Politik

Van der Bellen wanderte am Gaisberg mit Personenschutz

Präsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen begab sich am Samstag auf eine Wanderung rund um den Gaisberg - begleitet von zahlreichen Anhängern und auch Polizisten.

Zwei schwarze SUV's mit Wiener Kennzeichen fahren durchaus respektvoll die Gaisberg Landesstraße hinauf. Der vordere Wagen ist dank entsprechender Aufkleber klar als fahrbarer Untersatz des grünen Präsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen erkennbar. Er sitzt am Beifahrersitz und winkt einer Gruppe von Burschen am Straßenrand zu. Sie starren dem Zweier-Gespann mit offenen Mündern nach. Was macht denn der Van der Bellen am Gaisberg?

Wandern gehen, und zwar auf Einladung der ehemaligen Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller. Die SPÖ-Politikerin ist seit dem Ausscheiden des roten Präsidentschaftskandidaten Rudi Hundstorfer Mitglied im Personenkomitee für Alexander Van der Bellen. "Weil ich glaube, dass er Österreich gut tun wird", erklärt sie. Mit ihrer Wander-Idee wolle sie einen Beitrag dafür leisten, Van der Bellen fit zu halten: "Er soll ja für die nächsten sechs bis zwölf Jahre unser Staatoberhaupt sein. Außerdem gehören die Städter mehr auf die Berge", sagt sie in Richtung des grünen Präsidentschaftskandidaten: "Da kann man sich einen guten Überblick verschaffen, oder?"

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Cobra-Beamte mischten sich unter die Wanderer

Bevor sich die Gruppe auf den Gaisberg-Rundwanderweg begibt, spielt die Hellbrunner Geigenmusi auf. Sie besteht aus den jungen Stadt-Salzburgern Leonhard Hartinger, Daniel und Dominik Vereno und Alexandra Seywald. "Wir haben traditionelle Salzburger Volksweisen in unserem Repertoire und die wollten wir Alexander Van der Bellen vortragen, weil sie Teil unserer Identität sind", sagt Leonhard Hartinger. Am Mozarteum, wo die jungen Leute studieren, stehe die Mehrheit der Studierenden hinter Van der Bellen.

Dieser ist wie so oft die Ruhe in Person. Entspannt lässt er sich die Salzburger Bergwelt erklären, um dann sein eigenes Handy herauszuholen und ein Foto zu schießen: "Ist das schön hier", sagt er und lächelt. Das Wetter spielt jedenfalls trefflich mit. Der angekündigte Einbruch des Südföhns lässt noch auf sich warten, die gut 30 Menschen, die Van der Bellen begleiten, genießen die Sonnenstrahlen.

Unauffällig unter die Wanderer gemischt haben sich auch die Polizisten der Cobra und des Verfassungsschutzes. Wegen Morddrohungen aus dem rechtsextremen Milieu steht der grüne Präsidentschaftskandidat unter Personenschutz. Der Mann, der die jüngsten Drohungen auf Twitter veröffentlichte, ist zwar mittlerweile gefasst - der Schutz bleibt als Vorsichtsmaßnahme aber weiterhin aufrecht.

Alexander Van der Bellen streut den Polizisten Rosen

Die Bewachung erfolgt so diskret, dass sie auf den ersten Blick überhaupt nicht auffällt. Da sind keine Waffen zu sehen, keine Ohrstöpsel, keine Uniformen. Die Beamten der Cobra verständigen sich untereinander mit Blicken. Da sie aus der Bundeshauptstadt kommen und in Salzburg nicht ortskundig sind, werden sie von den Salzburger Verfassungsschützern unterstützt. Das komme öfter vor, sagt einer der Salzburger Beamten. "Wir waren hier am Gaisberg-Rundweg auch schon mit Hillary Clinton wandern."

Es sei eine Herausforderung, ständig wachsam zu bleiben, erklärt ein Cobra-Beamte. Der Salzburger Kollege fragt ihn: "Hast du schon kontrolliert, ob in diesem Kinderwagen dort auch wirklich ein Kind ist?" - "Auf dem Parkplatz beim Weggehen schon", antwortet dieser. Man dürfe nichts außer Acht lassen. Auf Wunsch der Polizisten schreiben die SN hier nichts über die Größe der beiden Teams.

Alexander Van der Bellen streut den Polizisten jedenfalls Rosen: "Sie sind hochprofessionell und sehr diskret. Ich habe mich schon daran gewöhnt und ich glaube auch nicht, dass es im Publikum irgendwer merkt, wenn ein Politiker bewacht wird." Die aktuelle Bedrohungssituation werde sich schon wieder beruhigen.

Wie auch bei Van der Bellens Wahlkampfauftritt in Linz am Freitag sind viele Anhänger erstaunlich jung - noch keine 20 Jahre alt. Sie umringen ihn und wollen sich mit dem 72-Jährigen fotografieren lassen. Am liebsten natürlich auf dem Steg des Gaisbergrundwanderwegs, von dem aus man den besten Blick auf die Landeshauptstadt hat.

Salzburg-Crashkurs für Van der Bellen

Gabi Burgstaller gibt Alexander Van der Bellen einen Salzburg-Crashkurs: "Dort ist die Festung, sie sieht so klein aus wie Spielzeug, dort ist der Bahnhof, wo die Gebäude mit den bunten Balkonen stehen." Die beiden verbindet übrigens auch eine andere Episode: Burgstaller interviewte Van der Bellen vor 30 Jahren für ihre Diplomarbeit. Die damalige Jus-Studentin beschäftigte sich darin mit der Frage, ob ein neutraler Staat wie Österreich nach verfassungsrechtlichen Gesichtspunkten Waffen an kriegstreibende Staaten ein- oder ausführen dürfe. "Alexander Van der Bellen hat sich damals als Universitätsprofessor sehr stark mit dieser Thematik auseinandergesetzt", erklärt Burgstaller.

Nach eineinhalb Stunden ist der Gaisberg umrundet und Alexander Van der Bellen hat sich geduldig für alle Interview- und Fotowünsche der Wanderer und Journalisten zur Verfügung gestellt. Der abschließenden Jause auf der Rauchenbühelhütte der Naturfreunde steht nichts mehr im Wege.

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