Politik

Taten statt Worte: Wo Bettler unterkommen sollen

Das Quartier unter der Staatsbrücke hat die Stadt am Dienstag geräumt. Die Caritas Salzburg rüstet nun die Arche Süd als Notschlafstelle in der Alpenstraße um. Einige Bettler leben bis dahin in Containern.

Konkrete Pläne, wie mit Bettlern und Obdachlosen - meist aus Rumänien - in der Salzburger Altstadt umgegangen werden kann, sollen erst im Mai an einem runden Tisch geschmiedet werden. Zu diesem hat SPÖ-Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer eingeladen.

Taten statt Worte liefert die Caritas schon jetzt: Mit Mai öffnet sie auf Bitte der Stadt die Arche Süd in der Alpenstraße als Notschlafquartier. 15 bis 20 Bettler sollen dort einen Platz zum Schlafen, Waschen und Essen finden. "Ob wir nur Frauen oder nur Männer aufnehmen, entscheiden wir gerade", sagt Caritas-Sprecherin Margit Greisberger. Eine Unterbringung von beiden gemeinsam sei jedenfalls nicht möglich. Allein die WCs und Sanitäranlagen seien nicht drauf ausgerichtet. Schwester Birte vom Orden der Helferinnen wird das Quartier leiten; sie hat bereits die Winternotschlafstelle am Müllner Hügel gemanagt. Noch sucht die Caritas Ehrenamtliche, die das Kochen für den Abend übernehmen. Sättigende Gerichte sind bei den Obdachlosen gerne gesehen, weiß Astrid Aufschnaiter, die im Winter den Kochlöffel geschwungen hat.

Übergangslösung in ContainernDie Habseligkeiten von elf Bettlern haben Mitarbeiter des Straßen- und Brückenamts am Dienstag eingesammelt und von der Staatsbrücke zu den Containern am Park-and-Ride-Platz Süd, die dort für die Bettler aufgestellt wurden, transportiert. Eine Geschlechtertrennung gibt es dort nicht. "Die gesamte Belegschaft von der Brücke soll dort unterkommen. Frauen, Männer, Kinder", sagt Bernd Huber, Sprecher von Vizebürgermeister Harald Preuner (ÖVP). Kritisch sieht er allerdings die nahe Zukunft: "Was, wenn sie in die Heimat telefonieren und sagen, dass sie hier ein eigenes Haus bekommen? Kommen dann alle nach?""Armut rührt uns an" "Gut, dass die Politik nun reagiert hat - wenn auch spät", sagt Robert Buggler von der Salzburger Armutskonferenz zur Räumung der Bettlerbehausungen in der Staatsbrücke. Er spricht sich für ein Bündel an Maßnahmen aus und unterstützt die von der Plattform für Menschenrechte angeregte Basisversorgung der Bettelmigranten - von fester Unterkunft bis zur medizinischen Basisversorgung. "Wenn jemand Fieber bekommt, soll er zumindest medikamentöse Hilfe erhalten", sagt er.

Mit Schülern der 8. Klasse des Borromäums hat er sich kürzlich auf Tour durch Salzburg begeben. In diesem Workshop haben die Jugendlichen selbst entschieden, ob, was und wie viel sie Bettlern geben möchten. Ein Bursche habe eine Wurstsemmel gekauft und hergeschenkt; der Dank war groß. Ein anderer habe Münzen gespendet und sei dabei vom Bittenden nicht beachtet worden. Das habe ihn verärgert.

"Unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Reaktionen", sagt Buggler. Für ihn steht fest: "Armut rührt uns an: die Haltungen, das Kauern am Boden, die mitgebrachten Kinder, teils die Verkleidungen zum Betteln." Auf die Emotionen der Menschen würden allerdings viele, auch Organisationen etwa, abzielen. Bettler hätten nur keine Werbeagentur, die sich um ihre Interessen kümmere.



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