Politik

SN-Diskussion: Nein zu Windrädern überwiegt im Lungau

SN und "Lungauer Nachrichten" luden zur Podiumsdiskussion in Tamsweg und mehr als 300 Menschen kamen. Die Ablehnung des Projektes ist groß, die Skepsis überwiegt, zugleich ist das Bedürfnis nach mehr Information gewaltig. Mit der Diskussion wurde ein erster Schritt zur besseren Meinungsbildung erfüllt.

20 Windräder will die Landesregierung laut ihrem Energie-Masterplan. Wo sie entstehen sollen, sagt sie aber nicht. Die Chancen, dass sich einige der Räder im Lungau drehen könnten, sind relativ gering.

Gegner wie Befürworter der Windenergie haben im Lungau jeweils eine engagierte Anhängerschar. Das wurde bei der großen Diskussionsveranstaltung der "Salzburger Nachrichten" und "Lungauer Nachrichten" am Donnerstagabend im Gambswirt-Saal in Tamsweg deutlich. Eine klar stärkere Mobilisierung ist aber den Gegnern gelungen. Mehr als 300 interessierte Besucher füllten den Saal. Am Ende des Abends standen klare Positionen der mächtigsten Bürgermeister und der Bürger gegen Windkraft-Standorte im Bezirk. Bedenken hat auch die Salzburger Land Tourismus Gesellschaft.

Projektbetreiber Robert Gruber von der Lungauwind GmbH plant mit drei einheimischen Partnern acht Windräder auf der Fanningberghöhe bei Weißpriach. Diese sollen rund 16.000 Haushalte versorgen können und etwa 40 Millionen Euro kosten. Ein Erdkabel würde den erzeugten Strom in Richtung St. Michael ableiten. Dank eines geförderten Tarifs wären die Anlagen laut Gruber nach 13 Jahren abbezahlt. Bürger und Unternehmer sollen sich am Vorhaben beteiligen und davon profitieren können. Gruber: "Um die Klimaziele zu erreichen, kommen wir um die Windkraft nicht herum. Ich glaube, ich werde es noch erleben, dass sich im Lungau Windräder drehen."

Für den Biosphärenpark Lungau wären erneuerbare Energien positiv. Sein Manager Markus Schaflechner betonte, dass gemäß den Richtlinien der österreichischen Biosphärenparks in der Kern- und Pufferzone Windräder absolut nicht zulässig wären, sehr wohl aber in der Entwicklungszone (wie am Fanningberg), wenn sie die Umweltverträglichkeitsprüfung bestehen, wenn sie aus Sicht des Vogelschutzes genehmigt werden können und die Bevölkerung sie mittrage. Schaflechner ist auch im Vorstand der Ferienregion Lungau, die einen ablehnenden Beschluss zur Windkraft gefasst hat. Er enthielt sich dort der Stimme. "Ich bin für eine sachliche Diskussion vor einer Entscheidung."

Eine der schärfsten Gegnerinnen ist die Bürgerinitiativen-Vertreterin Waltraud Grübl aus Thomatal. Sie hat bereits Erfahrung darin, denn in ihrer Gemeinde brachte eine Bürgerbefragung 2014 ein Windkraftprojekt zu Fall. Zuvor war bereits in St. Margarethen eine Bürgerabstimmung gegen Windräder ausgegangen. "Der Lungau ohne Windräder liegt mir so was von am Herzen", sagte sie. Windparks würden überhaupt nicht zum sanften Tourismus passen. "Unsere Gäste lieben die unberührte Natur. Sobald eines steht, müssten wir befürchten, dass der Lungau mit Windrädern übersät wird." Alternativen wären eine Modellregion für den achtsamen Umgang mit Ressourcen und viele kleinere alternative Energieprojekte, so Grübl.

Von Florian Größwang von der Salzburger Land Tourismus GmbH kam indirekt eine Absage an Windkraftanlagen: Er stellte in Frage, dass Wind die richtige Energieform im Lungau wäre, der mit Wasser, Wald und Sonne gesegnet sei. Wichtig sei der sorgsame Umgang mit der Naturlandschaft. Das Salzburger Land sei Vorreiter im nachhaltigen Tourismus. "Die meisten Gäste kommen aus städtischen Gebieten wie dem Ruhrgebiet in Deutschland. Sie erwarten nicht dasselbe Bild wie zu Hause."

Der Regionalverband, also die 15 Bürgermeister des Bezirks, strebt eine allgemeine Festlegung an, ob im Lungau Windräder errichtet werden sollen oder nicht. Deshalb werden die Gemeindevertretungen (191 Gemeindevertreter) nach der Wahl im Frühjahr 2019 darüber abstimmen. Bis zu dieser Gesamtentscheidung ist beim aktuellen Projekt in Weißpriach das Raumordnungsverfahren ausgesetzt. Die Weißpriacher Gemeindevertretung unterstützt die Windräder einhellig, müsste sich aber einer generellen negativen Entscheidung beugen.

Dass sich eine Mehrheit der Gemeinden für die Windenergie entscheidet, wird immer unwahrscheinlicher. Zu klar waren gestern die persönlichen Festlegungen der ÖVP-Bürgermeister von Tamsweg, Georg Gappmayer, und St. Michael, Manfred Sampl, der auch Regionalverbandschef und Bezirksparteiobmann ist.

Gappmayer findet, dass der Lungau für Windkraft ungeeignet ist. "Unsere Stärken liegen in Wasserkraft und Fotovoltaik in kleinen Einheiten." Der Landespolitik gab er die Anregung mit, sich landesweit über Standorte Gedanken zu machen und diese Frage nicht auf Betreiber und Bürger abzuwälzen. Auch Sampl bezweifelt, dass "Standorte in der Auslage auf 2000 Meter hohen Bergrücken die richtigen sind". Im Lungau laufe gerade ein Förderprojekt für Fotovoltaikanlagen auf Dächern sehr gut.

Als Regionalverbandsobmann dankte Sampl der Gemeinde Weißpriach für die gemeinsame Vorgangsweise. Denn Gemeinde und Land könnten rein rechtlich die Anlagen genehmigen.

Das Stimmungsbild unter den Besuchern war noch eindeutiger als auf dem Podium. Eine klar überwiegende Mehrheit gab der Windkraft ein "Nicht Genügend".

Aufgerufen am 29.10.2020 um 03:24 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/sn-diskussion-nein-zu-windraedern-ueberwiegt-im-lungau-41219725

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