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Stadt investiert ab 2017 in Öffi-Ausbau

SPÖ, ÖVP und Bürgerliste haben sich zusammengerauft: 2017 wird die Stadt 3,3 Millionen Euro in eine Verbesserung von Obus & Co. stecken.

Stadt investiert ab 2017 in Öffi-Ausbau SN/robert ratzer
Die Stadt setzt auf den Mix aus Beschleunigung, Verdichtung und Verbilligung von Obus, Bus und Bahn sowie             mehr Park-&-Ride. RATZER

Bgm. Heinz Schaden (SPÖ) hat sich - auch unter dem Eindruck des Stauchaos am 3. Oktober - ein Herz gefasst und vor zwei Wochen erste Teile eines Öffi-Beschleunigungspakets angekündigt. Die SN berichteten. Am Freitag hat er nun den fertigen Amtsbericht gemeinsam mit Vizebürgermeister Harald Preuner (ÖVP) und Verkehrsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) vorgestellt. Insgesamt will die Stadt 2017 rund 3,31 Mill. Euro in die Hand nehmen und auch in den Folgejahren in den öffentlichen Verkehr investieren. Folgendes ist geplant:

Erweiterung Obus-Linie 8: Fix ist der Lückenschluss des Obus-Netzes zwischen Bessarabierstraße und Messezentrum. Dafür müssen 400 Meter an Oberleitungen gebaut werden. So wird künftig auch der Park-&-Ride-Platz Messezentrum besser mit Öffis angebunden sein. Die Stadt hat dafür 460.000 Euro bis Ende 2018 vorgesehen.

Erweiterung Obus-Linie 3: Hier sollen 850 Meter Oberleitungen vom geplanten Kreisverkehr Bahnhofstraße/Goethestraße bis zur bestehenden Haltestelle Landstraße gebaut werden. Die Dieselbuslinien 21 und 23 sowie die Regionalbuslinien aus dem Seengebiet können so ideal an der Haltestelle Landstraße - sie soll zum Regionalverkehrsknoten Nord werden - verknüpft werden. Pendler sollen künftig dort auf den Obus umsteigen und schneller ins Zentrum kommen. Für das Projekt sieht die Stadt

1,2 Mill. Euro bis Ende 2018 vor.

Doppelgelenk-Obusse: Obwohl es bereits 2012 einen Testbetrieb mit den ultralangen Bussen gab, sollen sie auf Wunsch der Salzburg AG 2017 erneut geprüft werden. Dazu wird ein Fahrzeug angeschafft. Sollten die Tests positiv ausfallen, werden ab 2018 im Zuge der Ersatzbeschaffung bis zu neun Doppelgelenk-Obusse angekauft. Verwendet werden sollen sie ab 2021 auf der Linie 3 (Itzling bis Salzburg-Süd). Der Vorteil: Die "Doppelgelenker" fassen bis zu 40 Prozent mehr Fahrgäste. Allerdings müssen dafür Haltebuchten verlängert werden. Kosten wird der Testbetrieb 100.000 Euro. Die Stadt wird davon die Hälfte zahlen.

Neue Lokalbahn-Mittelteile: Die Lokalbahn (Salzburg-Ostermiething/OÖ), die der Salzburg AG gehört, will weitere vier Mittelteile auf Niederflur umbauen lassen. Damit wird die Beförderungskapazität erhöht. Nahezu alle Garnituren sind dann barrierefrei. Kosten wird das in Summe vier Millionen Euro. Die Stadt wird sich bis Ende 2018 mit einer Million Euro beteiligen.

365-Euro-City-Ticket: Die vergünstigte Öffi-Jahreskarte für die Stadt - derzeit kostet sie 379 Euro - kommt gut an: Seit dem Start mit Juli 2014 kam es zu einer Verdoppelung der Verkaufszahlen auf zuletzt 6850 City-Tickets. Nun scheint es fix, dass der Ticketpreis ab 1. Juli 2017 wieder auf 365 Euro gesenkt wird - aber nur für nicht übertragbare Tickets. Die Stadt wird 300.000 Euro mitzahlen. Übertragbare Tickets könnten im Gegenzug teurer werden. Weiters will die Stadt darauf drängen, dass auch die Umlandgemeinden in das City-Ticket eingebunden werden. Möglich wäre das durch eine Erweiterung der Kernzone - wenn die jeweilige Gemeinde mitzahlt. Bgm. Schaden: "Gespräche darüber wird es schon bald geben."

