Politik

Veranstaltungen in der Salzburger Altstadt: "Wir dürfen die Stadt nicht unter die Käseglocke stellen"

Gerechte Aufteilung und keine zusätzlichen Veranstaltungen mehr: Vizebürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) stellt sein Modell für Veranstaltungen in der Salzburger Altstadt vor. Die Bürgerliste präsentiert zehn Richtlinien.

An insgesamt 425 Tagen wurden die Plätze der Salzburger Altstadt von Juli 2018 bis Juli 2019 bespielt. 132 Tage davon entfallen auf Veranstaltungen der Festspiele. Dem gegenüber stehen 44 Tage, an denen Sportveranstaltungen stattfinden. 165 Tage können mit Freizeit-Veranstaltungen verbucht werden. Die Kirche beansprucht die städtischen Plätze an 18 Tagen für sich. So weit die Zahlen einer statistischen Auswertung der Veranstaltungen in der Stadt Salzburg durch die SPÖ.

Es braucht gerade in der Altstadt ein gedeihliches Miteinander zwischen Bewohnern, Unternehmern, Kultur- und kirchlichen Würdenträgern sowie Veranstaltern und Behörden, betonte Vizebürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) am Montag. Und natürlich müsse die historische Bausubstanz im Weltkulturerbe-Bereich berücksichtigt werden.

Christkindlmarkt und Rupertikirtag "über jeden Zweifel erhaben"

Wichtig sei ein Mix aus Traditions-, Sport-, Kultur- und Freizeitveranstaltungen. Dabei brauche es eine kluge Aufteilung auf den Residenz-, Kapitel- und Mozartplatz. Gerade der Businesslauf mit mehr als 6000 Teilnehmern habe gezeigt, dass es auch Sportveranstaltungen in der Altstadt braucht. Rupertikirtag und Christkindlmarkt seien über jeden Zweifel erhaben. Doch auch hier könne man beim Auf- und Abbau nachbessern. Geht es nach Auinger, darf die Dauer einer Veranstaltung einschließlich Auf- und Abbau maximal fünf Tage betragen, Christkindlmarkt und Rupertikirtag ausgenommen. Zudem brauche es eine Art Jahreskalender. Mit den Veranstaltern sollten 2-3-Jahres-Vereinbarungen getroffen werden.

"Wir stehen zu den bisherigen Veranstaltungspartnern, ein Wachstum der Veranstaltungen ist aber in der Altstadt nicht möglich. Es sei denn, eine andere Veranstaltung finde nicht mehr statt.

Anlassfall für die aktuelle Diskussion war die Bike-Trail-Veranstaltung in der Altstadt. "Eine für Besucher und Teilnehmer begeisternde Veranstaltung, die aber sowohl hinsichtlich der Platznutzung als auch der Arbeiten davor und danach die Bewohner an die Belastungsgrenze gebracht hat." Die aktuelle Diskussion dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach wie vor ein ordentliches Tourismuskonzept fehle.

Neue Veranstaltungen sind in der Altstadt nicht mehr möglich: Nur wenn eine Veranstaltung wegfällt oder an Alternativ-Standorten

Keine zusätzlichen Veranstaltungen mehr

SPÖ-Klubvorsitzende Andrea Brandner: "Nur circa 10 Prozent der Veranstaltungen in der Innenstadt sind Sportveranstaltungen. Dem gegenüber stehen rund 30 Prozent Festspielveranstaltungen." Da brauche es einen ausgewogeneren Mix. Neben Festspielen und Märkten habe auch der Sport seinen Platz verdient.
"Den größten Anteil haben Freizeitveranstaltungen. Immerhin knapp 40 Prozent der Veranstaltungen in der Innenstadt fallen in die Kategorie Freizeit", so Brandner. "Da gehören beispielsweise das Altstadt Sylvester, das beliebte Kaiviertelfest, der Rupertikirtag oder auch die Winterlounge und der Eislaufplatz am Mozartplatz dazu."Gerade das Kaiviertelfest sei eines der beliebtesten Feste in der Altstadt. Solche Feste für die städtischen Bewohner müsse es auch zukünftig geben. Sie würden zu einer lebendigen und bunten Stadt beitragen. Geht es nach Brandner, "darf man die Stadt nicht unter einer Käseglocke verstecken".

Symptom des überbordenden Tourismus

SPÖ-Tourismussprecherin Hannelore Schmidt ist die Diskussion um die Zahl der Veranstaltungen auch ein Symptom des überbordenden Tourismus. "Dabei geht es ja am Ende des Tages auch darum, dass die Altstadt zu voll ist. Hätten wir eine ordentliches Konzept und einen Plan, wie wir mit dem Tourismus umgehen wollen, wäre die Situation eine andere." In der Vergangenheit seien stolz steigende Nächtigungszahlen präsentiert worden. Das sei mittlerweile für viele kein Grund zum Jubeln mehr. "Einfach nur die Veranstaltungen in der Innenstadt auf den derzeitigen Stand zu beschränken, wird nichts bringen. Wir brauchen endlich ein Tourismuskonzept, das mehr enthält als Nächtigungszahlen."

Zehn Richtlinien von der Bürgerliste

Auch die Bürgerliste legt einen Vorschlag vor. Dieser beinhaltet zehn Richtlinien als "klare Spielregeln für die Veranstalter und die Behörden", so Gemeinderat Markus Grüner-Musil. "Die Vereinbarkeit von Lebensraum Altstadt und einer lebendigen Veranstaltungskultur im Zentrum braucht diese Spielregeln." Mehr Qualität und weniger Quantität, das fordert die Bürgerliste. Basierend auf den Zahlen der vergangenen zwölf Monate würden die Altstadtplätze zwischen 20 Prozent und 30 Prozent entlastet werden. Dazu finden sich Themen wie Mobilität, technischer Aufwand, Koordination & Information, ein angemessener Umgang mit dem historischen Rahmen, Umwelt und Klimaaspekte sowie eine inhaltliche Ausgewogenheit für alle Bevölkerungsschichten in diesen zehn Richtlinien.

Quelle: SN

Aufgerufen am 20.10.2019 um 12:17 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/veranstaltungen-in-der-salzburger-altstadt-wir-duerfen-die-stadt-nicht-unter-die-kaeseglocke-stellen-76292074

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