Politik

Verkehrslandesrat präsentiert seine Lösungen gegen Stau

Nach den Politikern der Landeshauptstadt am Freitag war am Montag Verkehrslandesrat Hans Mayr (SBG) an der Reihe, um seine Vorschläge gegen die Salzburger Verkehrsmisere zu präsentieren.

Der Stau in und um die Stadt Salzburg ist zuletzt ein täglicher Begleiter geworden. SN/robert ratzer
Der Stau in und um die Stadt Salzburg ist zuletzt ein täglicher Begleiter geworden.

Dabei stellte der Verkehrsreferent ein Maßnahmenpaket mit den Schwerpunkten Zentralraum, Pinzgau und Lungau vor. Dieses soll in den kommenden drei Jahren umgesetzt werden. Mayr präsentierte aber auch eine Analyse über die Ursachen des Staus.

45 Prozent mehr Pkw als vor 20 Jahren

In Stadt und Land Salzburg leben derzeit rund 538.000 Personen, das sind rund 3,8 Prozent mehr als vor zehn Jahren. In der Landeshauptstadt gibt es rund 148.000 Einwohner. Das sind 2,3 Prozent mehr als noch vor einem Jahrzehnt. Die Zahl der Einwohner im Tennengau und im Flachgau stieg im selben Zeitraum zwischen 6,1 Prozent und 6,5 Prozent. In Stadt und Land Salzburg sind derzeit rund 301.000 Pkw angemeldet, um 45 Prozent mehr als vor 20 Jahren. 77.000 davon sind in der Stadt Salzburg angemeldet, rund 18 Prozent mehr als vor 20 Jahren.

Umlandgemeinden wachsen sehr stark

Daraus wird deutlich: Die Stadt Salzburg wächst wesentlich langsamer als die Umlandgemeinden. Viele Menschen haben ihren Wohnort im Umfeld der Stadt, den Arbeitsplatz jedoch in der Stadt. Auf Grund der Berge rund um die Landeshauptstadt ist eine wesentliche Verbesserung der Straßeninfrastruktur nur schwer möglich. Der Verkehr hat enorm zugenommen - vor allem aufgrund der Pendler und der touristischen Entwicklung. Maßnahmen im öffentlichen Verkehr haben nur teilweise gewirkt, wie beispielsweise die Erreichbarkeit aus dem Pongau und dem Tennengau durch die Verbesserung der S-Bahn-Linie S3. Der innerstädtische Verkehr mit den Obussen und Regionalbussen kommt in einer Stausituation immer öfter zum Erliegen. "Das Fass ist so voll, dass es bereits ein kleiner Tropfen - eine kurze Baustelle, ein Unfall oder Ähnliches - sofort zum Überlaufen bringt", so das Fazit des Verkehrsreferenten.

Motorisierter Individualverkehr muss weniger werden

Die Situation ist aus Mayrs Sicht nur zu lösen, indem die Anzahl der Autos gesenkt wird. Damit werde die Qualität der Stadt für die Bewohner verbessert. Zugleich hätten die Öffis die Chance auf mehr Pünktlichkeit und könnten somit eine echte Alternative zum Auto darstellen. Die Projekte dazu lägen auf dem Tisch, eine Fülle von Lösungsansätzen werde diskutiert. Für den Landesrat sind es vor allem folgende Schwerpunkte und Projekte, die in den nächsten drei Jahren umgesetzt werden sollen. Aus seiner Sicht ist hier aber nicht nur allein das Land Salzburg gefragt:

Stadt Salzburg und Umlandgemeinden

1. Neue Busspuren (Stadt)
2. Rund 1000 zusätzliche Park-and-Ride-Plätze (Land) sowie 7000 Park-and-Ride-Plätze, z.B. Messe, Airport etc. (Stadt)
3. Attraktive Tarife und Karten (Land, Salzburger Verkehrsverbund SVV, Stadt, Gemeinden, Verkehrsunternehmen, SLT)
4. Maßnahmen für den ruhenden Verkehr in der Stadt (also Beschränkungen des Parkens sowie Vergebührung von Parkplätzen, Anm.); (Stadt)
5. Verlängerung der Obuslinien in die Umlandgemeinden (Stadt)
6. Durchbindung der Regionalbusse in die Stadt (Land, SVV)
7. Änderung der Verkehrsführung für den motorisierten Individualverkehr (Stadt)
8. Entscheidung EuRegio-Bahn (Stadt, Land)

