehören.

Einfach umsteigen

Landesweit wird an regionalen Knotenpunkten des öffentlichen Verkehrs ein funktionstüchtiges Kommunikationssystem zwischen Zug- und Busmanagement eingerichtet, um Anschlussfahrten zu sichern. Handelt es sich nur um wenige Minuten Verspätung, ist es für die Anschlusslinien möglich, noch abzuwarten.

Attraktive Schiene

Die Linie S2 zwischen Salzburg und Straßwalchen soll vom bisherigen Stundentakt auf einen Halbstundentakt aufgewertet werden, Richtung Freilassing wird sich sogar ein 15-Minuten-Takt ergeben. Vom Pinzgau über den Pongau in die Landeshauptstadt wird die Bahnverbindung deutlich schneller sein - von Saalfelden nach Salzburg in maximal 90 Minuten.

Informationsoffensive Öffis und Fahrgastbeirat

Um die Vorteile des ÖV sichtbar zu machen, sollen Informationskampagnen ebenso kommen wie die Modernisierung der Haltestellen und deren Schaukästen mit Tarifhinweisen und Neuigkeiten. An stark frequentierten Plätzen sollen dynamische Anzeigen mit Monitoren informieren.

Offensive FahrRad

Rund die Hälfte aller Wege, die mit dem Auto zurückgelegt werden, ist kürzer als fünf Kilometer. Der Radverkehr soll bis 2025 um gut 20 Prozent steigen. Gleichzeitig sollen durch Verbesserungen im Radwegenetz die Radunfälle um 20 Prozent zurückgehen.

Park and Ride

Das Angebot an Park-and-Ride-Plätzen soll um zusätzliche 1800 Stellplätze erweitert werden.

Verkehr gemeinsam steuern

Land Salzburg, Stadt Salzburg und Asfinag arbeiten an einer gemeinsamen Steuerung des Verkehrs. Der öffentliche Verkehr hat hier Priorität.

Vorbild Landesverwaltung

Bis 2025 wird der überwiegende Teil des Pkw-Fuhrparks auf Elektroautos umgestellt, womit bereits begonnen wurde. Damit einher geht die Installation von Ladestationen bei allen Landeseinrichtungen.

Salzburger Land Mobil-Card für Gäste

Salzburg Verkehr - die Salzburger Verkehrsverbundorganisation - entwickelt in Kooperation mit den tourismusverantwortlichen Vertretern der Regionen und des Landes ein kostengünstiges oder kostenfreies ÖV-Ticket für Übernachtungsgäste.

Lokalbahn S1 verlängern

Mit einem Maßnahmenbündel sollen im Großraum Salzburg existierende Schienenbahnen attraktiver werden und die Salzburger Lokalbahn quer durch die Stadt teils unterirdisch über Anif bis Hallein verlängert werden.

Quelle: SN

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