Politik

Sepp Forcher: "Mit 900 Schilling bin ich mir reich vorgekommen"

Seit 200 Jahren ist Salzburg bei Österreich. Im Lauf dieser Zeit haben sich Arbeit und Wohlstand verändert. Sepp Forcher erzählte auf SPÖ-Einladung aus seiner Sicht.

"200 Jahre Salzburg: Arbeit und Wohlstand im Wandel", war das Thema einer von den Sozialdemokraten organisierten Diskussionsveranstaltung am Montagabend im Unipark Nonntal. Mit am Podium: Klingendes-Österreich-Moderator Sepp Forcher (85), SPÖ-Chef Walter Steidl, Universitätsprofessor Christian Dirninger und Studentin Rebekka Mayrhofer. Forcher erzählte von seiner Arbeit bis 1955 beim Kraftwerksbau in Kaprun.

"Kaprun war für mich das Tor zum Himmel, weil ich da zum ersten Mal Geld verdient habe. 900 Schilling im Monat waren für mich in den 1950er-Jahren sehr viel Geld. Ich bin mir reich vorgekommen und konnte noch dazu in der Kantine so viel essen wie ich wollte. Wir haben damals kleinbürgerlich gedacht: Keine Schulden machen. Wir müssen etwas schaffen, damit es unseren Kindern besser geht. Man kann das auch animalisch nennen, man muss es nicht kleinbürgerlich nennen. Für meine Generation war klar: Wer genug arbeitet, der kann etwas weitergeben. Es gab Planungssicherheit", erzählte Forcher. Zu Arbeit und Wohlstand gehört auch die "working poor"-Generation. Also Menschen, die trotz Arbeit unter der Armutsgrenze leben. Studentin Rebekka Mayrhofer sagte etwa: "Wir arbeiten nicht, um das erste Mal Geld zu verdienen, wir arbeiten gratis, in unzähligen Praktika. Unser Problem ist nicht, dass es uns nicht gut geht. Unser Problem ist, dass wir vom Wohlstand unserer Eltern abhängig sind. Arbeit ist auch für junge Menschen sinnstiftend. Aber es fehlt die Planungssicherheit und der Glaube daran, mit Arbeit zu Wohlstand zu kommen. In meiner Generation prallen Pessimismus und Optimismus aneinander. Optimismus bedeutet aber heute nicht mehr darauf zu vertrauen, dass alles besser wird, sondern: Hoffen, dass alles bleibt, wie es ist."

Das Goldene Zeitalter ist vorbei

Historiker und Uniprofessor Christian Dirninger meinte dazu: "Die Zeit der 1950er- bis 1980er-Jahre waren der absolute Ausnahmezustand in der Geschichte, ein goldenes Zeitalter. Wir müssen lernen, mit einem geringen Wachstum zu leben.

In der Debatte waren sich die Diskutanten einig. Der von SPÖ-Bundeskanzler Christian Kern angekündigte "New Deal" dürfe nicht bedeuten, mit alten Rezepten neue Probleme zu lösen. "Wenn du nicht bereit bist, Politik zu machen, dann wird mit dir Politik gemacht", sagte SPÖ-Chef Walter Steidl.

Quelle: SN

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