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VCÖ: In Salzburg wird jede Woche Fläche von einem Fußballfeld für Verkehr verbaut

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) macht auf diese bedenkliche Entwicklung aufmerksam - und sucht gemeinsam mit der Hagelversicherung vorbildliche Projekte für verkehrssparende Siedlungsentwicklung.

Asphaltierte Straßen statt Grünflächen - diese Tendenz zeigt sich auch seit Jahren im Bundesland Salzburg (Symbolbild).  SN/robert ratzer
Asphaltierte Straßen statt Grünflächen - diese Tendenz zeigt sich auch seit Jahren im Bundesland Salzburg (Symbolbild).

In den vergangenen zehn Jahren wurden in Salzburg im Schnitt jede Woche 0,8 Hektar an Fläche für Verkehrsinfrastruktur verbaut. Das betont der VCÖ, der Verkehrsclub Österreich. 104 Quadratkilometer von Salzburgs Landesfläche (in Summe: 7156,03 Quadratkilometer) beansprucht der Verkehr für sich. Die zunehmende Bodenversiegelung ist eines der größten Umweltprobleme, betont der VCÖ. Gemeinsam mit der Österreichischen Hagelversicherung werden heuer beim VCÖ-Mobilitätspreis vorbildliche Projekte für eine verkehrssparende Siedlungsentwicklung ausgezeichnet. Bis Mitte Juni können Projekte eingereicht werden.

Vier Quadratkilometer mehr Verkehrsflächen binnen zehn Jahren

Um vier Quadratkilometer haben die Verkehrsflächen im Land Salzburg in den vergangenen zehn Jahren zugenommen, weist der VCÖ auf Daten des Umweltbundesamts hin. Mehr Parkplätze, längere und breitere Straßen führen dazu, dass immer mehr Böden mit Asphalt und Beton versiegelt werden. Mehr als 9200 Kilometer Straßen durchziehen Salzburg. Im Schnitt wurden in den vergangenen zehn Jahren in Salzburg jede Woche 0,8 Hektar für Verkehrsflächen verbaut; das entspricht etwa der Fläche von einem Fußballfeld, verdeutlicht der VCÖ.

Supermärkte auf der grünen Wiese als "Flächenfresser"

Vor allem Supermärkte und Fachmarktzentren außerhalb der Ortskerne sind mit ihren großen Autoparkplätzen laut VCÖ regelrechte Flächenfresser: "Die Bodenversiegelung ist eines der großen Umweltprobleme in Österreich, das durch die Klimakrise noch virulenter wird. Denn extreme Wetterereignisse, wie Hitze oder Starkregen, werden zunehmen. Flächen, die asphaltiert oder betoniert sind, heizen sich massiv auf, werden zu Hitzeinseln. Und versiegelte Böden können bei Starkregen kein Wasser aufnehmen und erhöhen damit massiv die Hochwassergefahr", stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest.

Auch Hagelversicherung befürwortet verkehrssparenden Raumordnung

Der Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Hagelversicherung, Kurt Weinberger, weist auf die Bedeutung einer verkehrssparenden Raumordnung und in dem Zusammenhang auf die Notwendigkeit des Ausbaus öffentlicher Verkehrsmittel hin. Weinberger: "Viel Naturraum wurde in Österreich durch mangelnde Raumordnung bereits unwiederbringlich zerstört. So haben wir in Österreich mit 15 Meter pro Kopf eines der dichtesten Straßennetze sowie leerstehende Industrie-, Gewerbe- und Wohnimmobilien von mehr als 40.000 Hektar. Das entspricht der Fläche der Stadt Wien. Eine Revitalisierung dieses Leerstandes und ein Ausbau des Öffentlichen Verkehrsnetzes, das weniger Boden in Anspruch nimmt, sind ein Gebot der Stunde, um unseren Kindern und Kindeskindern eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen."

Preis soll Projekte für eine verkehrssparende Siedlungsentwicklung auszeichnen

Deshalb setzen der VCÖ und die Österreichische Hagelversicherung beim diesjährigen VCÖ-Mobilitätspreis einen Schwerpunkt auf Projekte für eine verkehrssparende Siedlungsentwicklung und nachhaltige Raumordnung. Noch bis Mitte Juni können Projekte eingereicht werden. Nähere Informationen und Einreichunterlagen unter www.vcoe.at Der VCÖ-Mobilitätspreis ist Österreichs größter Wettbewerb für klimaverträgliche Mobilität und nachhaltigen Gütertransport und wird vom VCÖ in Kooperation mit dem bmvit, dem Nachhaltigkeitsministerium und den ÖBB durchgeführt. Im Vorjahr wurden 321 Projekte eingereicht.

Zudem spricht sich der VCÖ für verstärkte Anreize und gesetzliche Vorgaben für eine verkehrssparende Raumordnung. So soll die Wohnbauförderung auch Mobilitätskriterien enthalten, wie beispielsweise die Nähe zu öffentlichen Verkehrsverbindungen.

Aufgerufen am 20.05.2022 um 09:49 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/vcoe-in-salzburg-wird-jede-woche-flaeche-von-einem-fussballfeld-fuer-verkehr-verbaut-71305585

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