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Überfüllte Notaufnahmen: Salzburg braucht mehr niedergelassene Ärzte

Die Krankenkasse hat ihre Pläne für die ambulante Versorgung vorgestellt. Bis 2025 müssen 15 neue Stellen für Allgemeinmediziner geschaffen werden. Denn die Bevölkerung wird immer älter - und mit dem Alter werden die Arztbesuche häufiger.

Symbolbild. SN/APA (Fohringer)/HELMUT FOHRINGER
Symbolbild.

Die Salzburger Gebietskrankenkasse und Gesundheitsreferent Christian Stöckl (ÖVP) haben am Donnerstag die Pläne für die regionale Gesundheitsvorsorge im ambulanten Bereich vorgestellt. Basis für die Planung ist eine Analyse des Entwicklungs- und Planungsinstitut für Gesundheit (EPIG) aus Graz. Fakt ist: Die Salzburger werden immer älter. Und damit werden auch die Allgemeinmediziner und Fachärzte immer wichtiger. Im Land Salzburg gibt es pro Jahr rund 5,55 Millionen ambulante Arztkontakte. 770.000 stammen von so genannten "Gastpatienten" - also Patienten aus anderen Bundesländern oder Touristen.

Über 75-Jährige im Schnitt 20 Mal beim Hausarzt

Jeder Salzburger und jede Salzburgerin geht im Schnitt ab 10,4 Mal im Jahr zu einem Arzt. Wobei 79 Prozent dieser Arztbesuche bei Ärzten stattfinden, die mit der GKK einen Kassenvertrag haben. Und: 62 Prozent der Kontakte finden bei Allgemeinmedizinern - also dem klassischen Hausarzt - statt. Die Anzahl der Arztbesuche steigt mit dem Alter deutlich an. Unter 25-Jährige gehen im Schnitt 2,9 Mal zum Allgemeinmediziner. Die Altersgruppe von 25 bis 64 Jahren besucht den Arzt im Schnitt 5,5 Mal pro Jahr. Jene der 65- bis 74-Jährigen bereits über 11 Mal und die Gruppe der Salzburger über 75 Jahren sind rund 20 Mal pro Jahr in einer Ordination eines Allgemeinmediziners.

22 neue Arztstellen bis 2025 geplant

Auf Basis dieser Zahlen hat die Krankenkasse nun 22 zusätzliche Arztstellen bis 2025 geplant. 15 davon sollen Stellen für Allgemeinmediziner sein. Wobei es nicht mehr Einzelpraxen geben soll, sondern so genannte Primärversorgungseinrichtungen. Dort soll es nicht nur Hausärzte geben, sondern ein ganzes Team aus Pflegern, Ergotherapeuten, Diätologen, Psychologen, Logopäden, Kinderärzten, Psychotherapeuten, Hebammen, etc.

Neben 15 neuen Allgemeinmedizinern hat die GKK bis 2025 auch eine zusätzliche Stelle für einen Augenarzt, zwei Internisten, einen Arzt für Kinder- und Jugendheilkunde, eine Stelle für Kinder- und Jugendpsychiatrie, 1,5 für die Psychiatrie und eine neue Stelle für einen Neurologen vorgesehen.

Hälfte der Patienten gehört nicht in Spitalsambulanzen

Die ambulante Betreuung soll sicherstellen, dass die Spitalsambulanzen künftig entlastet werden. "Von 100 Patienten in der Notaufnahme gehören 50 da nicht hin, weil es nicht um Leben und Tod geht, sondern um Bagatellgeschichten", sagt Andreas Huss, Obmann der Salzburger Gebietskrankenkasse. Bestes Beispiel sei das Hausärzte-Notdienstzentrum in Schallmoos. Da seien an starken Wochenenden bis zu 300 Patienten zu finden - die genau dort hingehören, und nicht in eine Spitalsambulanz. In den fünf neuen Primärversorgungszentren soll es einen Mehrwert für die Patienten geben, sagt Huss.

Hausarztstelle kostet 250.000 Euro pro Jahr

Die Frage aber ist, wer diese 22 neuen Arztstellen bezahlen soll. Denn der Bund hat den Kassen eine Ausgabenbremse verordnet. 250.000 Euro kostet eine Stelle für einen Allgemeinmediziner die GKK pro Jahr. Macht bei 15 geplanten Stellen für Allgemeinmediziner also rund vier Millionen Euro aus. Die Ausgabenbremse versteht selbst Gesundheitsreferent Stöckl nicht. "Das eine Gesetz schreibt uns die Primärversorgungszentren vor. Das andere schränkt uns bei den Ausgaben ein." Der Kassenobmann sagt, die 22 neuen Stellen bis 2025 seien geplant. "Ich lasse es darauf ankommen. Die GKK in Salzburg steht auf guten Beinen, wir haben viele Rücklagen, und ich habe nicht vor, das Geld widerstandslos nach Wien abzuliefern." Das Gesetz müsse zurückgenommen werden. "Diese Ausgabenbremse ist Humbug, einfach Blödsinn." Die GKK profitiere aber auch von jährlichen Einnahmensteigerungen. Damit könne man die Ausgaben für neue Arztstellen auch finanzieren.

Ärztekammer bezeichnet "Plan bislang als mutlos"

Salzburgs geschäftsführender Ärztekammer-Vizepräsident und Obmann der Kurie der niedergelassene Ärzte, Walter Arnberger, ist nicht völlig zufrieden mit den Plänen von GKK und Land. "Um die Spitäler zu entlasten haben wir versucht, gerade in den Fachdisziplinen mit tatsächlich langen Wartezeiten für Patientinnen und Patienten den aktuellen Ärztestand zu halten. Positiv ist daher hervorzuheben, dass in dem uns seit Kurzem bekannten Diskussionsentwurf zumindest keine Reduktion von Kassenstellen mehr vorgesehen ist, sondern in manchen Sonderfächern bereits zusätzliche fachärztliche Stellen angedacht werden."

Es gebe allerdings markante Schwachstellen in den Plänen. So sei die in dieser Soll-Planung dargestellte hohe Bettendichte in Salzburg ein Beleg für die Spitalslastigkeit und bestärke die Kritik der Ärzteschaft, dass die vorgelegte Planung bislang nicht ausreichend die in allen Arbeitsprogrammen betonte Stärkung des niedergelassenen Bereiches berücksichtige. Hier sei der Plan bislang wenig ambitioniert beziehungsweise wirke er mutlos. "Es fehlt aus unserer Sicht gänzlich das Aufzeigen der Vorteile von Gruppenpraxen-Strukturen im kassenfachärztlichen Bereich - gerade zur Entlastung von Spitalsambulanzen.

Aufgerufen am 27.11.2021 um 07:36 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/ueberfuellte-notaufnahmen-salzburg-braucht-mehr-niedergelassene-aerzte-37226635

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