Politik

Wals-Siezenheim: "Dorfkaiser" Bieringer feiert Jubiläum

Der Wals-Siezenheimer Bürgermeister Ludwig Bieringer feiert am Freitag sein 30-jähriges Amtsjubiläum. Freunde wie Mitbewerber zollen ihm Respekt.



"Ein Macher, aber kein Teamspieler." Aber auch "einer, der sein Wort hält und sich für den kleinen Mann einsetzt": So wird Ludwig Bieringer von Freunden und Politik-Mitbewerbern gleichermaßen beschrieben.

Und wie sieht sich der seit 30. Juni 1982 amtierende Bürgermeister von Wals-Siezenheim selbst - bevor er heute, Freitag, mit einem Fest sein 30-Jahr-Amtsjubiläum feiert? "Ich bin ja nur ein kleiner Landbürgermeister", sagt er kokett.

Dass ihm manche den Titel "Dorfkaiser" verleihen, stört ihn "überhaupt nicht. Ich bin ja ein kaisertreuer", sagt er lachend - und verweist weitschweifend auf seine großen Sympathien für Otto Habsburg und die Verdienste von dessen Familie.

Geboren im November 1943 als viertes von fünf Kindern in Attnang-Puchheim wuchs Bieringer ab 1945 in Schörfling auf, "weil wir ausgebombt wurden". Der Vater war Arbeiter in der Lenzing AG, die Mutter Hausfrau. Zur Politik kam der gelernte Eisenhändler 1969: Damals begleitete er als Wahlkampfhelfer den oberösterreichischen LH Heinrich Gleißner (ÖVP). "Seine Ausstrahlung und sein Zugang zu dem Menschen haben mich fasziniert. Da habe ich mir gedacht, ich möchte auch Politiker werden," sagt er.

Seine politische Karriere begann Bieringer als ÖAAB-Personalvertreter beim Bundesheer - jenem Arbeitgeber, der ihn durch seinen Dienstort Schwarzenbergkaserne auch nach Wals-Siezenheim gebracht hat. Während er beruflich den Weg vom Gehilfen des Wirtschaftsunteroffiziers zum Vizeleutnant und Chef der Unteroffiziersmesse nahm, engagierte er sich parallel in der Gemeinde: Dort stieg er ab 1974 vom Gemeindevertreter schnell zum Vize- und dann zum Bürgermeister auf. Weiters fungierte er 18 Jahre als ÖAAB-Landesobmann und brachte es auf drei Präsidentschaften im Bundesrat.

Polarisiert hat Bieringer mit vielen Entscheidungen: etwa der Genehmigung des Baus des Airportcenters - unter Umgehung sämtlicher Raumordnungshürden. Auch der Ersatzbau, das Designer Outlet Center, hatte zu Beginn viele Kritiker - genauso wie das EM-Stadion vor dem Schloss Kleßheim. "Ich würde es heute nicht anders machen", sagt der 68-Jährige selbstbewusst.

Nicht nur beim Stadion hat Wals der Landeshauptstadt aus der Patsche geholfen. Sein bekanntestes Zitat "Wozu soll Wals Stadt werden, wir halten uns eine" dementiert Bieringer daher auch nicht. Trotzdem ist Salzburgs Ortschef Heinz Schaden (SPÖ) bestens auf den Amtskollegen zu sprechen: "Der Ludwig ist ein geradliniger Mensch, hat unglaublich viel Erfolg und ist ein persönlicher Freund." Aber ist ein Politiker mit 30 Amtsjahren nicht ein Auslaufmodell? Schaden: "Wenn einer so oft wiedergewählt wird, hat er seine Qualitäten." Das sagt auch ÖVP-Landesgeschäftsführer Wolfgang Mayer über sein oft unbequemes, polterndes Mitglied, das aber 75,5 Prozent bei der letzten Direktwahl erreichte. Mayer: "Er ist ein gewiefter Verhandler. Und seine Gemeinde hat mehr Arbeitsplätze als Einwohner." Selbst Ernst Offner von den Walser Grünen, der Bieringer seit 1994 kritisch begleitet, zollt ihm Respekt: "Er hat eine soziale Ader. Er kann ziemlich stur sein, aber bei ihm greift immer mehr Altersweisheit um sich. Mittlerweile ist er trotz ÖVP-Absoluter ein aufgeklärter Monarch."

Dass Bieringer Wals-Siezenheim in vielen Dingen zur Vorbildgemeinde gemacht hat, ist unbestritten: Das reicht vom Ortsbus im 20-Minuten-Takt über das seit 1989 bestehende betreubare Wohnen ("da hat es den Begriff noch nicht gegeben") bis zur großzügigen Förderung der 87 Vereine im Ort. Ein Herzensanliegen sind Bieringer die Ringer vom AC Wals mit ihren 46 Meistertiteln. "Da werde ich wieder jung", sagt er.

Freude blitzt in seinen Augen auf, wenn man ihn nach seiner Gattin Rosi fragt - und er erzählt die Geschichte vom Kennenlernen im Sommer 1969 in Italien. "Ich habe vor Zeugen gesagt: Wenn das keine Italienerin ist, muss ich sie heiraten", - was auch binnen eines Jahres passiert ist. Gemeinsam hatten die beiden inzwischen zweifachen Großeltern einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften: Eine ihrer drei Töchter starb mit nur 32 Jahren.

Viel Kritik hat Bieringer als Chef des Kameradschaftsbunds auf sich gezogen - mit der Ablehnung eines aus Steuermitteln bezahlten Denkmals für Deserteure der NS-Armee. "Wer glaubt, dass es das braucht, soll es zahlen. Ich schaue mir an, ob die links-linken Historiker von heute damals den Mut gehabt hätten, zu desertieren."

Wird er bei der Wahl 2014 wieder antreten? - "Man soll in der Politik niemals nie sagen."

Aufgerufen am 14.12.2018 um 07:05 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/wals-siezenheim-dorfkaiser-bieringer-feiert-jubilaeum-5974066

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