Politik

Sebastian Kurz: Der "Popstar" der Politik in Wals

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) besuchte am Samstag den Laschenskyhof in Wals-Viehhausen. Und nicht nur die Seniorchefin hat eine Freud' mit dem "Wastl".

So gut gefüllt war der Laschenskyhof in Wals-Viehhausen selten, jedenfalls bestimmt nie, wenn sich ein Politiker angekündigt hat. Das gibt auch der Chef des Wirtshauses, Martin Hauthaler, zu. Über hundert Anrufe habe es in den vergangenen Tagen gegeben, erzählt Juniorchefin Lydia Hauthaler. Manche wollten sogar telefonisch einen Termin mit dem Außenminister reservieren. Jedenfalls aber "in der ersten Reihe sitzen", wenn er denn am Samstag komme, der Kurz.

Der Kurz kam. Und die Walser hatten am Samstag eine Freud' mit ihm. "Der Wastl", erzählt eine Walserin als er aus dem BMW aussteigt und sich das dunkelblaue Sakko zuknöpft, "der Wastl ist ein Vif-Zack". So gscheit sei das, was er sage. Und so beliebt sei er. Seniorchefin Marianne Hauthaler ist Sebastian Kurz-Fan, das schildert sie gerne. "Weil ich den jungen Bub seit fünf Jahren verfolge." Es sei Balsam auf ihre Seele, was er sage, wie er rede, sagt sie. Und immer noch besser werde er. Und als er ihr dann die Hand schüttelt, ist das Du-Wort zwischen der Seniorchefin und dem 30-jährigen Minister schon gefallen. "Seit du 25 bist verfolg ich deinen Weg", sagt sie ihm - und strahlt.

Das große Händeschütteln

Kurz schüttelt viele Hände, posiert geduldig für Kameras, wird automatisch mit "Du, Außenminister" angesprochen. Selbst ÖVP-Bürgermeister Joachim Maislinger muss als ehemaliger Pressefotograf Fotowünsche der Walser erfüllen. "Gach", müsse es jedenfalls gehen, wenn der Sebastian da sei. Der Außenminister muss aufs Podium, wenn er denn schon mal in Wals-Siezenheim, im "größten Dorf Österreichs" sei, sagt der Bürgermeister stolz auf diese kleine Sensation.

Kurz ist zumindest offiziell noch nicht auf Wahlkampftour, sondern auf Einladung von Stefan Schnöll in der Flachgauer Gemeinde. Schnöll ist Generalsekretär der Jungen Volkspartei, und stammt aus Wals-Viehhausen unmittelbar in der Nähe des Laschenskyhofes. Am Samstagabend folgte dann noch der Landeskongress der JVP in Elixhausen, den Kurz besuchte.

In den Laschenskyhof waren vor allem ältere Wähler gekommen, die der smarte Minister ohne Probleme in seinen Bann zog. Auch Alt-Bürgermeister Ludwig Bieringer, mehr als doppelt so alt als Sebastian Kurz, schaute sich die Performance des ÖVP-Hoffnungsträgers an. In Kurz' 15-minütigen Rede brandete mehrmals Applaus auf, gerade weil er seine bekannten Positionen zum Besten gab. Über die Höhe der Mindestsicherung müsse man reden, die Außengrenzen schützen, mehr Hilfe vor Ort in den Krisenländern anbieten. Die Migration müsse man steuern, nicht wie Deutschland glauben, alle nach Mitteleuropa holen zu können. "Ich glaube gerade für euch in Wals-Siezenheim ist das ein Thema, weil ihr so nah an der deutschen Grenze seid", sagt Kurz. Die Zuhörer im Raum nicken, und fühlen sich verstanden. Ihnen brennt das Thema Flüchtlinge unter den Nägeln, gerade mit dem Zeltlager, das im Vorjahr für einen längeren Zeitraum in ihrer Gemeinde aufgestellt worden ist.

"Du Außenminister, du darfst wiederkommen"

Kurz erklärt auch, warum er die Türkei für keinen Beitrittskandidaten der EU halte. Ob es denn nach der nächsten Nationalratswahl eine blau-rote oder blau-schwarze Regierung gebe, fragt ein Walser. Doch über mögliche Koalitionen will der Außenminister ungern sprechen, auch wenn er wohl eine eindeutige Meinung dazu hätte. Jetzt gehöre erst einmal gearbeitet. Wann die nächsten Nationalratswahlen stattfinden - angesichts der dauernden Koalitionskrise von Rot-Schwarz? 2018, meint Kurz. Die Frage sei nur ob früher oder später im Jahr 2018. Warum man Griechenland und Italien mit der Flüchtlingskrise allein lasse? Das stimme nicht, meint Kurz höflich-bestimmt auf die Frage aus dem Publikum. "Italien hat 40 oder 50 Millionen Einwohner und 150.000 Flüchtlinge. Österreich hat 8 Millionen Einwohner und 120.000 Flüchtlinge." Diese Antworten gefallen den Walsern. Dass er nicht lange um den heißen Brei herumrede. Oder wie ein Walser meint: "Du, Außenminister, du darfst ruhig wiederkommen". Auch das haben wohl noch nicht viele Politiker im Laschenskyhof zu hören bekommen.

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