Politik

"Van der Bellen hat Image als Wirtschaftsprofessor abgelegt"

Der lange Wahlkampf habe letztlich Alexander Van der Bellen genützt, sagt der Salzburger Politologe Reinhard Heinisch. Die internationale politische Großwetterlage habe die Wähler verunsichert.

"Van der Bellen hat Image als Wirtschaftsprofessor abgelegt" SN/Marco Riebler
Der Salzburger Politologe Reinhard Heinisch.

Der Salzburger Universitätsprofessor Reinhard Heinisch war am Sonntag der gefragteste Politikwissenschafter bei den internationalen Journalisten. Er hatte mehr als 40 Interviewanfragen. Anrufe ereilten ihn aus Argentinien, Spanien, Mexiko, Schweden und den USA, unter anderem von der "Washington Post".

SN: Hat Sie der deutliche Sieg von Alexander Van der Bellen überrascht?
Heinisch: Ich habe mit einem sehr knappen Wahlausgang gerechnet und habe gedacht, dass das Ergebnis erst am Montag nach Auszählung der Wahlkarten feststehen wird. Dass Van der Bellen in dieser Deutlichkeit gewonnen hat, ist erstaunlich.
SN: Norbert Hofer hatte im Mai noch in 109 der 119 Gemeinden gewonnen, diesmal hat er "nur" noch in 90 Gemeinden die Nase vorn. Warum konnte Alexander Van der Bellen aufholen?
Es ist Alexander Van der Bellen gelungen, sein Image als urbaner Wirtschaftsprofessor abzulegen. Er hat im Wahlkampf bewusst versucht, sich volkstümlicher zu präsentieren. Dieses Konzept ist aufgegangen. Alexander Van der Bellen hat nicht nur seine Kernwähler voll mobilisiert, er hat es auch geschafft, im Kampf um die Mitte neue Wähler und Unentschlossene zu gewinnen. Der lange Wahlkampf hat letztlich Alexander Van der Bellen genützt. Er wurde immer mehr er selbst. Zu Beginn des Wahlkampfs wurde er noch stärker im Zusammenhang mit seinem professoralen Image ge sehen. SN: Welche Rolle spielten die internationalen politischen Entwicklungen wie der Brexit und der Wahlsieg von Donald Trump in den USA?
Diese Veränderungen brachten eine politische Unruhe mit sich, die die Wähler verunsichert hat. Sie haben zum ersten Mal die negativen Auswirkungen dieser Entscheidungen gesehen. Die Österreicher sind bei Wahlen ein harmoniebedürftiges Volk. Eine gewisse Rolle spielte auch der "Jetzt-erst-recht-Effekt".

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