Politik

Verkehrslandesrat Schnöll will Öffis "ordentlich vergünstigen"

Stefan Schnölls Karrieresprung in die Landesregierung kam überraschend. Hier spricht der Vertraute von Sebastian Kurz über seine ersten Ziele.

Stefan Schnöll kam mit dem Auto zum Interview, in Zukunft will er es öfter stehen lassen und Rad und Bus nehmen. SN/STEFANIE SCHENKER
Stefan Schnöll kam mit dem Auto zum Interview, in Zukunft will er es öfter stehen lassen und Rad und Bus nehmen.

In Ihre Bestellung wurde viel hineininterpretiert. Sind Sie der Agent des Bundeskanzlers, der aufpasst, dass Schwarz-Grün-Pink keine Dummheiten macht? Stefan Schnöll: Absolut nicht. Landeshauptmann Wilfried Haslauer hat mich am Donnerstag vor zwei Wochen eingeladen, ob ich nicht Lust hätte, in die Landesregierung zu kommen. Er und ich haben den Bundeskanzler angerufen, der hat sich sehr gefreut.

Sie werden Verkehrslandesrat und haben kein eigenes Auto. Mit welchem Verkehrsmittel sind Sie zum Interview gekommen? Mit dem Auto. Weil mein Mitarbeiter Fabian Scharler aus Mittersill kommt. Er hat mich auf den Weg zu Ihnen in Wals "aufgeklaubt".

Werden Sie das Auto in Zukunft öfter stehen lassen? Auf jeden Fall. Ich werde auch mit dem Rad fahren oder mit dem Bus. Bei mir in Wals bleibt der 27er ja vor der Haustür stehen.

Wie steht der künftige Verkehrslandesrat zu Tempo 80 auf der Stadtautobahn? Wir werden das evaluieren. Eine Frage lautet, was Tempo 80 in Bezug auf die Luftemissionen bringt. Und ein anderer Punkt, der mein Ressort betrifft, ist die Fahrsicherheit. Da wird man sich anschauen, was es bedeutet, wenn Pkw und Lkw mit fast gleicher Geschwindigkeit unterwegs sind. Viele Menschen schildern uns, dass das gefährlich ist. Wenn dieser Eindruck durch die Unfallstatistik bestätigt wird, dann werden wir für eine Differenz der Geschwindigkeiten sorgen.

Die Rückkehr zu 100/80 oder bleibt 80 für Pkw und kommt 60 für Lkw? Da will ich mich nicht festlegen. Es ist auch nicht meine ausschließliche Zuständigkeit.

Sie können als Verkehrslandesrat nur erfolgreich sein, wenn Sie viel Geld zur Verfügung haben. Sonst müssen Sie sich auf Imagekampagnen beschränken. Wie viel Geld brauchen Sie? Ich bin nicht angetreten, um Symbolpolitik zu machen. Infrastrukturprojekte brauchen Geld. Wir sind einig in der Landesregierung, dass wir mehr Geld in die Hand nehmen müssen für den öffentlichen Verkehr. Wir haben die Regierungsklausur zum Thema Verkehr im Herbst. Da werden wir uns auf konkrete Projekte einigen. Und dann können wir sagen, wie viel das kosten wird.

Wir werden auch den Bund brauchen, das betrifft speziell die Verlängerung der Lokalbahn. Da streben wir ein Memorandum noch in diesem Jahr an. Wenn wir diese Absichtserklärung unterschreiben, dann können wir mit der Stadt gemeinsam eine Planungsgesellschaft gründen. Wir werden aufs Tempo drücken. Und dann werden wir, neben der Beschleunigung des öffentlichen Verkehrs, auch noch die Straßensanierungsoffensive angehen.

Tirol ist Vorreiter, was günstige Öffi-Preise betrifft. Wird es in Salzburg das 365-Euro-Ticket für das ganze Bundesland geben? Das ist eine Geldfrage, aber auch eine Systemfrage. Wir arbeiten zunächst daran, dass wir ein einheitliches Ticketsystem bekommen. Dann wäre schon viel gelungen. Tirol nimmt sehr viel Geld in die Hand, mehr als doppelt so viel wie wir. Ob wir da kurzfristig hinkommen, bezweifle ich.

Ist das 365-Euro-Ticket dann überhaupt realistisch? Man muss eine Vision haben, wo man hinwill.

Und die verwirklicht man noch in dieser Legislaturperiode? Das wird schwierig. Aber wir tun unser Bestes, um die Öffis ordentlich zu vergünstigen.

Das bringt uns zu einem Projekt, das sehr viel Geld kostet, nämlich dem Gitzentunnel. Wie halten Sie's denn damit? Ich muss mir erst selbst ein Bild machen. Wir beabsichtigen die Nordspange zu bauen. Wir müssen jedenfalls unsere Projekte so anlegen, dass nicht nur eine Region profitiert, sondern das ganze Bundesland.

Als Walser sind Sie von den Staus durch die deutschen Grenzkontrollen selbst betroffen. Werden Sie bei Ihrem bayerischen Amtskollegen von der CSU intervenieren? Seit die Grenzkontrollen auf diese Art und Weise durchgeführt werden, ist der Stau bei uns in Wals-Siezenheim unerträglich. Das betrifft nicht nur uns, das betrifft auch bayerische Umlandgemeinden. Jetzt steht der Urlaubsverkehr bevor. Wir haben vollstes Verständnis für Grenzkontrollen. Aber die Deutschen kontrollieren teilweise einspurig. Wir werden natürlich mit Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) und dem bayerischen Innenminister einen Termin anstreben und darauf drängen, dass effizienter kontrolliert wird und die Kontrollen in Stoßzeiten auch zwei- oder dreispurig abgewickelt werden.

In Wien haben Sie als Politiker der großen Regierungspartei die Neos und die Grünen als Opposition erlebt. In Salzburg sitzen Sie mit Ihnen in der Regierung. Was verbindet Sie? Wir haben durchaus Schnittmengen. Ich habe mit Sepp Schellhorn (Neos) im Nationalrat immer konstruktiv zusammengearbeitet. Auch mit den Grünen gibt es Anknüpfungspunkte: Heinrich Schellhorn ist ein sehr sympathischer Kollege. Wenn man will, bringt man gemeinsam etwas zusammen. Das gilt auch für die Opposition. Ich habe aus unserer gemeinsamen Zeit im Nationalrat einen guten Kontakt zu Marlene Svazek (FPÖ). Ich habe Walter Steidl (SPÖ) am Tag nach der Regierungsankündigung auf der Straße getroffen, das war sehr freundschaftlich.

Sie sind seit November 2017 Chef der Jungen ÖVP. Bleiben Sie das? Auf jeden Fall.

Und das bringt Sie nicht in einen Zeit- und Interessenkonflikt? Sebastian Kurz war Außenminister und JVP-Obmann, und es ist sich ausgegangen. Die Junge ÖVP wird ja nicht von Wien aus regiert. Wir sind föderal. Ob ich in Wien oder Salzburg bin, ist nicht so wichtig.

Wo fährt der Verkehrslandesrat auf Urlaub hin, oder haben Sie heuer keinen? Der Urlaub wird großteils gestrichen. Aber wo wir jedes Jahr hinfahren, das ist Caorle. Mein Vater fährt da schon seit 30 Jahren hin. Da werden sich ein paar Tage ausgehen. Und dann bin ich noch ein Rennradfahrer, da kann ich auch in Salzburg ein paar Touren unternehmen.

Aufgerufen am 22.10.2018 um 06:59 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/verkehrslandesrat-schnoell-will-oeffis-ordentlich-verguenstigen-28942048

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