Pinzgau

1. Entlastungsstraße Zell am See-Schüttdorf
2. S-Bahn Pinzgau beziehungsweise Verlängerung der S3
3. Errichtung einer Haltestelle in Schüttdorf

Lungau

Hier geht es für Mayr um eine Verbesserung der Gesamtsituation durch eine Ausschreibung 2016/2017 (Land, SVV). Maßnahmen, wie Verbesserungen im Ticketsystem, in der Digitalisierung und in der Umsetzung des Musterkorridors der Linie 150, sind wichtige Begleitmaßnahmen.

Lobensommer: Anreize statt Verbote

Der ÖAMTC Salzburg zählt aktuell 116.000 Mitglieder. Viele davon sind als Pendler unmittelbar von den Verkehrsproblemen in Stadt und Land Salzburg betroffen. Die Menschen, die täglich oft von weit her in den Zentralraum pendeln, tragen mit ihrer Arbeitsleistung wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand in Salzburg bei. Im Gegenzug leiden sie unter den zunehmenden Staus und ständig steigenden Kosten. ÖAMTC-Direktor Erich Lobensommer: "Aus zahlreichen Gesprächen mit unseren Mitgliedern geht hervor, dass viele Pendlerinnen und Pendler gerne umsteigen würden, allerdings fehlt es an praxistauglichen Angeboten. Die wichtigste Maßnahme, die der ÖAMTC Salzburg schon seit Jahren fordert, ist der massive Ausbau von Park-and-Ride-Plätzen, gekoppelt mit attraktiven Anbindungen an den öffentlichen Verkehr, idealerweise am Schienennetz, damit Autofahrende, die umsteigen wollen, auch umsteigen können." Parkmöglichkeiten sowohl am Stadtrand als auch in den Regionen mit einer optimalen Anbindung in den Stoßzeiten seien dabei ebenso wichtig wie günstige Tarife oder Kombiangebote wie in Graz und Innsbruck.

ÖAMTC pocht auf Gesamtkonzept von Stadt und Land

Lobensommer betont außerdem eines: "Der ÖAMTC spricht sich entschieden gegen weitere finanzielle Belastungen der Autofahrenden aus. Vielmehr sollte ein Teil der 780 Millionen Euro, die die Salzburger Autofahrer alljährlich an Steuern und Mauten zahlen, zweckgebunden für die Umsetzung dieser Maßnahmen verwendet werden. Auch Gelder aus Parkgebühren und Verkehrsstrafen könnten für die Lösung der Verkehrsproblematik eingesetzt werden." Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, fordert der ÖAMTC eine rasche Einigung auf ein Gesamtkonzept zwischen Stadt und Land. Der ÖAMTC ist gerne bereit, sein Fachwissen einzubringen, um gemeinsam mit allen Beteiligten zu einer nachhaltigen Lösung zu kommen. "Denn nur so kann in Zukunft eine sichere, effiziente und leistbare Mobilität für alle gelingen."

Haibach: Vorrang für den öffentlichen Verkehr

Für das Forum Mobil (ehemals: Verkehrsplattform) fordert Obmann Peter Haibach bis Jahresende 2016 von Stadt, Land und allen Gemeinden einen auf zehn Jahre verbindlichen Beschluss zu fassen: Es soll dem öffentlichen Verkehr in der Stadt Salzburg und den Umlandgemeinden technisch und rechtlich der Vorrang eingeräumt werden. Bei widerstreitenden Verkehrsinteressen ist grundsätzlich der öffentliche Verkehr zu bevorzugen.


Quelle: SN

Aufgerufen am 21.09.2018 um 06:08 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/verkehrslandesrat-praesentiert-seine-loesungen-gegen-stau-945016

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