Politik

Was können Flüchtlinge? Befragung in Salzburg zeigt Defizite

Die Daten über den Qualifikationsgrad von Flüchtlingen sind teils ernüchternd. Das weiß auch die zuständige Landesrätin.

Deutschkurs im Flüchtlingsheim in Puch: Gerade Frauen haben Nachholbedarf – das zeigt eine Erhebung des Landes.  SN/robert ratzer
Deutschkurs im Flüchtlingsheim in Puch: Gerade Frauen haben Nachholbedarf – das zeigt eine Erhebung des Landes.

Was können jene Flüchtlinge, die nach Salzburg gekommen sind? Welche Berufsausbildung haben sie? Wie gut ist ihr Deutsch bislang?

All das wollte das Land Salzburg in einer Befragung wissen. Die Ergebnisse des ersten Screenings liegen nun vor - sie beruhen auf Eigenangaben und können kaum überprüft werden. 3392 Asylbewerber (2791 Männer, 601 Frauen) wurden in Flüchtlingsunterkünften zwischen Juli und Dezember 2016 befragt. Wobei die Flüchtlinge in der Grundversorgung des Landes insgesamt 61 unterschiedliche Muttersprachen sprechen.

Lesen und Schreiben

Was den Grad der Alphabetisierung anbelangt, so können fast 83 Prozent der Männer und 75 Prozent der Frauen schreiben und lesen. Ein Viertel der Frauen ist demnach nicht alphabetisiert.

7 Prozent sprechen Deutsch

13 Prozent sprachen zum Zeitpunkt der Befragung gar kein Deutsch. Rund die Hälfte hatte geringe Deutschkenntnisse. Knapp 30 Prozent gaben an, Deutsch zumindest zu verstehen. Nur 7 Prozent der Asylbewerber sagten, dass sie Deutsch auch sprechen können. Wobei es markante Unterschiede gibt. Syrer, Pakistani und Nigerianer haben unterdurchschnittliche Deutschkenntnisse.

70 Prozent ohne Zertifikat

70 Prozent der Asylbewerber konnten zum Befragungszeitpunkt noch kein Deutschlevel wie A1 oder höher nachweisen. Zum Zeitpunkt der Erhebung (Juli bis Dezember 2016) waren aber Deutschkurse in der Grundausbildung in Salzburg noch nicht verpflichtend.

29 Prozent der Asylbewerber hatte bereits einen Kurs besucht und abgeschlossen, die meisten befanden sich auf dem niedrigsten Niveau (A1). Wobei Männer prozentuell gesehen eher einen Deutschkurs besucht haben als Frauen, von denen nicht ganz ein Fünftel bereits einen abgeschlossenen Deutschkurs hat. Die Gründe, warum Frauen zum Teil gar keinen Sprachkurs besuchen, ist, dass sie aufgrund von Kinderbetreuungspflichten keinen Kurs besuchen könnten. Zum Zeitpunkt der Erhebung sagten 73 Prozent, dass sie aktuell einen Deutschkurs absolvieren würden. Bei den Frauen lag dieser Anteil aber nur bei 59 Prozent.

Berufsqualifikation

Von den 3392 Befragten haben 77 Prozent angegeben, dass sie einen Beruf haben. Bei den Frauen ist der Anteil wesentlich geringer - nur jede Zweite hat demnach einen Beruf ausgeübt in der Heimat. Einen Nachweis über den zuletzt ausgeübten Beruf können insgesamt nur 13 Prozent vorweisen. Was haben Salzburgs Flüchtlinge also zuletzt gearbeitet? Die meisten - nämlich jeder Zehnte - geben an, dass sie im Einzelhandel tätig waren. Fünf Prozent sagten, sie seien in der Landwirtschaft beschäftigt gewesen. Dahinter folgen Sparten wie Innenausbau/Raumausstattung, Transport/Zustellung, Hochbau, Schönheitspflege/Kosmetik, Maschinen- und Anlagenbau oder Küchen- und Servicekräfte. Den höchsten Frauenanteil gibt es mit 45,5 Prozent in der Berufssparte Reinigung, Hausbetreuung, Anlern- und Hilfsberufe.

Berufswunsch Handwerker

Der Großteil der Flüchtlinge will künftig einen Handwerksberuf oder einen Job im Kfz-Bereich erlernen. 120 Personen wollen eine Lehre absolvieren, knapp 100 in der Gastronomie oder im Tourismus arbeiten. Weitere Berufswünsche: Pfleger und Pflegerin sowie Frisör und Frisörin.

17 % ohne Schulbildung

83 Prozent der befragten Asylbewerber sagen, dass sie eine Schule besucht haben. Wobei die Hälfte davon angibt, zwischen neun und zwölf Schuljahre absolviert zu haben. 565 Personen - das sind knapp 17 Prozent - haben laut Befragung ein abgeschlossenes Studium. 17 Prozent der Asylbewerber haben hingegen gar keine Schule besucht. Bei den Männern sind es 15,6 Prozent, bei den Frauen aber fast ein Viertel.

Wie reagiert die Politik auf diese Ergebnisse? Sie seien in etwa so ausgefallen wie erwartet, sagt Integrationslandesrätin Martina Berthold (Grüne): "Wir haben eine bunte Mischung." Berthold geht mit Zweckoptimismus an die Sache heran: "Es ist wie es ist. Jetzt müssen wir überlegen, wie wir das gemeinsam anpacken." Wesentlich sei die Frage der Nostrifikationen von Berufs- und Studienabschlüssen. "Die Lehre ist ein österreichisches Erfolgsmodell, das gibt es in den Herkunftsländern der Flüchtlinge nicht", sagt Berthold. Asylbewerberinnen müssten von Anfang an "aus der Unselbstständigkeit geholt" werden. Vor allem bei Sprachkursen werde man sehr genau hinschauen, wenn eine Frau als Entschuldigungsgrund "Betreuungspflichten" angebe. "Wenn es heißt, 'der Mann kann ja nicht auf die Kinder aufpassen', dann lassen wir das nicht gelten."

Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) sieht keine alarmierenden Ergebnisse. Bessere Ergebnisse habe er sich persönlich auch nicht erwartet. Man dürfe auch nicht voraussetzen, dass die Menschen sofort Deutsch sprechen könnten. "Wir können auf diesen Daten jetzt aufbauen. Wir sehen, es sind Berufe drinnen, die wir brauchen können. Allein im Pinzgau gehen uns 350 Köche ab", sagt Haslauer.

Unter den Befragten seien etwa auch 31 Personen mit dem Berufsbild "Industrielle Elektronik, Messtechnik" oder 69 Tischler bzw. Holz- und Sägetechniker. Das Land will die Zeit während des Asylverfahrens nun besser nutzen. So sollen Asylbewerber mit Berufswunsch künftig auch berufsbezogene Deutschkurse absolvieren, um schneller am Arbeitsmarkt integriert werden zu können.

Quelle: SN

Aufgerufen am 21.09.2018 um 09:58 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/was-koennen-fluechtlinge-befragung-in-salzburg-zeigt-defizite-352813

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