Politik

Salzburgs Verkehrsflächen sind fast doppelt so groß wie die Landeshauptstadt

Der Verkehrsclub fordert: "Ortskerne und Nahversorgung stärken, Zersiedelung stoppen."

Bodenverbrauch am Beispiel Eugendorf SN/robert ratzer
Bodenverbrauch am Beispiel Eugendorf

Der Verkehr beanspruche im Bundesland Salzburg bereits 104 Quadratkilometer. Das entspreche fast der doppelten Fläche der Landeshauptstadt. Darauf machte der Verkehrsclub Österreich am Donnerstag anlässlich des Weltbodentags aufmerksam. Das Ausmaß der Verkehrsflächen habe seit dem Jahr 2005 um elf Quadratkilometer zugenommen. Mit einer Stärkung der Ortskerne und mit Nahversorgung statt Zersiedelung sowie durch eine flächensparende Infrastrukturpolitik könnte der Bodenverbrauch reduziert werden.

"Boden ist eine wertvolle Ressource. Die Böden haben vielfachen Nutzen, sie geben uns Nahrung, sie nehmen beispielsweise Niederschläge auf und reduzieren damit die Hochwassergefahr. Wir sind es unseren Kindern und Enkelkindern schuldig, mit der Ressource Boden viel sorgsamer als bisher umzugehen", sagt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen.

Gemeinsam mit den Bauflächen seien bereits 281 Quadratkilometer verbaut, das seien pro Kopf 510 Quadratmeter. Damit liege Salzburg unter dem Österreich-Schnitt von 602 Quadratmetern pro Kopf und im Bundesländer-Vergleich sei das nach Wien, Vorarlberg und Tirol der viertniedrigste Wert, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten des Umweltbundesamts zeigt. Das Burgenland weist darin mit 1212 Quadratmetern den höchsten Pro-Kopf-Flächenverbrauch auf.

Besonders die versiegelten Flächen, die im Land Salzburg eine Größe von bereits 130 Quadratkilometern erreicht haben, verstärken die negativen Auswirkungen des Klimawandels. Diese Böden können keine Niederschläge aufnehmen, bei Starkregen steigt dadurch die Hochwassergefahr. Bei Hitze wiederum heizen sich Asphalt und Beton massiv auf. "Die Klimakrise verlangt ein Umdenken sowohl in der Siedlungsentwicklung als auch in der Infrastrukturpolitik", so Rasmussen.

Doppelter Treiber des Flächenverbrauchs ist die Zersiedelung: Einerseits durch die Bauflächen, andererseits durch zusätzliche Verkehrsflächen, die für die Erschließung neuer Siedlungsgebiete nötig sind. Der Verkehrsclub drängt auf eine verkehrssparende Raumordnung, die Ortskerne und Nahversorgung stärke und die Zersiedelung stoppe.

Zudem brauche es eine flächensparende Infrastrukturpolitik. Salzburgs Straßennetz sei bereits mehr als 9000 Kilometer lang. "Wir haben bereits ein dichtes Straßennetz und sollten daher beim Straßenausbau auf die Bremse steigen. Umso mehr als Straßenausbau zu mehr Auto- und Lkw-Verkehr führt, was wiederum im Widerspruch zu den von der vergangenen Bundesregierung beschlossenen Klimazielen steht."

Die Grünen fordern Trendwende in der Raumordnung

Zu Wort meldeten sich auch die Grünen. "Die Starkregenereignisse der vergangenen Wochen haben uns drastisch vor Augen geführt, dass unsere Böden am Limit sind. Und trotzdem ist Salzburg bei der Versiegelung von Flächen schrankenlos unterwegs", sagt Josef Scheinast, Umwelt- und Raumordnungssprecher der Grünen im Landtag. Scheinast mahnt eine Trendwende in der Raumordnung ein. "Wenn wir den Flächenfraß in den Griff bekommen wollen, muss Bebauungswünschen konsequenter entgegengetreten werden".
"Versiegelte Flächen können kein Wasser aufnehmen, jeder zubetonierte Quadratmeter Boden fehlt uns bei starkem Regen", warnt Scheinast.

ÖVP: "Salzburg tritt dem Bodenbündnis bei"

ÖVP-Umweltsprecher Simon Wallner sagte: "Eine verantwortungsvolle Bodenpolitik ist ein Gebot der Stunde, zu der sich Salzburg auch bekennt. Ein Zeichen dafür ist auch, dass Salzburg jetzt dem Bodenbündnis beitritt." "Das Bodenbündnis sieht sich als Netzwerk, in dem öffentliche Institutionen partnerschaftlich zusammenarbeiten und den Austausch von Informationen und Erfahrungen zum Thema Bodenschutz pflegen. Die Grundlage bildet ein gemeinsames Manifest, in dem sich die Mitglieder zu entschlossenem Handeln, besonders in den Bereichen Bodenschutz und Raumentwicklung verpflichten." Das Land Salzburg werde von diesem europäischen Netzwerk und den Erfahrungen anderer Mitglieder sicher profitieren.

Quelle: SN

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