Musterkorridor Mattsee: Bereits nach der Gemeinderatswahl im März 2014 wurde ein Bus-"Musterkorridor" entlang der Wolfgangsee-Bundesstraße (B158) vereinbart. Er betrifft die Linien 140 und 150. Die dafür nötige Infrastruktur (neue Wartehäuschen, Park-&-Ride- sowie Bike-&-Ride-Plätze etc.) kostet eine Million Euro. Land, Stadt und die betroffenen Gemeinden zahlen je ein Drittel. Das Land investiert zusätzlich 300.000 Euro pro Jahr in die Taktverdichtung. Ziel ist ein 30-Minuten-Intervall.

Nach Vorbild dieses Projekts, das erst seit wenigen Tagen mit dem Bau der ersten neuen Haltestelle in Koppl umgesetzt wird, soll nun ein weiterer "Musterkorridor" folgen: die Buslinie 120 nach Mattsee. Für die vertiefende Planung hat die Stadt 50.000 Euro bis Ende 2018 budgetiert. Schaden wäre bereit, auch beim Mattsee-Korridor ein Drittel der Infrastrukturkosten mitzuzahlen. Er hofft, dass nun beide Korridore fast parallel umgesetzt werden: "Bis Ende der Periode im Frühjahr 2019 geht sich noch viel aus."
Park-&-Ride-Platz-Offensive: In und um die Landeshauptstadt gibt es 7000 Stellplätze mit guter Öffi-Anbindung, welche saisonal als Park-&-Ride-Anlagen für Pendler genutzt werden (Messezentrum, Salzburg-Süd, Flughafen, Outlet Center). Tatsächlich werden im Sommer aber nur zwei Prozent davon tatsächlich von Pendlern frequentiert. Künftig soll es daher bessere Informationen für Touristen und Pendler (Prospekte, Online, Wegweiser) über dieses Angebot geben; attraktive Tarifangebote (P-&-R-Nutzung mit City-Ticket); eine Attraktivierung der Parkplätze (bessere Gestaltung, Beleuchtung, Beschilderung) und ein Park-&-Ride-Leitsystem im Umland der Stadt Salzburg (Autobahn-Überkopfwegweiser etc.). Zur heiklen Frage, ob etwa der Park-&-Ride-Platz im Messezentrum, bei dem das Jahresticket derzeit 360 Euro kostet, künftig billiger oder sogar gratis genutzt werden kann, gab es aber noch keine Antwort.

Mittelfristige Maßnahmen: Erst in den nächsten Jahren ist vorgesehen, die Obusse auch auf die Umlandgemeinden auszudehnen: Konkret genannt wurden hier Eugendorf, Koppl, Elsbethen, Anif, Grödig und Wals. Technisch umgesetzt werden soll das nach dem Wunsch der Stadtpolitik vor allem mit der nächsten Generation an Obussen, die mittels ihrer starken Batterien auch einige Haltestellen ohne Oberleitung fahren können.

Mittelfristig soll außerdem die Linie 2 (Obergnigl bis Walserfeld) zur innerstädtischen "Musterlinie" werden (durch bessere Ampelsteuerung, mehr Komfort durch Monitore, mehr Fahrgastunterstände). Weiters sollen generell die Busse im Stadtgebiet durch mehr Busspuren beschleunigt werden. Geprüft werden etwa Teile der Ignaz-Harrer-, der Sterneck-, der Petersbrunn-, der Gaisberg-, der Rainerstraße und der Schallmooser Hauptstraße.

Über konfliktträchtige Busspur-Ideen wie jene am Rudolfskai (gegen die Einbahn), über die Nonntaler Brücke oder entlang der Ignaz-Harrer-Straße bis zur Grenze gab es aber keine Einigkeit, sondern die üblichen Schuldzuweisungen. Seitenhieb von Padutsch: "Plötzlich gibt es für Maßnahmen, die in der Vergangenheit noch abgelehnt wurden, eine breite Mehrheit."

Aufgerufen am 17.11.2018 um 05:42 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/stadt-investiert-ab-2017-in-oeffi-ausbau-949534

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